Waiblingen

Welche Kunst zeigt die Galerie Stihl 2021 in Waiblingen - und wie kam sie bislang durch die Corona-Krise?

Eleganz und Poesie
Anja Gerdemann, Leiterin der Galerie Stihl Waiblingen, im Herbst 2019. Sie zeigt ein Werk im Rahmen der Ausstellung „Eleganz und Poesie. Höhepunkte der französischen Zeichenkunst“, die vom 12. Oktober 2019 bis 6. Januar 2020 gezeigt wurde. Hier waren Handzeichnungen aus drei Jahrhunderten zu sehen. © Benjamin Büttner

Gerade mal sechs Wochen war die Ausstellung zu Max Klingers 100. Todestag in der Waiblinger Galerie Stihl zu sehen – dann musste sie wegen Corona am 15. März 2020 geschlossen werden. Weltweit gingen Museen neue Wege und auch die Waiblinger probierten Neues aus.

Bereits am 17. April trat das Sonderegger-Duo in der Galerie auf – und seine Kammermusik wurde im Rahmen eines Livestreams übertragen. 219 Menschen verfolgten diesen im In- und Ausland, darunter auch Personen aus Italien, Frankreich und Russland. Am 29. Mai fand für die neue Ausstellung „Follow M.E. Marion Eichmann“ erstmals eine virtuelle Vernissage in der Waiblinger Galerie Stihl statt – und trotz der Corona-Auflagen sahen sich bis Ende September mehr als 6000 Menschen die Werke der Künstlerin an.

Eigentlich gibt es pro Jahr traditionell drei Ausstellungen

Die große Frage ist nun, wie Galerie-Leiterin Anja Gerdemann in Coronazeiten das nächste Ausstellungsjahr plant. Eigentlich gibt es in der Galerie jedes Jahr drei Ausstellungen. 2021 werden es aber nur zwei sein und erst von 2022 an wieder drei. Grund dafür ist, dass sich die Planung für 2020 bereits wegen Corona verschoben hat.

"Follow M.E. Marion Eichmann"

Die „Follow M.E. Marion Eichmann“-Ausstellung mit Werken der Berliner Papierkünstlerin, die ursprünglich nur bis 23. August 2020 zu sehen sein sollte, wurde bis Montag, 19. Oktober 2020, verlängert. Die Idee dahinter ist, dass trotz der Corona-Beschränkungen möglichst viele Menschen kommen können. Schließlich dürfen sich derzeit laut Internetseite der Galerie nur maximal 40 Besucher zeitgleich in der Ausstellung aufhalten. Auch müssen diese zum Schutz zwei Meter Abstand halten und einen Mund-Nasen-Schutz tragen.


Alles verschiebt sich nach hinten

Die Verschiebung bei der Marion-Eichmann-Ausstellung wirkt sich natürlich auf die folgende Ausstellung aus. „Im Rausch der Zeit. Expressionismus von Kollwitz bis Klee“ sollte eigentlich am Sonntag, 17. Oktober, starten und bis Sonntag, 10. Januar 2021, gezeigt werden. Nun sind die rund 100 Zeichnungen, Radierungen und Holzschnitte von insgesamt 29 Künstlern erst vom Donnerstag, 3. Dezember 2020, bis Sonntag, 28. Februar 2021, zu sehen. Vertreten sein werden dann unter anderem Werke von Paul Klee, Otto Dix, Max Beckmann, Käthe Kollwitz, Max Pechstein, Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner.

"ICH. Zwischen Abbild und Neuerfindung"

Aufgrund dieser zeitlichen Veränderungen wird es 2021 nur zwei Ausstellungen geben. „ICH. Zwischen Abbild und Neuerfindung“ heißt die erste, sie beginnt am 17. April 2021 und endet am 18. Juli 2021. Es geht um das Selbstbild von Künstlern von 1900 bis heute.

Selfie des Künstlers Ai Weiwei

Gezeigt wird etwa ein Selfie des chinesischen Künstlers und Menschenrechtlers Ai Weiwei, den dieser 2009 bei seiner Verhaftung in einem Hotel in Chengdu machte. Oder ein Werk von Thorsten Brinkmann von 2006, der sein Gesicht in einem Karton versteckte. Obwohl die Galerie Stihl einen Schwerpunkt auf Papier hat, werden bei dieser Ausstellung auch skulpturale Werke und Videoarbeiten zu sehen sein.

Plattencover als Kunstwerke

„Cover Art“ lautet der Arbeitstitel jener Ausstellung, die vom 18. September 2021 bis 9. Januar 2022 gezeigt wird. Präsentiert werden dem Publikum Plattencover und auch deren Vorläufer, die Papphüllen. Der amerikanische Grafikdesigner Alex Steinweiss gilt als Erfinder des modernen Plattencovers. Das erste gestaltete er 1940 und sofort zeigte sich, dass sich solch ein Album wesentlich besser verkauft.

Für die deutsche Band Kraftwerk kreativ gewesen

Ein weiterer renommierter Künstler ist Emil Schult, der von 1972 an mit Kraftwerk zusammenarbeitete, den Pionieren der elektronischen Musik. Vernissage soll am 17. September 2021 sein. Für das Konzept der Ausstellung arbeitet Galerie-Leiterin Anja Gerdemann mit Walter Schönauer zusammen, dem Art Director der Musikzeitschrift „Rolling Stone“, der auch schon für Herbert Grönemeyer Plattencover gestaltet hat.

In überregionalen Medien Beachtung gefunden

In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Kultur und Sport kam das vorgestellte Programm gut an. „Unsere Galerie bewährt sich in diesen Krisenzeiten“, fand FDP-Stadträtin Julia Goll. Wolfgang Bechtle (CDU) lobte vor allem die Ausstellung „Follow M.E. Marion Eichmann“, die auch in den überregionalen Medien wie etwa der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder dem Tagesspiegel Beachtung fand.

Schulklassen konnten nicht mehr kommen

Innovativ war die Galerie Stihl in Coronazeiten auch in Sachen Kunstvermittlung. Leiterin Anja Gerdemann hat digitale Angebote ausprobiert, die zusammen mit der Kunstschule Unteres Remstal entstanden sind. Den Besuch von Schülern im Museum kann dies indes nicht ersetzen. Anja Gerdemann gab in der Sitzung des Ausschusses offen zu, dass die Galerie Stihl darunter gelitten habe, dass viele Monate überhaupt keine Schulklassen mehr kommen konnten. Jetzt könnten die Schulen zwar wieder das Angebot nutzen – aber „bis jetzt sind sie noch sehr zaghaft“.

Gerade mal sechs Wochen war die Ausstellung zu Max Klingers 100. Todestag in der Waiblinger Galerie Stihl zu sehen – dann musste sie wegen Corona am 15. März 2020 geschlossen werden. Weltweit gingen Museen neue Wege und auch die Waiblinger probierten Neues aus.

Bereits am 17. April trat das Sonderegger-Duo in der Galerie auf – und seine Kammermusik wurde im Rahmen eines Livestreams übertragen. 219 Menschen verfolgten diesen im In- und Ausland, darunter auch Personen aus Italien,

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