Waiblingen

Weltfrauentag in Waiblingen: Frauen haben durch Corona-Pandemie mehr Nachteile

Frauentag
Bild aus der Zeit vor der Pandemie: Christiane Dürr, die Erste Bürgermeisterin der Stadt Waiblingen, bei einer Veranstaltung zum Internationalen Frauentag 2019. © Alexandra Palmizi

Corona überdeckt lediglich den gewohnten Ablauf des heutigen Internationalen Frauentags, nicht aber die Relevanz. Frauen bekommen die Auswirkungen der Pandemie besonders heftig zu spüren: Sie arbeiten vermehrt in Pflege- und Medizinberufen sowie im Einzelhandel, was ein erhöhtes Infektionsrisiko mit sich bringt.

Häufig sind es die Frauen, die ihre Arbeitszeit runterfahren oder komplett aussteigen, um volle Kraft voraus das Home-Schooling zu managen. Oder sie erweisen sich als unerschrockene Multi-Taskerinnen, sind Lehrerin, Erzieherin und Freundin für ihre Kinder und bewerkstelligen ihren Job im Home-Office, ohne die gewohnte Unterstützung von Großeltern und Betreuungseinrichtungen.

80 Prozent der Kinderkrankentage wurden durch Mütter beantragt

„Die Pandemie ist weiblich – nicht nur in grammatikalischer Sicht“, verdeutlicht Christiane Dürr, Erste Bürgermeisterin der Stadt Waiblingen, anlässlich des Internationalen Frauentags. Gerade das Corona-Jahr habe gezeigt, dass es an vielen Stellen bei der Gleichstellung von Frauen und Männern immer noch hapert. 80 Prozent der Kinderkrankentage seien durch Mütter beantragt worden, fokussiert die Frauenratsvorsitzende Angelika Winterhalter mit Verweis auf Medienberichte auf eine Problematik, die durch die Pandemie augenfälliger geworden sei.

Wegen Corona findet der Internationale Frauentag 2021 digital statt

Face to face sehen sich die Frauen dieses Jahr nicht, doch der Internationale Frauentag geht auch in digitaler Form. In einem Pressegespräch stellen die Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr, die Frauenratsvorsitzende Angelika Winterhalter und Gabi Weber, die Beauftragte für Chancengleichheit der Stadt Waiblingen, das Programm vor, gespickt mit vielfältigen Vorträgen, Online-Workshops und musikalischen Impulsen.

Frauenratsvorsitzende Angelika Winterhalter bemängelt fehlende Diversität in Gremien

Der Frauenrat möchte als Programm-Macher und Veranstalterin des Internationalen Frauentags die Frauen sowie die Vielfältigkeit der Meinungen und weiblichen Perspektiven „sichtbarer“ machen. „Das ist immer noch das zentrale Thema. Wir sind knapp die größere Hälfte der Gesellschaft, aber in der öffentlichen Wahrnehmung zu wenig präsent“, hält die Frauenratsvorsitzende Angelika Winterhalter fest, die als Sprecherin eines bürgerschaftlichen Gremiums fehlende Diversität gerade in vielen Gremien bemängelt. „Wir Frauen sind vielfältig, eine große Gruppe. Es ist notwendig, es sollte die Realität sein, dass unsere Perspektive in den Gremien vertreten ist.“

„Männliche Entscheidungsträger prägen Gesetze und organisieren die Strukturen, nach denen unser Alltag abläuft“

Was sie sieht und erlebt: „Huch, da ist ja noch eine Frau.“ Dieser Effekt zeige sich etwa beim Blick auf Gruppenbilder bei Ministertreffen oder Vorständen. „Männliche Entscheidungsträger prägen Gesetze und organisieren die Strukturen, nach denen unser Alltag abläuft und nach denen wir leben.“

In den 1100 Kommunen in Baden-Württemberg gibt es rund 100 Bürgermeisterinnen

Mit rund 100 Bürgermeisterinnen in 1100 Städten und Gemeinden sei man in Baden-Württemberg von „Diversität“ weit entfernt. Dabei wollen Frauen als „normaler Bestandteil der Gesellschaft“ wahrgenommen werden, „nicht als etwas Besonderes“. Nicht jede Frau müsse sich nach Spitzenpositionen ausstrecken, doch „sie sollte die Chance dazu haben, sich zu entscheiden, welcher Lebensentwurf für sie passt“, sagt Gabi Weber, die Beauftragte für Chancengleichheit.

Vieles wurde in der Geschichte hart erkämpft - wie etwa das Frauenwahlrecht

Der Frauentag mache sichtbar, dass noch viel getan werden muss, er sei aber auch Erinnerung an das, was erreicht wurde. Vieles davon sei nicht vom Himmel gefallen, sondern sei hart erkämpft worden. Gabi Weber nennt das Frauenwahlrecht und die erst seit den 1960er Jahren existierende Geschäftsfähigkeit von Frauen. Und immer noch sei der Internationale Frauentag unverzichtbar: „Wir brauchen weiterhin eine Frauenbewegung, weil das Thema noch lange nicht durch ist.“

Einsatz für eine geschlechtersensible Sprache

Strukturelle Benachteiligungen bestehen aus Sicht von Gabi Weber fort, etwa bei der Familien- und Karriereplanung. „Politiker, Experten, Entscheider, Führungsmänner: Frauen ist oft nicht bewusst, dass sie Astronautinnen werden können“, so Gabi Weber. Das fange bereits beim Sprachgebrauch an: „Wenn die Politikerin nicht vorkommt, dann gibt es sie in vielen Köpfen nicht“, erklärt sie ihren Einsatz für eine geschlechtersensible Sprache.

„Da ist noch Luft nach oben, auf allen Ebenen“

Der kritische Blick der Waiblinger Beauftragten für Chancengleichheit richtet sich aufs „Doing gender“, die geschlechtsbezogene Erziehung. Vielen Frauen, betont Gabi Weber, seien ihre „Begrenzungen“ gar nicht bewusst. Sie seien bei Entscheidungen „Mustern und Rollenbildern“ verhaftet, „die sich in uns festgesetzt haben“. Frauenthemen bleiben gesamtgesellschaftlich relevant. „Da ist noch Luft nach oben, auf allen Ebenen.“

Corona überdeckt lediglich den gewohnten Ablauf des heutigen Internationalen Frauentags, nicht aber die Relevanz. Frauen bekommen die Auswirkungen der Pandemie besonders heftig zu spüren: Sie arbeiten vermehrt in Pflege- und Medizinberufen sowie im Einzelhandel, was ein erhöhtes Infektionsrisiko mit sich bringt.

Häufig sind es die Frauen, die ihre Arbeitszeit runterfahren oder komplett aussteigen, um volle Kraft voraus das Home-Schooling zu managen. Oder sie erweisen sich als

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