Waiblingen

Wen das Forum Mitte in Waiblingen mit Mittagessen beliefert

Forum Mitte
Mit Masken und Handschuhen ausgestattet, werden die mit Essen beladenen Servicewagen in Richtung Betreutes Wohnen geschoben. © ZVW/Gabriel Habermann

Mal spricht ein bekannter Radiomoderator, mal gastiert ein ehemaliger Polizeipräsident. Doch es sind nicht nur die Vorträge, die die Besucher im Forum Mitte zusammenbringen – die Menschen treffen sich hier auch, um gemeinsam zu tanzen, zu basteln, zu trainieren oder Ausflüge zu unternehmen. Kurzum: Die städtische Einrichtung in der Blumenstraße ist eine Begegnungsstätte für viele Menschen unterschiedlichen Alters – insbesondere aber für viele Senioren, die derzeit zur Corona-Risikogruppe gehören.

,,Das ist schade, es fehlt uns sehr."

Zur Eindämmung des Coronavirus hat das Forum Mitte bis auf weiteres geschlossen. Was die Besucher dazu sagen? „Das ist schade, es fehlt uns sehr.“ Diesen Satz höre er in letzter Zeit häufig, sagt Martin Friedrich, der das Forum leitet. Besonders dann, wenn er bekannten Gesichtern in der Innenstadt begegne. Manche kämen auch direkt zum Forum Mitte: „Es kommt fast jeden Tag jemand vorbei, um zu schauen, ob wir da sind“, sagt Friedrich. Ja, sind sie. Doch auch wenn das Büro zu den üblichen Zeiten besetzt ist, bleiben die Türen für Besucher verschlossen. Das gilt auch für die offene Cafeteria im Forum Mitte.

,,Wir dürfen niemanden empfangen"

Normalerweise treffen sich dort Menschen zum Plaudern, auf einen Kaffee oder essen gemeinsam zur Mittagszeit. Die Cafeteria bietet einen offenen Mittagstisch an. Doch vor Ort darf das zurzeit eben niemand nutzen. Fest steht: „Im Moment dürfen wir niemanden empfangen“, sagt Martin Friedrich. Doch die Arbeit im Büro und in der Küche werde fortgesetzt. Das bedeutet, während Martin Friedrich im Büro sich um den Papierkram kümmert, wird in der Küche jeden Tag für ein anderes Gericht Gemüse geschnippelt, Fleisch gebrutzelt und Pudding gekocht.

Essen am Vortag vorbestellen

Für die, die sonst im Forum Mitte essen, gibt es nun das Angebot, dass sie ihre Speisen unter Einbehaltung der Sicherheitsvorkehrungen abholen oder sogar nach Hause liefern lassen können. Hierbei gilt: Das Essen muss am Vortag bis 14 Uhr unter0 71 51/5 02 99 33 oder per E-Mail an essen-forummitte@outlook.de vorbestellt werden.

Speiseplan im Internet zu finden

Weil viele ehrenamtliche Helfer weggefallen sind, da sie wegen ihres Alters selbst zur Risikogruppe gehören, musste auch der Chef mitanpacken. „Ich helfe jetzt auch jeden Tag mit, um die Cafeteria zu unterstützen und den Kontakt aufrechtzuerhalten“, sagt Martin Friedrich. Das Team beliefere etwa 20 bis 25 Menschen, die größtenteils im Betreuten Wohnen leben. Bei der Lieferung kommt ein Aufschlag von zwei Euro pro Essen hinzu. Der wöchentliche Speiseplan werde in die Postkästen eingeworfen. Wer sich erkundigen möchte, welche Gerichte für die kommende Woche auf dem Plan stehen, findet diesen auch im Internet unter www.waiblingen.de.

Das Forum Mitte bietet auch eine Selbstabholung an

Das Angebot soll es die ganze Krise über geben: „Den Mittagstisch werden wir in dieser Form aufrechterhalten, damit wir die Menschen beliefern können“, sagt Friedrich. Das Forum Mitte bietet auch eine Selbstabholung an. Auch davon machten viele Gebrauch, so auch eine ältere Dame, die Martin Friedrich auf über 90 Jahre schätzt. Jeden Tag komme sie, um ihr Mittagessen abzuholen. „Eigentlich sollte sie zu Hause bleiben“, sagt Friedrich. „Für sie ist es wichtig, dass sie es selber machen kann.“

Für viele ein Highlight: Die kurze Begegnung beim Abholen oder bei der Lieferung

Für die Menschen ist die kurze Begegnung beim Abholen oder der Lieferung des Essens nun ein kleines Highlight am durch Corona teilweise eintönig gewordenen Tag, glaubt er. Dann könne man sich für wenige Minuten miteinander unterhalten und sich nach dem Wohlbefinden des Gegenübers erkundigen.

Wie geht es im Forum Mitte weiter?

Die Arbeit in der Cafeteria geht trotz aller Krisenprobleme einigermaßen weiter. Doch wie will das Forum Mitte künftig seine Besucher erreichen? „Wir sind dabei, zu überlegen, was man machen kann“, sagt Leiter Friedrich. „Die ganzen Veranstaltungen, Begegnungen, Bildung und Kultur sind das Existenzielle des Forums Mitte.“ Genau das alles falle derzeit flach. „Es fehlt dieser Ablauf mit den Veranstaltungen.“

Um dennoch den Kontakt aufrechterhalten zu können, feilen sie derzeit an Ideen, etwa an Online-Angeboten. Doch eine Alternative im Internet setzt in erster Linie voraus, dass die digitale Technik vorhanden sein muss. Und die Nutzer müssen damit umgehen können. An dieser Stelle teilt Friedrich die treuesten Besucher des Forum Mitte, die Senioren, in zwei Gruppen auf. „Es gibt die jüngeren Senioren, die sind sehr mobil, die kommen jetzt am besten einigermaßen zurecht. Denen fehlt die Möglichkeit, sich zu treffen.“ Und dann gebe es die, die nur noch kurze Wege gehen könnten: Für sie sei das Forum Mitte „eine Anlaufstelle“ gewesen, so Friedrich. Und gerade sie sind seiner Erfahrung nach am wenigsten mit Smartphones, Computer oder Ähnlichem ausgestattet

Manche genießen die Ruhe

Ob digitale Angebote bei den Besuchern des Forum Mitte also gut ankämen? „Mein Eindruck ist, dass manche mit sich selber zu tun haben. Es gibt auch Leute, die sagen, vielleicht ist es gut, jetzt zur Ruhe zu kommen. Von daher muss man schauen, wie virtuelle Angebote auf Resonanz stoßen“, sagt Friedrich. „Persönlich findet ja jeder seinen Weg, wie er durch die Krise kommt.“ Auch das Forum Mitte werde einen Weg finden. „Man merkt, wie anpassungsfähig man ist. Aber klar, der Großteil des Programms war geplant und da schmerzt es schon, dass man es nicht machen kann.“

Das Forum Mitte ist unter0 71 51/50 01 26 96 oder per E-Mail an martin.friedrich@waiblingen.de zu erreichen.

Mal spricht ein bekannter Radiomoderator, mal gastiert ein ehemaliger Polizeipräsident. Doch es sind nicht nur die Vorträge, die die Besucher im Forum Mitte zusammenbringen – die Menschen treffen sich hier auch, um gemeinsam zu tanzen, zu basteln, zu trainieren oder Ausflüge zu unternehmen. Kurzum: Die städtische Einrichtung in der Blumenstraße ist eine Begegnungsstätte für viele Menschen unterschiedlichen Alters – insbesondere aber für viele Senioren, die derzeit zur Corona-Risikogruppe

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