Waiblingen

Weniger Straftaten, aber mehr Gewalt

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Polizeipräsident Roland Eisele. © Gaby Schneider/ZVW

Waiblingen. Mehr Gewalt, aber weniger Straftaten insgesamt: Diese Bilanz zieht die Polizei fürs Jahr 2017. Als „besorgniserregend“ bezeichnete Kripo-Chef Reiner Möller die Zunahme der Gewalt. Dennoch: „In unserer Region lebt es sich relativ sicher“, sagte Polizeipräsident Roland Eisele.

Drei Schwerpunkte nennt die Polizei fürs laufende Jahr 2018: Die Zahl der Einbrüche weiter eindämmen, besonderes Augenmerk auf Sicherheit im öffentlichen Raum legen und das „Kriminalitätslagefeld Zuwanderung“ im Auge behalten. Mit etwas weniger als 40 Prozent ist der Anteil der Nicht-Deutschen an allen Tatverdächtigen im Rems-Murr-Kreis 2017 im Vergleich zum Vorjahr fast unverändert geblieben. Die meisten nicht-deutschen Täter stammten, bezogen auf das gesamte Gebiet des Polizeipräsidiums Aalen, aus der Türkei. Auf Platz zwei steht Rumänien, gefolgt von Italien, Syrien und Griechenland. Tatverdächtige Flüchtlinge und Zuwanderer kamen in der Mehrheit aus Syrien, Algerien, Gambia und Afghanistan.

Ganz allgemein nimmt Gewalt weiter zu: Im Fünf-Jahres-Vergleich bewegte sich die Zahl der Körperverletzungsdelikte auf einem Höchststand. Besonders im Rems-Murr-Kreis haben Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum zugenommen, wie aus der Statistik hervorgeht. Spielen sich gewalttätige Szenen vor aller Augen ab, hat das natürlich Auswirkungen auf das Sicherheitsempfinden der Menschen. Die Polizei versucht, mit sichtbarer Präsenz gegenzusteuern.

Senioren fürchten sich – zu Unrecht – in der Tendenz mehr vor Kriminalität als Jüngere. Mit Blick auf die Statistik müssten Senioren aber weniger Angst haben: Ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt etwas mehr als ein Fünftel, ihr Anteil an den Opfern aber weniger als sieben Prozent.

Bei knapp der Hälfte der Einbrüche bleibt es beim Versuch

Wahr ist allerdings, dass es Betrüger mit ganz bestimmten Tricks gezielt auf Senioren abgesehen haben. Worüber sich Reiner Möller „dramatisch ärgert“, sind falsche Polizeibeamte. Mit dieser Masche haben Gaunerbanden allzu oft Erfolg. Betrüger rufen ältere Menschen an und behaupten beispielsweise, es seien Einbrecher in der Nachbarschaft unterwegs und die Polizei müsse sofort Vermögenswerte sichern. Das ist frei erfunden; die echte Polizei würde niemals Geld und Gold der Bürger an der Haustür abholen. Gutgläubige Ältere übergeben aber immer wieder Wertsachen an Fremde, deren Kumpane ihnen zuvor gehörigen Schrecken eingejagt haben. Es gibt Fälle, da Senioren auf diese Weise sechsstellige Beträge verloren haben, so Reiner Möller. Das Geld später zurückzuholen ist natürlich schwierig. Landesweit belief sich der von falschen Polizeibeamten verursachte Schaden im vergangenen Jahr auf 5,3 Millionen Euro, das entspricht einem Verlust von Im Vergleich zum Jahr davor hat sich die Schadenssumme vervierfacht.

Erfolge vermeldet die Polizei in Bezug auf Diebstähle, insbesondere Einbrüche: Offenbar zeigt der Einsatz der Polizei Wirkung, und Bürger dürften ihr Hab und Gut heute besser sichern als noch vor Jahren: Bei knapp der Hälfte der Einbrüche blieb es beim Versuch, berichtete Reiner Möller. Die Schadenssumme bezifferte er auf rund 1,12 Millionen Euro. Etwas mehr als ein Fünftel aller Fälle und damit deutlich mehr als bisher konnten aufgeklärt werden. Dieses Jahr setzt sich der positive Trend bereits fort, berichtete Möller. Einbrecher bevorzugen aus naheliegenden Gründen Ziele nahe der Bundesstraßen und der S-Bahn. Mehr als ein Drittel aller Fälle ereignet sich in der Zeit zwischen 6 Uhr und 21 Uhr, und am aktivsten sind die Täter in den dunkleren Monaten Oktober bis März.

 

In einem anderen Kriminalitätsfeld weist die Statistik einen eklatanten Anstieg aus: Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung hat deutlich zugenommen. Der Anstieg hat allerdings mit Neuerungen im Gesetz zu tun: Sexuelle Belästigung gilt nun auch als Straftatbestand. Diese sind in der 2017er-Statistik mit 96 Fällen präsidiumsweit erstmals erfasst. Diese herausgerechnet, ergibt sich bei den Sexualstraftaten immer noch ein Zuwachs von mehr als 14 Prozent.

Als „großes Hauptaktivitätsfeld“ bezeichnete Reiner Möller die Rauschgiftkriminalität. Delikte im Zusammenhang mit Rauschgifthandel haben im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 17 Prozent zugenommen. Deutlich angestiegen sind laut Möller die Rauschgiftmengen, welche die Polizei sichergestellt hat: Rund 180 Kilo Marihuana, 330 Gramm Heroin, 4,4 Kilo Kokain und weitere Drogen. Vier Menschen sind 2017 im Rems-Murr-Kreis an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben. „Haupttodesursache bleibt das Heroin“, sagte Möller.

Ein Drittel der mutmaßlichen Täter stand unter Alkoholeinfluss

Junge Menschen neigen eher dazu, straffällig zu werden als Ältere: Ein Drittel der Tatverdächtigen war im Berichtsjahr unter 21 Jahre. Ebenfalls ein Drittel der Verdächtigen war zum Tatzeitpunkt alkoholisiert.

Besonders nachts rückt eine Vielzahl von Polizeibeamten zu einem ganz anderen Zweck aus: Fast 2000 Großraum- und Schwertransporte hatte das Polizeipräsidium Aalen 2017 zu begleiten. Fußballspiele binden ebenfalls Polizeikräfte; allein für die Sicherung von 46 Spielen, darunter 16 Risiko-Begegnungen, waren im vergangenen Jahr rund 2 330 Beamte im Einsatz.