Waiblingen

Wer hat das Gras geklaut?

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Das Gras wächst wieder, doch Werner Herzog stellt sich die bange Frage, ob der Unbekannte das nächste Mal wieder schneller ist als er. © Schechinger / ZVW

So ebbes - Kolumne von Hans-Joachim Schechinger

Im Hauptberuf ist der Stettener Werner Herzog Chef eines 24 Jahre alten Maschinenbauunternehmens. In seiner Freizeit fährt er mit dem Balkenmäher über seine zwei Baumstückle, eines im Bühl beim Katzenbecken, das andere in der Lindhalde unterhalb des Fahrwegs nach Strümpfelbach. Regelmäßig räumt er auf Letzterem das saftige Gras ab. Die Tochter wartet darauf. Sie verfüttert das Heu an ihre Stallhasen. So gesehen wäre auf der acht Hektar großen Hangparzelle alles im grünen Bereich, stünde der Mann mit dem Rechen in der Hand nicht vor einem Rätsel. Jemand vergreift sich an seinem Gras. Neulich kam er auf sein Grundstück, Flurstücknummer 5034, um für die Hasen der Tochter Nachschub zu ernten, aber das Kraut war schon abgemäht. Ist das nun Grünfrevel oder ein Versehen?

Die IG Streuobst hat für das Gelände einen Pflegeauftrag. Zweimal im Jahr darf sie dort abräumen. Weil auf der Wiese jüngst fünf frisch gepresste Heuballen lagen, als Werner Herzog mal wieder abmähen wollte, kam ihm der Verdacht, die IG habe womöglich ganze Arbeit geleistet. Falsch, die war es nicht. „Sei doch froh, dann ist wenigstens schon gemäht“, beruhigte ihn IG-Streuobst-Mann Josef Engler am Telefon. So kann man’s auch sehen, aber wissen würde Herzog schon gerne, wer ihm da sein Geschäft abnimmt.

Eine Woche, nachdem er die Heuballen auf seinem Stückle entdeckt hatte, waren sie weg. Mysteriös. Hat jetzt auch noch ein Dritter die Hände im Spiel, der schlau erntet, was ein anderer unter den zwei hochstämmigen Walnussbäumen gepresst hat? Sogar die Spur der Räder sieht man noch. „Ich tät gern wissen, wer’s war“, sagt Werner Herzog und schmunzelt. „Keiner weiß es. Vielleicht ist es ja nur eine Verwechslung.“ Er wolle den Unbekannten nicht zur Rechenschaft ziehen, es gehe ihm nicht um Schadensersatz, betont er. Er sei eben nur bass erstaunt, dass sich da jemand an seinem Gras vergreift. Oder besser: am Heu der Hasen seiner Tochter.