Waiblingen

Wer kann sich das noch leisten? Waiblinger Bauunternehmer bekommen weniger Hausbau-Anfragen

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Symbolfoto. © Gaby Schneider

Preise für Bauteile, die sich von einem Tag auf den anderen erhöhen, manchmal sogar rückwirkend, Preissteigerungen etwa für Betonstahl von bis zu 80 Prozent – das, was die Baubranche zurzeit erlebe, habe er in seinen ganzen 45 Jahren im Beinsteiner Familienunternehmen nicht erlebt, meinte unlängst Geschäftsführer und Vater Friedrich Kuhnle zu seinen Söhnen Moritz und Matthias.

„Ja, es ist zurzeit schwierig, was die Preisstabilität betrifft“, sagt Matthias Kuhnle im Gespräch mit der Lokalredaktion. Bis zu Beginn der Corona-Pandemie arbeiteten sie mit Preisen, die größtenteils über Jahresverträge oder mit Festpreisen über die Bauzeit der Objekte gültig waren. Teils habe es eine Erhöhung zum Jahresende gegeben – nicht immer, aber immerhin mit einer Vorlaufzeit von drei bis vier Monaten in Höhe von drei bis vier Prozent. Nun hatten sie schon den Fall, dass sich Preise kurzfristig veränderten. Die Rede ist von bis zu zehn Prozent. Bei Baustoffen, die unter hohem Energieaufwand hergestellt werden wie etwa Betonstahl waren es unlängst sogar 80 Prozent. Aktuell erhalten sie Briefe über Preissteigerungen auf Baustoffe, die dann auch zum größten Teil mit sofortiger Wirkung gelten, berichtet der 41-Jährige.

Berthold Kuhnle Bauunternehmung fertigt in erster Linie Rohbauten im Preissegment von ein bis drei Millionen Euro Kosten an: Mehrfamilienhäuser mit Tiefgarage, je nach Auftrag auch mal mit einer Gewerbeeinheit darin untergebracht, öffentliche Bauten wie Kindergärten oder Schulen, Industrie- und Gewerbebau, aber auch im Einzelfall Einfamilienhäuser im Auftrag privater Bauherren.

Nur wenige Bau- und Projektleiter auf dem Arbeitsmarkt 

Seit 2011 sind auch Schlüsselfertigbauten für Gewerbe und Industrie Teil des Aufgabenfelds. Dass sie ein Projekt wie das eines Weinguts, das gerade am Ortsrand von Beinstein in Richtung Korb entsteht, schlüsselfertig errichten, „ist eher selten der Fall“, sagt Moritz Kuhnle, Sohn von Friedrich Kuhnle und Prokurist bei Berthold Kuhnle Bauunternehmung. Pro Jahr würden sie nur eines solcher arbeitsintensiven Projekte annehmen. Es liege schlichtweg daran, dass ihnen Personal in Form von Bau- und Projektleitern fehle und der Arbeitsmarkt in der Baubranche dazu sehr angespannt sei, so der 37-Jährige.

Die Gebäude dort nehmen bereits ihre endgültige Gestalt an. Preisprobleme wie bei vielen anderen laufenden Baustellen habe es hier mit Ausnahme des Trapezblechs keine gegeben, da die allermeisten Gewerke schon deutlich vor der Krise und dem Angriffskrieg auf die Ukraine vergeben gewesen seien, so Moritz Kuhnle.

In der Regel habe das Unternehmen zwischen 20 und 25 Baustellen im Jahr bei rund 70 Mitarbeitern, Bürokräfte eingeschlossen. Gleichzeitig arbeitet Kuhnle mit zahlreichen Subunternehmern zusammen.

Tagespreise für Stahl und Zement

Wie kann man sich als Unternehmen absichern, dass man am Ende nicht auf der Kostenexplosion sitzenbleibt? Bevor es zur Auftragsvergabe komme, frage man die Preise nochmals ab. „So versucht man eine Kostensicherung zu bewirken“, berichtet Moritz Kuhnle. Das klappe nicht immer. Eine Weile habe es Schwierigkeiten bei Holzlieferungen gegeben. Aktuell gebe der Weltmarkt für alle Produkte, die auf Basis von Rohöl hergestellt werden, wie Dämmstoffe, Tagespreise an - genauso für Stahl oder Zement, wofür bei der Herstellung ein hoher Energieaufwand betrieben wird.

Dass man am Ende nicht auf unvorhersehbaren Mehrkosten sitzenbleibe, sei Sache der vertraglichen Grundlage. Zunächst werde weiterhin versucht, Festpreise mit den Lieferanten über das gesamte Bauvorhaben abzuschließen. Falls dies zukünftig nicht mehr möglich sein sollte, nennt der 41-jährige Prokurist Matthias Kuhnle als Stichwort die Stoffpreisgleitklausel, wobei vereinbart werde, den Preis aufgrund gestiegener Einkaufspreise anzupassen. Dies gelte aber in beide Richtungen. Bei höheren Einkaufspreisen steige der Preis – bei niedrigen falle er wieder. Da dies mit großem Aufwand verbunden sei, wolle man dies auch in Zukunft weiter vermeiden.

Mehrkosten werden unter Lieferant, Bauträger und Kuhnle als ausführendes Unternehmen aufgeteilt

Bei laufenden Projekten habe man teils einen Mittelweg finden können, so dass eine Kostenexplosion bei „Beton etwa zu je einem Drittel unter Bauträgern, Lieferanten und uns als ausführendes Unternehmen geteilt wurde“, erinnert sich Moritz Kuhnle. „Gestiegene Energiekosten, Mehrausgaben für Benzin oder Diesel, welche Laster als Treibstoff benötigen, müssen wir genauso schlucken wie andere auch“, meint er.

Zu den gestiegenen Preisen kommen dazuhin längere Lieferzeiten bedingt beispielsweise durch den erneuten Corona-Lockdown in den vergangenen zwei Monaten in China, wodurch etwa Ware in Shanghai festsaß.

Baustoffe, auf die man sonst eine Woche wartete, hatten nun Lieferzeiten von bis zu vier Wochen. Absoluter Stillstand auf Baustellen aufgrund von Materialknappheit gab es bis dato aber noch nicht, sind sich die Brüder einig.

Gestiegene Risiken für Häuslebauer

Fast parallel zur Kostensteigerung im Baugewerbe hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins angehoben – eine erste Erhöhung seit elf Jahren aufgrund der hohen Inflationsrate im Euroraum. Während der Wohnungsbau in den vergangenen Jahren regelrecht boomte, da viele ihr Geld in Eigentum anlegen wollten, registriere das Bauunternehmen nun eine Kehrtwende.

Zwar kämen weiterhin noch Angebotsanfragen ins Haus, jedoch habe sich die Anzahl im Vergleich zum Jahresanfang etwas reduziert. Meist sei das schlichtweg eine Kostenabfrage. Wenn ein Angebot rausginge, heiße das noch lange nicht, dass tatsächlich gebaut werde, meint Matthias Kuhnle. Die gestiegenen Bauzinsen bewirken, dass sich viele den Hausbau schlichtweg nicht mehr leisten könnten. Hinzu komme die Ungewissheit der Baukosten: „Manche wollen erst mal abwarten, um das Risiko besser einschätzen zu können“, sagt Moritz Kuhnle.

Preise für Bauteile, die sich von einem Tag auf den anderen erhöhen, manchmal sogar rückwirkend, Preissteigerungen etwa für Betonstahl von bis zu 80 Prozent – das, was die Baubranche zurzeit erlebe, habe er in seinen ganzen 45 Jahren im Beinsteiner Familienunternehmen nicht erlebt, meinte unlängst Geschäftsführer und Vater Friedrich Kuhnle zu seinen Söhnen Moritz und Matthias.

„Ja, es ist zurzeit schwierig, was die Preisstabilität betrifft“, sagt Matthias Kuhnle im Gespräch mit der

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