Waiblingen

Werbebanner am Kirchturm

Michaelskirche_0
Ein Spendenbarometer soll anzeigen, wie viel Geld die Kirchengemeinde schon zusammenbekommen hat. © ZVW/Danny Galm

Waiblingen. Der Turm der Michaelskirche ist derzeit nicht zu sehen. Weil die äußere Steinschicht bröckelt, drohte Steinschlaggefahr, nun wird die Fassade saniert – wie auch das Chordach und das Nonnenkirchle. Insgesamt kostet das 1,13 Millionen Euro. 434 000 Euro muss die Kirchengemeinde selbst stemmen, 203 000 Euro fehlen noch. Das macht erfinderisch: Die Gemeinde verkauft nun symbolisch Mauersteine – und der Turm wird zur Litfaßsäule.

„Über den Opferstock kriegen wir das nicht mehr finanziert“, sagt Kirchengemeinderat Joachim Schönberger über die teure Kirchturmsanierung. Ideenreichtum ist also gefragt. Den beweisen die Waiblinger Protestanten. Zu Pfingsten startet eine groß angelegte Aktion: Symbolisch werden Mauersteine verkauft, Benefiz-Radtouren und -Konzerte veranstaltet und – das war Schönbergers Idee – Werbeflächen vermietet.

Der Kirchturm selbst ist ja ohnehin nicht zu sehen unter seinem blauen Schutzmantel. Dieser bietet aber reichlich Platz für Unternehmen, mit großen Bannern auf sich aufmerksam zu machen. Bald werden also Werbeplakate lokaler Unternehmen das Gerüst zieren, fünf mal zwei Meter groß.

„Die ersten Sponsoren sind schon gefunden“, sagt Schönberger. Ganz oben wird die Kirchengemeinde selbst plakatieren. Dort soll die Jahreslosung (Offenbarung 21,6) stehen: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Pfarrerin Fetzer: „Der Kirchturm ist ein Waiblinger Wahrzeichen“

Umsonst ist freilich, was die Sanierung einer Kirche angeht, gar nichts: 231 000 Euro zahlt die Kirchengemeinde aus ihren Ersparnissen. Kirchenbezirk, Stadt, Denkmalamt und Landeskirche geben große Zuschüsse. Für die restlichen 203 000 Euro ist die Unterstützung der Waiblinger gefragt.

Ein Bekenntnis zur Kirche, aber auch ein Bekenntnis zur Stadt selbst sieht Pfarrerin Antje Fetzer in der Unterstützung von Firmen und Privatleuten: „Der Kirchturm ist ein Waiblinger Wahrzeichen.“ In Extra-Sitzungen hat ein Ausschuss des Kirchengemeinderats in den vergangenen Monaten Konzepte entwickelt, wie das Geld zusammenkommen könnte.

„Wir wussten ja, dass diese Sanierung auf uns zukommt“, sagt Fetzer, „aber so richtig bewusst wurde uns das erst, als das Gerüst da war.“ Zu Pfingsten wird das nächste Gemeindeblatt erscheinen, dann starten auch die Fundraising-Aktionen der Kirchengemeinde.

Auch möglich: Die Patenschaft für einen Mauerstein übernehmen

Wer seine Verbundenheit zur Kirche zeigen möchte – ob diese nun geistlicher oder weltlicher Natur ist –, kann auch die Patenschaft für einen der mehr als 1000 Mauersteine übernehmen. Kirchengemeinderätin Ursula Müller leitet das Projekt. Zwischen 30 und 500 Euro, die sich als Spende von der Steuer absetzen lassen, kostet die Patenschaft für einen Mauerstein.

Kirchenmusikdirektor Immanuel Rößler hat sich schon ein paar Steine ausgesucht. Beim Ortstermin vor der eingerüsteten Kirche deutet er mit dem Finger auf eine Stelle ganz weit oben und lacht: „Die drei da oben werden meine.“ Rößler selbst wird – wie sollte es anders sein – mit Musik zur Finanzierung beitragen. Er startet dafür eine Benefiz-Konzertreihe. Den Auftakt macht das Eröffnungskonzert des Waiblinger Orgelsommers am 29. Juli.

Ein Spendenbarometer soll anzeigen, wie viel Geld die Kirchengemeinde schon zusammenbekommen hat. Das kündigt Pfarrerin Antje Fetzer an, die davon ausgeht, dass die Aktionen eine ganze Weile dauern werden. Besonders freut sie sich auf ein Fest im Sommer, das die Kampagne weiter vorantreiben soll und passender nicht sein könnte: das Turmfest am 14. Juli.


Radeln für den Turm

Der Kirchengemeinderatsvorsitzende Thomas Grau plant Radtouren zu Kirchtürmen in der Umgebung. Pro Kilometer spenden die Teilnehmer 50 Cent, lokale Unternehmen geben einen größeren Betrag dazu. Die Touren sollen im Sommer einmal im Monat, immer am letzten Donnerstag, stattfinden. Treffpunkt wird jeweils um 18 Uhr an der Michaelskirche sein. Wir werden die genauen Termine der Touren in dieser Zeitung ankündigen.

Alle Infos und Termine zu den Aktionen werden im kommenden Gemeindebrief der Michaelskirche veröffentlicht.