Waiblingen

Wichtiger als Fußball

Deutschland-Polen
Pioniere der deutsch-polnischen Freundschaft beim Spielgucken: Monika Deyle und Guy Gerking. © ZVW

Weinstadt/Miedzychod. Auf gleich zwei Feldern ging es jetzt am Donnerstag um Polen. Oder wenn man so will: gegen Polen. Der polnische Staatspräsident besucht den deutschen – das politische Parkett. Die Deutschen spielten aber auch gegen Polen auf dem Rasen. Unpolitischer ist die Begegnung mit dem Regierungswechsel sicherlich nicht geworden.

In Weinstadt haben ein paar Menschen mehr gestern Abend um 21 Uhr den Fernseher eingeschaltet. Welche, die sonst nicht Fußball gucken. Sie sehen eine Begegnung gegen unseren Nachbarn auch nicht unbedingt des Spieles wegen an. Weinstadt unterhält eine Städtepartnerschaft mit Miedzychod. Einen deutsch-polnischen Verein gibt es schon seit 30 Jahren. Angefangen hat alles mit Kontakten von Aktiven des Jazzclubs Armer Konrad zur Szene im Osten. Noch als die Kommunisten versuchten, West und Ost abzuriegeln.

Guy Gerking ist einer dieser Gründungsväter. Jazzfreund und längst ein Freund der Polen. Jüngst erst besuchte er Breslau, immerhin eine aktuelle europäische Kulturhauptstadt. Seitdem sich die Polen wieder national gebärden und mehrheitlich auch so wählten, nämlich die PiS-Partei, fährt er mit gemischten Gefühlen zu den Freunden. „Für mich ist es nicht schön“, sagt er. Eben die Vorstellung, dass das Land ins Autoritäre abkippen könnte, so wie jetzt schon der staatliche Rundfunk und das Verfassungsgericht gelenkt werden. Freilich muss er akzeptieren, dass die polnische Regierung nicht unserem Verständnis von Demokratie entspricht. Denn: „Manchem Polen gefällt es so“. Er spürt, wie das Land dabei ist, sich zu spalten. Wenn er mit Jazz-Musikern spricht, dann spürt er Widerstand gegen die alleinregierende PiS-Partei. Aber dann gibt es da noch „alte Kumpel“ in Miedzychod, die ihm sagen, die neue Regierung soll es ruhig mal anders machen. Weil, und das muss man hier im Westen wissen: Die alte Mannschaft galt als korrupt und abgehoben, so gut wie alle Vorgängerregierungen werden vor allem draußen auf dem Land wahrgenommen als Herrscher in Warschau, die machen was sie wollen. Immerhin verspürt Gerking keinen Unmut gegenüber der EU.

Vielleicht liegt es auch daran, dass das Klima in Miedzychod eher liberal ist. Der Bürgermeister, der jüngst Weinstadt besuchte, ist ein unabhängiger Kommunalpolitiker und hält offenbar Distanz zur Regierung. Ihm geht es auch um eine intensivere Städtepartnerschaft.

Gerking gibt den Rat: „Man soll nicht nach Polen reisen und denken, das ist alles Mist. Die Regierenden sind schließlich gewählt. Ich wollte auch nicht, dass mir jemand sagt, ich hätte Mist gewählt.“ Es gebe eben auch nicht wenige in Polen, die gar nicht wählen gehen. Und neuerdings mehren sich ja auch wieder die Proteste gegen die Regierung.

Hoffentlich friedlich

Tadeusz Wienke ist bei der Stadt Miedzychod zuständig für die Städtpartnerschaft. Wie sieht er das Spiel Polen gegen Deutschland? Seine Antwort: „In der polnischen Mannschaft sind viele gute Spieler, die auch in der Bundesliga spielen. Wir werden ohne Angst gegen die Deutschen spielen. Fussball ist in Polen die beliebteste Sportart. Spiele gegen die Deutschen sind immer sehr spannend, und halten sich in der Schwebe. Der Sport ist die beste und einfachste internationale Sprache. Er hilft, Freundschaft aufzubauen.“

Sein Tipp vor dem Spiel: „Hoffe, das wird ein Sieg für Polen, aber nicht mehr als 1:0. Und dass die Fans auf beiden Seiten friedlich bleiben.“ Es kam zum schiedlichen 0:0.