Waiblingen

Widerstand gegen Tempo 30 innerorts

5I7A0082_panorama_b_0
Kommunen können nicht nach Gutdünken Tempo-30-Zonen einrichten. © Leonie Kuhn

Waiblingen. Tempo 30 vor Kindergärten und Schulen, Tempo 30 am besten generell innerhalb von Ortschaften: Das fordert der Kinderschutzbund seit langem. Als „unnötige Gängelung“ lehnt der Gemeindetag das ab. Dennoch wird’s künftig mehr Tempo-30-Zonen innerorts geben: Die Zeichen stehen eindeutig auf Geschwindigkeitsbegrenzung.


Mehr hier)


Die Stadt Schorndorf positioniert sich in dieser Frage ganz klar: Pro Tempo 30. Neuerdings sind Tempo-30-Abschnitte auch auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen möglich, wenn Kindergärten, Schulen, Seniorenheime oder Krankenhäuser angrenzen. „Es kann gar nicht anders sein, als dass wir hier flächendeckend Tempo 30 haben“, sagt der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer auf Anfrage dieser Zeitung. Im Herbst befasst sich der Gemeinderat mit dem Thema.

Auf Straßen an den meisten Schulen, die in Schorndorfer Wohngebieten liegen, gilt jetzt schon Tempo 30. In Winnenden dürfen Autofahrer zwischenzeitlich sogar an allen Kindergärten und Schulen nur mit maximal 30 Stundenkilometern vorbeifahren, informiert Pressesprecherin Emely Rehberger. Vor allen Schulen in Waiblingen gilt dasselbe: Tempo 30. Korb hatte zunächst nur an den Schulstandorten in der Brucknerstraße und in Kleinheppach Tempo 30 vorgesehen. Im Zuge eines Erlasses der Landesregierung wurde dann auch für den Standort Urbanstraße Tempo 30 angeordnet, gültig montags bis freitags von 7 bis 16 Uhr. „Die Erfahrung zeigt, dass sich leider nicht alle Verkehrsteilnehmer an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten“, so Christoph Schulz, Sprecher der Gemeinde Korb. Polizei und Kommunen werden zu Beginn des neuen Schuljahres ihre Verkehrskontrollen zahlenmäßig erweitern.

„Danke im Namen unserer Kinder.“

Undenkbar wäre dort eine Aktion, mit der Gemeinderäte des französischen Ortes Touillon-et-Loutelet vor einiger Zeit Tempo 30 innerorts einforderten: Sie posierten auf einem Schild nackt, das gewisse Körperteil nur bedeckt von einem Tempo-30-Schild: „Danke im Namen unserer Kinder.“

Zum Schuljahresstart wird die Polizei an solchen Stellen verstärkt kontrollieren. (Foto: Schneider / ZVW)

Durchgangsverkehre würden ausgebremst

Der Gemeindetag Baden-Württemberg hält rein gar nichts von einem generellen Tempo-30-Limit innerhalb geschlossener Ortschaften, die einer „unnötigen Gängelung“ der Bürger gleichkäme, so Pressesprecherin Kristina Fabijancic-Müller. Durchgangsverkehre würden ausgebremst und stark befahrene Straßen verstopft, „wenn auf ihnen nur noch mit Tempo 30 gekrochen werden darf.“ Kristina Fabijancic-Müllers Fazit: „Am besten ist es, wenn vor Ort entschieden wird, wo Tempo 30 sinnvoll ist.“

Jeder Antrag werde genau geprüft

„Die generelle Forderung nach einem Tempo-30-Limit innerorts ist äußerst schwierig umzusetzen“, gibt Emely Rehberger von der Stadt Winnenden zu bedenken. Jeder Antrag werde genau geprüft und in den Verkehrsbesprechungen etwa mit der Polizei diskutiert. Werner Nußbaum, Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste der Stadt Waiblingen, sieht eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h auch auf Hauptstraßen innerorts skeptisch: Das „würde die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes sehr stark einschränken.“


Vorschriften sind gelockert

Kommunen können nicht nach Gutdünken Tempo-30-Zonen einrichten. Seit Beginn dieses Jahres sind die Vorschriften gelockert. Das heißt: Tempo-30-Zonen sind auch auf Hauptstraßen rund um Schulen möglich, ohne dass eine Gefährdung extra nachgewiesen werden müsste.

Ferner dürfen Begrenzungen auf 30 km/h laut Landratsamt auf Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen oder auf weiteren Vorfahrtsstraßen im unmittelbaren Bereich von an diesen Straßen gelegenen allgemeinbildenden Schulen für die Zeit des Schulbetriebs angeordnet werden.

Als größte Gefahren im Straßenverkehr, die bei der Prüfung einer Schulwegempfehlung eine große Rolle spielen, nennt Emely Rehberger, Winnenden: unübersichtliche Kreuzungen, stark befahrene Straßen, Einmündungen und Einfahrten, parkende Autos, die die Gehwege blockieren und die Sicht verstellen, Baustellenbereiche, fehlende Sicherungsmaßnahmen wie Mittelinseln oder Fußgängerampeln, defekte Ampeln, Regelungen, die Kinder teilweise überfordern oder irreführen, wie Kreisverkehre oder grüner Pfeil.

„Wegen der Vielschichtigkeit der Unfallursachen kann die Zahl der Schulwegunfälle nur reduziert werden, wenn alle Beteiligten und Institutionen sich um eine höhere Rücksichtnahme und Verkehrssicherheit bemühen“, so das Fazit von Werner Nußbaum von der Stadt Waiblingen.