Waiblingen

Widerstand gegen Tierkrematorium

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Einige Korber Bürger sind dagegen, dass in diesem Haus (Boschstraße 16) ein Tierkrematorium entsteht. © Ralph Steinemann Pressefoto

Korb. Die Planung eines Tierkrematoriums im Gewerbegebiet „Unteres Gewässer“ sorgt für Ärger und Frust bei den Anwohnern. Sie befürchten ein höheres Verkehrsaufkommen und eine Emissions- und Geruchsbelastung durch die Verbrennungsanlage für Tierkörper, insbesondere wegen der unmittelbaren Nähe zu Gastronomie, Lebensmittelläden und Wohnungen.

Knapp 30 Menschen haben sich am Donnerstagmorgen vor der Boschstraße 16 versammelt. Ihr Anliegen: Sie sind gegen ein Tierkrematorium, das im Erdgeschoss dieses Hauses angesiedelt und betrieben werden soll. Diskutierend stehen sie vor dem Gebäude. Jeder trägt etwas zur Debatte bei, sie alle sind persönlich betroffen.

Ruth Messer, die mit ihrem Mann, Bildhauer Guido Messer, in der angrenzenden Maybachstraße arbeitet und lebt, ist schockiert: „Es geht nicht und es passt hier nicht rein – das ist der große Imageschaden!“ Sie versteht nicht, wieso das Unternehmen Tieba Tierkrematorium AG aus Remseck ausgerechnet in das Mischgebiet ziehen muss. Denn dieses sei dazu ausgelegt, Arbeiten und Wohnen miteinander zu verbinden.

Bis zu zehn Tonnen pro Tag dürfen verbrannt werden

Die Lebensqualität und damit auch der Wert der Immobilien würde durch die Ansiedlung eines Tierkrematoriums, in dem Körper von Kleintieren gelagert und verbrannt werden, erheblich gemindert. In einem Brief an das Landratsamt, in dessen Zuständigkeit die Genehmigung der Ansiedlung liegt, schreibt sie, dass den Anwohnern in diesem Gebiet bewusst sei, dass sie ein erhöhtes Lärm- und Verkehrsaufkommen in Kauf nehmen müssen – „doch es gibt Belastungsgrenzen, die nicht überschritten werden dürfen!“ Und diese sei mit der Genehmigung eines Krematoriums „bei weitem überschritten“.

Albrecht Schwegler, Inhaber des gleichnamigen Weinguts, hat die Unterlagen eingesehen. Er berichtet, dass der Betrieb bei Genehmigung von 6 bis 22 Uhr laufen dürfte. In der Stunde würden maximal 120 Kilogramm verbrannt werden, also maximal 1920 Kilogramm pro Tag. In der amtlichen Bekanntmachung des Landratsamts steht, dass bis zu zehn Tonnen pro Tag verbrannt werden dürfen. Für diese Menge an Tierkörpern bedarf es einer entsprechenden Anlieferung, die Ruth Messer und ihre Mitstreiter sorgt. „Das Verkehrsaufkommen ist bereits seit Jahren ein großes Problem“, sagt sie. Viele nicken. „Wo soll das noch hingehen?“

Unterschriftenliste gegen die Ansiedlung des Tierkrematoriums

Als ausschlaggebendes Argument gegen die Ansiedlung betrachten die Korber neben der Verkehrsbelastung und Luftverschmutzung vor allem die unmittelbare Nähe zu Lebensmitteln. Denn nicht nur Schweglers Weingut, in dem hochsegmentiger Wein hergestellt wird, sondern auch Edeka sind in der Nähe.

Edeka-Geschäftsführer Ronald Petermann hat eine Unterschriftenliste gegen die Ansiedlung des Tierkrematoriums in seinem Supermarkt ausgelegt. Mehrere Einwendungen und Unterschriftenlisten haben Korber Bürger bereits beim Landratsamt eingereicht. Bis einschließlich 8. Mai ist das noch möglich, teilt das Landratsamt mit.

Petermann sorgt sich um die Geruchsbelastung und vor allem darüber, dass Kunden mit Kindern abgeschreckt werden könnten. Am meisten Sorgen macht er sich aber um die Luftverschmutzung, die durch das erhöhte Verkehrsaufkommen und durch die Verbrennung entstehen könnten. „Ich habe Lebensmittel vorm Markt stehen. Was ist, wenn die Emissionen sich dort ablegen?“, fragt er. Seine Mitstreiter stimmen ihm zu, Antworten hat jedoch niemand.

Die Korber Bürger sind besorgt

Mehrere Außenbewirtschaftungen und Hotels befinden sich in Nähe der Hausnummer 16. Tennisanlage und Klettergarten sind ebenfalls nicht weit. „Man stört sich daran“, ist sich Anita Demczenko, vom Restaurant „Zum Hörnle“, sicher. Der Konsens wird deutlich: Das Krematorium muss abgelehnt werden. Dass die Korber Bürger besorgt sind, hat auch Gemeinderat Martin Schwegler (CDU/Freie Wähler) mitbekommen. Die Wählervereinigung hat deshalb einen Antrag an Bürgermeister Jochen Müller und den Gemeinderat gestellt. Vorerst sagt die Gemeinde jedoch nichts. „Da die Planung in den Händen des Landratsamts liegt“, teilt Joachim Kautz, stellvertretender Bauamtsleiter, auf Anfrage mit.

Aufgrund der dichten Besiedelung rund um das Gewerbegebiet, zum Teil bestehend aus Neubauten, Gastronomie, Hotels und Lebensmittelmärkten, sei ein Tierkrematorium „für Korb nicht tragbar“, teilt Schwegler telefonisch mit. „Wenn ich so einen Betrieb hab’, dann muss das von der Bevölkerung akzeptiert werden.“ Er richtet seinen Appell an die Firma, dass diese sich die Ansiedlung noch mal überlegt.


Krematorium soll im Sommer in Betrieb gehen

Die Tieba Tierkrematorium AG plant die Verbrennungsanlage im Juli oder August in Betrieb zu nehmen.

Falls ein Erörterungstermin stattfindet, bei dem die Firma Stellung zu den von Bürgern eingebrachten Einwänden nehmen kann, entscheidet das Umweltschutzamt erst danach über die Genehmigung, teilt das Landratsamt mit.

Der Erörterungstermin sei rechtlich jedoch nicht zwingend erforderlich. Er würde lediglich stattfinden, wenn die vorgebrachten Einwendungen nicht auf dem schriftlichen Weg ausgeräumt werden können.

Nach Errichtung des Tierkrematoriums wird eine Zulassung des Regierungspräsidiums Stuttgart benötigt, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamts. Dazu wird die Anlage in Probebetrieb genommen und geprüft, ob die zulässigen Grenzwerte eingehalten werden.