Waiblingen

Wie die Kirchen in Waiblingen Weihnachten planen und dabei teils ungewöhnliche Wege gehen

Gottesdienste
Iris Förster (links), Timmo Hertneck und Konrad Ballenberger (rechts) mit dem Banner, das bald die Michaelskirche schmücken soll. © ALEXANDRA PALMIZI

Wie Weihnachten in diesem Jahr werden soll, das fragen sich zurzeit viele. Auch in den Kirchen hat man sich viele Gedanken gemacht. Das Team um Dekan Timmo Hertneck ist besonders kreativ geworden, um dem Coronavirus möglichst Einhalt zu gebieten.

Normalerweise finden in der Michaelskirche an Heiligabend gleich vier Gottesdienste statt, zu denen rund 700 Gläubige kommen. In diesem Jahr sind solche Gottesdienste nicht denkbar. Statt Menschenmassen gibt es in diesem Jahr daher eine Masse an Veranstaltungen. „Es gibt kein Notprogramm, sondern viele Highlights“, sagt Timmo Hertneck, Dekan der Evangelischen Kirche in Waiblingen. Er will die Weihnachtsbotschaft auch in Zeiten von Corona verbreiten. „Es gibt ein spirituelles Bedürfnis“, erklärt er die Situation. Sein Eindruck sei, dass viele Menschen derzeit noch deprimierter seien als im ersten Lockdown, und betont, wie wichtig es sei, das Weihnachtsfest zu begehen. Die „positive Kraft Jesu Christi“ müsse weitergegeben werden.

Weihnachten gegen die Einsamkeit

Iris Förster, die den Dekan in Sachen Öffentlichkeitsarbeit unterstützt, spricht auch ein anderes Thema an: „Viele sind einsam, die Not ist groß.“ Weihnachten zu feiern sei da äußerst wichtig.

Doch es sei schon ein Spagat, gibt Konrad Ballenberger, der als Kirchengemeinderat seit Juni die Planungen für Weihnachten mit organisiert, zu denken. Weihnachten zu zelebrieren und gleichzeitig die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, das sei schwierig. Die große Verantwortung, die mit dem Organisieren des Festes einhergeht, ist dem Team durchaus bewusst. „Wir wollen kein Superspreader-Event“, sagt Ballenberger. Deshalb habe man sich in diesem Jahr ein alternatives Programm überlegt.

Weihnachten mit Traktor und FBI-Agenten

Dabei scheut sich das Team auch nicht vor ungewöhnlichen Ideen. So gibt es beispielsweise einen weihnachtlichen Stationenlauf mit Rätsel. Auf der Korber Höhe sollen Kinder und ihre Eltern FBI-Agenten spielen und den neuen König suchen, der in Bethlehem geboren wurde.

Im wahrsten Sinne des Wortes will die Kirche in diesem Jahr zu den Menschen kommen. Mit einem Traktor sollen verschiedene Plätze in der Innenstadt angefahren werden, unter anderem geht es zur Galerie Stihl und dem Bürgerzentrum.

Weihnachtsweg zum Stall

Wer gerne spazieren geht, kann in diesem Jahr außerdem einen Weihnachtsweg mit vielen Stationen gehen, der bis zur Geburt Christi führt. Die Anleitung werden Bürgerinnen und Bürger an der Christuskirche finden, die gleichzeitig der Startpunkt ist.

Die Michaelskirche soll am Heiligen Abend aber auch nicht leer bleiben. Sie wird als Raum der Stille dienen, erklärt Hertneck. Im 15-Minuten-Takt wird es dort eine Art Kurz-Gottesdienst geben. Gleichzeitig dürfen dabei 60 Personen in die Kirche. Allerdings auch hier nur mit Mundschutz und ohne gemeinsames Singen.

Die Organisation des breiten Programms werde eine ganz besondere Herausforderung, ohne den Einsatz zahlreicher Helferinnen und Helfer sei all das kaum zu bewerkstelligen. An der Michaelskirche etwa werden die Pfadfinderinnen und Pfadfinder die Daten aufnehmen und die Anzahl der Personen kontrollieren.

Vor allem, weil derzeit immer wieder Kritik geäußert werde, dass zwar für das christliche Weihnachtsfest die Regeln gelockert werden, nicht aber für hohe Feiertage anderer Religionen, betont Hertneck, dass er alle Menschen in der Stadtgesellschaft dazu einladen will, Weihnachten zu feiern. Um über das Angebot der Kirche großflächig zu informieren, werde der Flyer samt Infos auch als Beilage im Wochenblatt erscheinen.

Kooperation mit der Katholischen Kirche

Im Flyer, der zwar offiziell von der Evangelischen Kirche herausgegeben wird, sind auch Veranstaltungen der Katholischen Kirche genannt, die Kirchen ziehen an einem Strang. Beispielsweise das klassische Kinder-Krippenspiel wird über die katholische Kirchengemeinde St. Antonius organisiert. In diesem Jahr soll es im Freien auf dem Finkenberg stattfinden. Auf Nachfrage erklärt Pfarrer Franz Klappenecker aber, dass die Organisation des Festes noch nicht ganz abgeschlossen sei. Die Planungen seien in vollem Gange.

Doch auch hier steht schon fest, dass es in diesem Jahr mehr Gottesdienste geben wird, die unter freiem Himmel stattfinden sollen. Klappenecker sagt über die derzeitige Situation: „Mein Herz ist gespalten.“ Einerseits befürchtet er, dass sich Menschen bei Feierlichkeiten gegenseitig anstecken könnten. Andererseits gebe es auch ein großes Bedürfnis nach Begegnung. Der Geistliche geht davon aus, dass zu den Angeboten insgesamt deutlich weniger Menschen als in den vorigen Jahren kommen werden.

Wie Weihnachten in diesem Jahr werden soll, das fragen sich zurzeit viele. Auch in den Kirchen hat man sich viele Gedanken gemacht. Das Team um Dekan Timmo Hertneck ist besonders kreativ geworden, um dem Coronavirus möglichst Einhalt zu gebieten.

Normalerweise finden in der Michaelskirche an Heiligabend gleich vier Gottesdienste statt, zu denen rund 700 Gläubige kommen. In diesem Jahr sind solche Gottesdienste nicht denkbar. Statt Menschenmassen gibt es in diesem Jahr daher eine Masse

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