Waiblingen

Wie konnte der Lastwagen stecken bleiben?

Kappelbergtunnel Unfall gesperrt Bundesstraße Höhe Lkw Lastwagen_0
Die Polizei ist dabei, die Unfallursache zu klären. Der Kappelbergtunnel misst 4,50 Meter Höhe, der Schwertransporter hatte eine erlaubte Höhe von 4,40 Meter. © Benjamin Beytekin

Fellbach. Um ein Uhr in der Nacht zum Mittwoch wurde der Verkehr im Kappelbergtunnel wieder freigegeben. Fünf Stunden war die Bundesstraße 14 gesperrt gewesen, nachdem sich am Dienstagabend der Fahrer eines Sattelschleppers mit der Tunnelhöhe verschätzt hatte. Woran hat es gelegen?

Die Behinderungen rund um den Kappelbergtunnel hielten sich in dieser verkehrsarmen Zeit im Rahmen. Kaum auszudenken, welches Verkehrschaos dieser Unfall im Berufsverkehr ausgelöst hätte. Wie berichtet, war der mit einer Straßenbau-Maschine beladene Sattelzug etwa 400 Meter nach der Tunneleinfahrt an einer der Lüftungsturbinen hängen geblieben und hatte diese vollständig abgerissen. Als der 50-jährige Fahrer des Sattelzugs nach rechts auf den Pannenstreifen fuhr, riss sein Gefährt zudem Lampen von der Tunneldecke. Am Sattelzug entstand kein Sachschaden, der 50-jährige Fahrer konnte seine Fahrt fortsetzen.

Wie der Unfall passieren konnte, ist der Polizei und dem Regierungspräsidium ein Rätsel. Ein Polizeisprecher spekuliert, dass ein handwerklicher Fehler vorgekommen sein könnte, als der Sattelzug mit einem sogenannten „Mobilen Brecher“ beladen wurde. Die Maschine zum Aufbrechen von Asphalt ragte wohl ein paar Zentimeter über die zulässige Höhe hinaus.

Es hätte reichen müssen

„Grundsätzlich kann derartigen Unfällen leider nicht vorgebeugt werden“, lautet die Antwort des Regierungspräsidiums auf unsere Frage, warum es vor dem Kappelbergtunnel keinen Durchfahrtsbegrenzer gibt. Die maximale Zulassungshöhe von Fahrzeugen betrage vier Meter. Schwertransporte müssten im Vorhinein genehmigt werden und seien mit Auflagen versehen. So wird die Route genau festgelegt. Die Auflage im konkreten Fall forderte eine maximale Höhe von 4,30 Meter und Begleitfahrzeug. Die Tunnelhöhe unterm Kappelberg misst 4,50 Meter. Es hätte also reichen müssen.

Hätte. Dass Durchfahrtsbegrenzer wie auch Warnschilder von begrenztem Nutzen sind, zeigt sich an der Bahnunterführung in Weinstadt-Beutelsbach, wo regelmäßig Transporter in der allerdings nur zwei Meter hohen Unterführung hängen bleiben. Sollte der Fahrer des Sattelzuges am Dienstagabend gegen Auflagen verstoßen haben, muss er mit einer Anzeige rechnen. Die Polizei klärt eigenen Angaben zufolge derzeit, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Es war nicht der erste.


Zu hoch für den Tunnel

Es war nicht der erste Lastwagen, der im Rems-Murr-Kreis in einem Tunnel steckengeblieben ist. Erst im Mai dieses Jahres hatte ein Laster mit Anhänger an der Einfahrt des Kappelbergtunnels mit einer Baggerschaufel die Decke gestreift und mehrere Richtungspfeile mitgenommen. Der Schaden betrug 5000 Euro.

Im September 2015 steckte ein mit einem Fertigbauteil beladener Lastwagen wiederum in Richtung Stuttgart fest. Der rund 4,40 Meter hohe Transpor riss Lampen von der Decke.

Im März 2015 sorgte ein Schwertransporter für Chaos im Berufsverkehr. Um die Fahrbahn von den heruntergerissenen Lampen zu reinigen, musste der Tunnel gesperrt werden. Im Rückstau kam es zu zwei Auffahrunfällen.

Im September 2014 hatte sich der Sünchenbergtunnel bei Schorndorf als zu niedrig für einen Tieflader entpuppt, der mit einem Bagger beladen war.