Waiblingen

Wie läuft es in den Grundschulen in Waiblingen und Umgebung ohne Abstandsregel?

Gemeinschaftsschule Korb
Im Stuhlkreis nebeneinander sitzen? Das geht seit Montag (29.06.) wieder, wie hier in der Gemeinschaftsschule Korb. © Alexandra Palmizi

Die Grundschulen sind die ersten Schulen in ganz Baden-Württemberg, die seit Montag wieder von allen Schülern gleichzeitig besucht werden dürfen – und an denen keine Abstandsregel mehr gilt. Das Land begründet das mit Studien, die gezeigt hätten, dass Kinder bis zehn bei der Übertragung von Corona keine wichtige Rolle spielen. Wie sieht das Ganze nun im Alltag aus? Wir haben drei Schulen in Waiblingen, Weinstadt und Korb besucht.


Waiblingen:
Die Grundschüler am Waiblinger Staufer-Schulzentrum sind im Glück: die erste Pause seit dreieinhalb Monaten! Allerdings herrscht auf dem Hof längst nicht so ein großes Getümmel wie vor der Pandemie, denn die Klassen gehen zeitversetzt in die Pause. Dafür wurden - wieder einmal - sämtliche Stundenpläne für rund 220 Schüler umgestellt. „Das Ziel ist, dass sich die Klassen nicht vermischen“, erläutert Rektorin Eva Neundorfer. Deswegen muss zum Beispiel der Religionsunterricht, bei dem sonst Kinder aus verschiedenen Klassen zusammenkommen, weiter ausfallen. Immerhin haben die Einser jetzt 22, die Zweier 23, die Dreier 25 und die Vierer 27 Wochenstunden.

Die Staufer-Grundschule befindet sich in der glücklichen Lage, dass nur eine Kollegin mit halbem Lehrauftrag zu einer Risikogruppe gehört und zu Hause bleiben muss. Anders sieht es in der Sekundarstufe der Staufer-Gemeinschaftsschule aus: Dort gehören drei Kolleginnen Risikogruppen an. Vollbetrieb für alle Schüler ließe sich damit nicht bewerkstelligen. Derzeit wird in der Sekundärstufe aber ohnehin noch „geschichtet“.

Maskenpflicht gilt im Gang

Die Vierer und die Deutsch-Vorbereitungsklassen sind schon seit Mai wieder an der Schule. Außerdem zwei Dutzend Schüler, die mit Online-Unterricht und Home-Schooling nicht klarkamen. Präsenzunterricht ohne Abstandsregeln – ein komisches Gefühl auch für die Pädagoginnen: „Draußen halte ich Abstände ein und gehe mit Maske einkaufen - und dann stehe ich vor einer vollen Klasse“, umschreibt Eva Neundorfer das gefühlte Paradoxon. Das Kollegium gehe diesen Schritt aber mit. Und die Eltern? In regelmäßigen Videokonferenzen mit dem Elternbeirat wurde besprochen, die Maskenpflicht im Gang beizubehalten, obwohl das Land dies nicht mehr zwingend verlangt. Die Eltern haben Respekt vor der Situation, so der Eindruck der Rektorin. Es gibt auch Familien, denen die neueste Lockerung ohne Abstand im Klassenzimmer zu weit geht, deren Kinder zuletzt am Unterricht in geteilten Klassen teilgenommen haben - und die jetzt zu Hause bleiben.

Ob beim klassenweisen Aufstellen vor dem Betreten des Gebäudes, im Einbahnstraßensystem auf dem Gang oder mit dem Ampelsystem vor der Toilette - die Schüler verhalten sich nach Eindruck von Eva Neundorfer diszipliniert. „Kinder sind Regelwesen und machen es gerne richtig.“ Erstaunlich selten werden die Masken vergessen, doch für alle Fälle hat eine Kollegin 100 Stück genäht.


Weinstadt: 
Bei der Klasse A3 der Grundschule Beutelsbach ist die Freude groß, dass wieder alle gemeinsam Unterricht haben. Die A3 ist eine jahrgangsgemischte Klasse, sie wird von Dritt- und Viertklässlern besucht. Wäre alles weiter wie bisher gelaufen, hätten sich manche Kinder wegen des bevorstehenden Wechsels zu einer weiterführenden Schule in der Klasse gar nicht mehr wiedergesehen. Der Klasse von Lehrerin und Konrektorin Vanessa Kelchner ist dabei bewusst, dass die Gefahr durch das Coronavirus noch lange nicht gebannt ist. Viele kennen jemanden aus der Nachbarschaft, dem Freundeskreis der Eltern oder der eigenen Familie, der selbst an Covid-19 erkrankt ist. Ein Junge hat Sorge, dass sich das Virus durch die Lockerungen wieder stärker ausbreitet. „Es ist ja immer noch da“, stimmt ihm Mitschülerin Katja zu.

Trotzdem bedauern es die Kinder, dass wegen Corona vieles an ihrer Schule nach wie vor nicht möglich ist. „Ich finde es einfach blöd, dass man gar nicht singen kann“, sagt ein Mädchen. Musikunterricht ist genau wie Sport an den Grundschulen weiter nicht erlaubt. Eine andere Schülerin sagt ganz offen, dass sie die Lage als belastend empfindet. „Ich wünsche mir, dass Corona endlich ein Ende hat.“

Keine Schulveranstaltungen in diesem Jahr

Wegen der Pandemie fällt jetzt vieles aus, was an der Grundschule eigentlich stattgefunden hätte. Es gibt dieses Jahr keine Bundesjugendspiele, keine Projekttage und kein Schulfest. Als ein Kind fragt, ob denn im Herbst die Beutelsbacher Kirbe stattfindet, bei der die Viertklässler der Grundschule Beutelsbach immer den Fackeltanz aufführen dürfen, kann Rektorin Michaela Schönau die Frage nicht beantworten.

Trotz der Lockerungen legt Michaela Schönau Wert darauf, dass alle Lehrkräfte einen Mundschutz im Schulhaus tragen, sobald sie ihr Klassenzimmer verlassen. Selbiges gilt für die Schüler. Das Ganze ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, doch die Rektorin findet das wichtig. Ihre große Sorge ist, dass eine ihrer Lehrkräfte an Corona erkrankt. Die Rektorin weiß, dass sie mit ihrem jungen Kollegium (nur zwei von 18 Lehrern müssen zu Hause bleiben) Glück hat. Andernfalls wäre der Unterricht für die 245 Schüler viel schwerer zu stemmen. Schade findet es Michaela Schönau, dass die künftigen Erstklässler bisher wegen Corona noch nicht die Grundschule besuchen konnten. „Das war immer ein sanfter Übergang – der fällt leider weg.“ Für ihre neuen Schüler will die Rektorin nun ein Video machen, das auf der Internetseite der Schule hochgeladen werden soll.

Korb: Die Stimmung in der Gemeinschaftsschule Korb am Standort Endersbacher Straße in Kleinheppach ist ähnlich wie in Waiblingen und Weinstadt. „Die Kinder waren total aufgeregt“, berichtet Anke Kaiser, Lehrerin der Raben-Klasse, in der Kinder der ersten und zweiten Stufe gemeinsam lernen. Sie trägt ein Visier vor dem Gesicht. „Wir müssen das nicht, aber ich finde, das hat eine Vorbildfunktion“, so Kaiser. Um 8 Uhr ging’s am Montag los. Rund 70 Grundschulkinder kamen zur Schule. Insgesamt besuchen 353 Schüler die Primarstufe der Gemeinschaftsschule. „Wir haben die Kinder draußen abgeholt, weil sie verunsichert waren“, sagt die Lehrerin, die ausschließlich die Raben-Klasse unterrichtet. Einen Lehrerwechsel zwischen Klassen gibt es aktuell nicht.

Bevor die Kinder sich setzten, mussten sie die Hände waschen. Die Schüler freuen sich, dass sie wieder gemeinsam in der Schule sind. Mit Geschwistern und Eltern zu Hause sei manchen das Lernen nicht leichtgefallen – auch wegen der Lautstärke. Ein Junge sagt: „Aufgaben, die hier leicht sind, waren zu Hause schwerer.“ Die Mitschüler stimmen zu. Manche ergänzen: „Zu Hause war es lauter als hier.“ Schade finden die Kinder, dass sie nicht mit Schülern aus anderen Klassen spielen dürfen. Die Pausen verbringen sie getrennt. Dass den Grundschulkindern das Lernen zu Hause nicht so leicht fiel, versteht Anke Kaiser. Schließlich sei es für junge Kinder schwierig, die Motivation zu halten.

Soziale Themen im Fokus

Was im Home-Schooling (Hausunterricht) nicht stattfinden konnte, hat nun Priorität. „Wir machen jetzt viele soziale Themen“, sagt Anke Kaiser. Mit dem Programm „Faustlos“ sollen die Kinder lernen, Konflikte und emotional schwierige Situationen gewaltfrei zu lösen. Auch Experimente will die Lehrerin nun verstärkt mit den Kindern ausprobieren, eben all das, was im Home-Schooling zu kurz gekommen ist.

Die Grundschulen sind die ersten Schulen in ganz Baden-Württemberg, die seit Montag wieder von allen Schülern gleichzeitig besucht werden dürfen – und an denen keine Abstandsregel mehr gilt. Das Land begründet das mit Studien, die gezeigt hätten, dass Kinder bis zehn bei der Übertragung von Corona keine wichtige Rolle spielen. Wie sieht das Ganze nun im Alltag aus? Wir haben drei Schulen in Waiblingen, Weinstadt und Korb besucht.

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