Waiblingen

Wie radfreundlich ist Waiblingen?

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Symbolbild. © Danny Galm
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Schon bei der Einfahrt wird’s eng für Radfahrer an der Unterführung zwischen Rötestraße und neuer Rommelhauser Straße. Die scharfe Kurve am anderen Ende macht den Weg noch gefährlicher. © Danny Galm
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Edwin Bez ist Vorsitzender der Radfahrergruppe Provelo. © Palmizi / ZVW

Waiblingen. Radfahren in Waiblingen macht Spaß. Das ist die überwiegende Meinung derer, die sich am neusten Fahrradklima-Test des ADFC beteiligt haben. Auf der anderen Seite wird aber auch die schlechte Führung der Radfahrer an Baustellen bemängelt. In puncto Sicherheit erreicht Waiblingen eine 3,9. Alles in allem landete Waiblingen im Ranking der Städte zwischen 50 000 und 100 000 Einwohnern auf dem 40. Platz von 98 teilnehmenden Städten.

Regelmäßig bittet der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) um die Bewertung des Radfahrklimas in den Städten. In Waiblingen haben sich in diesem Jahr 103 Fahrradfahrer an der Umfrage beteiligt. Und Waiblingen mit einer Vier plus (3,8) eine eher mäßige Note ausgestellt.

„Macht das Radfahren in Ihrer Stadt Spaß?"

Bewertet wurde nach dem Schulnoten-Prinzip mit Noten zwischen eins und sechs, wobei sich die Bewertung aus 27 Einzelnoten zusammensetzte. Gefragt wurde unter anderem „Macht das Radfahren in Ihrer Stadt Spaß oder Stress?“, „Sind die Wege für Radfahrende angenehm breit oder zu schmal zum Überholen?“ oder „Fühlt man sich als Radfahrer sicher?“.

Während die Mehrheit der Teilnehmer angibt, mit Spaß durch die Stadt zu radeln, die Erreichbarkeit des Stadtzentrums okay findet und mit der Wegweisung für Radfahrer zufrieden ist, fühlen sich aber offenbar viele nicht sehr sicher auf dem Fahrrad. Alles in allem gab’s fürs Sichrheitsgefühl eine 3,9, für die Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer eine 3,5. Besonders schlecht bewertet wurden auch die Reinigung der Radwege sowie die Ampelschaltungen für Radfahrer.

Zu kompliziert: Kreuzung an der Fronacker Straße

Dass Radfahrer in Waiblingen tatsächlich derartig gefährdet sind, will Provelo-Chef Edwin Bez nicht bestätigen. Es gebe eine objektive und eine subjektive Sicht auf die Sicherheit, wobei aber auch der passionierte Radfahrer Bez objektive Sicherheitsmängel durchaus kennt.

So sei die abknickende Kreuzung Fronackerstraße / Blumenstraße (auch bekannt als alte AOK-Kreuzung) nicht nur für Schulkinder viel zu kompliziert. Doch über genau diese Kreuzung werden die Schulkinder aus der Wasserstubensiedlung auf ihrem Weg zum Staufer-Schulzentrum geführt.

Radfahrer wünschen sich eine Querhilfe am Oberen Ring

Aus Sicherheitsgründen vermisst Bez auch den Radstreifen bergauf entlang der Mayenner Straße, den es früher mal gegeben hat. Außerdem eine rote Markierung auf dem Radweg entlang der Neustädter Straße auf Höhe der Ausfahrt Bürgerzentrum. Beschlossen wurde die rote Markierung bei den jüngsten Haushaltsberatungen, umgesetzt noch nicht.

Beantragt hatte Provelo auch eine geänderte Radwegeführung des Remstalradwegs vom Waiblinger Freibad nach Rommelshausen. Bisher fahren Radler bis zur Geheimen Mühle, biegen dann steil nach oben ab und queren die Schorndorfer Straße an einer aus Sicht von Bez relativ unsicheren Stelle.

Um die Querung der viel befahrenen Schorndorfer Straße zu erleichtern, wünschen sich die Provelo-Radfahrer bereits am Oberen Ring eine Querungshilfe oder alternativ eine Ampelanlage. Umsetzen muss dies indes das Landratsamt, die Stadtverwaltung hat Gespräche angekündigt.

Immer wieder rasseln Radler und Fußgänger aneinander

Auch über Konflikte mit Fußgängern wird im Fahrradklimatest geklagt – und die Note 3,6 vergeben. Ein Beispiel, wo solche Konflikte programmiert sind, ist für Bez die steile Unterführung an der Rötestraße, die Radfahrer und Fußgänger auf dem Weg von und nach Rommelshausen gleichermaßen benutzen. Die Unterführung ist derart unübersichtlich, dass sie dringend entschärft werden müsste.

Alles in allem ist das Ergebnis des Klimatests für den Provelo-Chef eindeutig. „Aus Sicht der Radfahrer mangelt es in Waiblingen an Sicherheit und Akzeptanz“, so sein Resümee. Trotz lobenswerter Maßnahmen wie am Alten Postplatz oder an der Devizesstraße fehlt es seiner Ansicht nach in Waiblingen noch immer an allen Ecken an Radinfrastruktur.

„Radfahrer wünschen sich fahrradgerechte Wege und Routen, die komfortabel und sicher sind und eine Infrastruktur, die durchdacht, geplant und gepflegt wird und nicht Stückwerk bleibt“, sagt Bez.

Schutzstreifen bieten Sicherheit für Radler

  • Ein von der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg in Auftrag gegebenes Gutachten zeigt: Schutzstreifen bringen mehr Sicherheit für Fahrradfahrer – auch auf schmalen Straßen.
  • Immer mehr Kommunen markieren Radfahrstreifen auf der Fahrbahn. Die Umsetzung ist kostengünstig, der Sicherheitsgewinn sei hoch. Als Hindernis wurden bisher die oft beengten Straßenbreiten gesehen. Experten forderten bisher eine Mindeststraßenraumbreite von 7 Metern als Bedingung für die Anlage von Schutzstreifen. Doch so breit sind die Straßen oft nicht.
  • Ein Forschungsprojekt der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen zeigt nun neue Lösungsmöglichkeiten für schmale Straßen auf. Als Modellkommunen nahmen Leonberg, Lörrach, Offenburg, Heidenheim, Heilbronn, Heidelberg, Filderstadt, Friedrichshafen und Tübingen teil. Das Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen (SVK) untersuchte, welche Art von Schutzstreifen sich auf schmalen Fahrbahnen am besten eignet.
  • Ergebnis: „Auf innerörtlichen Straßen mit einer maximalen Fahrgeschwindigkeit von 50 km/h kann mit beidseitigen Schutzstreifen auch auf Fahrbahnen mit einer Breite unter sieben Meter ein deutlicher Sicherheitsgewinn für alle Verkehrsteilnehmer erreicht werden“, so Ralf Kaulen vom SVK. Auf den untersuchten Straßen fuhren die Autos nach der Markierung der Schutzstreifen langsamer und überholten mit mehr Abstand.