Waiblingen

Wie Waiblingen umweltschonend den Wildwuchs bekämpft

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Schmetterling auf Lavendel als Schmucki
Insekten sind in Gefahr. © ZVW/Gabriel Habermann
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Von links Ronald Schmidt, Achim Wieler und Michael Seeger. Mit dem Dampfreiniger werden Wildkräuter beseitigt.
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Glyphosat
Ein spezieller Aufsatz sorgt für Genauigkeit. © Gaby Schneider

Waiblingen. Während Insekten sterben und immer weniger Vogelarten in den Bäumen zwitschern, dürfen Unkrautvernichtungsmittel weiter eingesetzt werden. Auch Glyphosat soll einer Studie zufolge die Abwehrkräfte von Honigbienen schwächen. In Waiblingen wird es weder in den städtischen Weinbergen noch in Grünanlagen oder am Straßenrand eingesetzt. Die Alternative des Betriebshofs: ein Heißdampfgerät, mit dem unliebsame Wildkräuter verbrüht werden.

„Wir hatten noch nie Glyphosat im Einsatz“, versichert Betriebhofs-Chef Achim Wieler. Um lästigen Kräutern am Straßenrand, auf Verkehrsinseln und zwischen Pflastersteinen trotzdem Herr zu werden, wurden sie versuchsweise mit Infrarot abgeflammt und mit einer Wildkräuterbürste ausgerissen. Die Variante mit Infrarot konnte sich nicht durchsetzen, die Wildkräuterbürste ist dagegen noch immer im Einsatz - und seit diesem Jahr auch ein Heißdampfgerät. Dieser Hochdruckreiniger wird in erster Linie zum Säubern von Brücken, Stelen, Brunnen und Graffiti eingesetzt. Wahlweise kann das Wasser mit einem Blaubrenner aber auch aufgeheizt werden und so zum Abbrühen von Löwenzahn und Co genutzt werden. „Ab einer Temperatur von 68 Grad wird die Eiweißstruktur der Pflanze zerstört“, erklärt Kfz-Meister Ronald Schmidt, der für den Fuhrpark im Betriebshof zuständig ist. Mit einem speziellen Aufsatz werden die Pflanzen mit dem heißen Wasser begossen, die daraufhin absterben, ohne dass Gift ins Erdreich oder Grundwasser gelangt.

Auch wenn am Straßenrand nicht jedes Fitzelchen Grün entfernt werden muss: Einfach wachsen lassen wäre laut Wieler keine Alternative. Die Pflanzen würden sich ausbreiten und irgendwann den Asphalt zerstören. In den klassischen Blumenbeeten und Staudenrabatten eignet sich die Methode allerdings deshalb nicht, weil das heiße Wasser nicht nur unliebsame Wildkräuter, sondern auch Stauden und Blumen vernichten würde. „Die Beete werden von den Stadtgärtnern klassisch gejätet“, erklärt Infrastruktur-Fachbereichsleiter Michael Seeger. Bei neuen Beeten werde das Substrat ausgetauscht, um zu vermeiden, dass sich Wildkräuter ausbreiten können.

Was in den städtischen Grünanlagen und Weinbergen gilt, gilt noch lange nicht auf den verpachteten landwirtschaftlichen Feldern der Stadt. Knapp gescheitert ist bei den Etatberatungen 2019 ein Antrag der SPD-Fraktion, der vorsah, dass Landwirte, die eine landwirtschaftliche Fläche bei der Stadt pachten, keine Pacht zahlen müssen, wenn sie auf den Einsatz von Glyphosat und anderen Pestiziden verzichten. Der Antrag wurde bei Stimmengleichheit abgelehnt. Niemand könne den Verzicht auf Glyphosat überprüfen, argumentierten die Gegner des Antrags. Antragsteller Urs Abelein reagierte enttäuscht. Immerhin hat die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Besonders gefährlich sei es für die Anwender von Glyphosat: Studien belegen, dass sie vermehrt an Lymphknotenkrebs erkranken.

In Weinstadt votiert Gemeinderat für Glyphosat im Stadtweinberg

Auch in Weinstadt wurde jüngst ein Antrag gegen Glyphosat abgelehnt. Die Mehrheit des Weinstädter Gemeinderats wehrte sich gegen den Verzicht von Glyphosat im Stadtweinberg und auf verpachteten landwirtschaftlichen Flächen. Ein Antrag der GOL wurde nach einer emotional geführten Debatte mit acht zu 15 Stimmen abgelehnt, trotz der Unterstützung von Oberbürgermeister Scharmann.

Dessen ungeachtet hat Michael Scharmann angekündigt, in einem einjährigen Versuch auf den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels im Stadtwengert verzichten zu wollen. Voraussetzung sei, dass der Stadtwengerter mitzieht.