Waiblingen

Wir schaffen das? Wir sind auf dem Weg

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Gerhard Rall, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbandes. © Sarah Utz
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Das Flüchtlingshilfe-Team des Kreisdiakonieverbandes (von links): Marion Scheffler-Duncker, Susanne Kayser, Aspasia Mavridou, Annette Oehler, Gerhard Rall, Hanna Fischer. © Schneider / ZVW

Waiblingen. Unsere Gesellschaft wächst an der Aufgabe, Flüchtlingen zu helfen, und entdeckt Kräfte, von denen wir noch vor einem Jahr kaum wussten. Ein paar Gedanken zu den Chancen, die in der sogenannten „Krise“ liegen, am Beispiel des Kreisdiakonieverbandes.

Ohne Ehrenamtliche wäre dieses Land in die Knie gegangen im Herbst 2015: Als die Flüchtlinge kamen, stieß der Staat an Grenzen – und die Zivilgesellschaft übertraf sich selbst. Seither haben Ämter und Behörden nachjustiert; nichtstaatliche Institutionen aber sind weiter unerlässlich: Kirchen. Arbeitskreise. Rotes Kreuz. Arbeiterwohlfahrt. Und und und. Ein Beispiel für viele ist der Kreisdiakonieverband – er hat mittlerweile aus kirchlichen Mitteln mehrere Stellen geschaffen (siehe „Hilfen“).

Annette Oehler arbeitet im Schorndorfer „Zentrum für internationale Begegnungen“, das Diakonie und Stadt gemeinsam aufgebaut haben. Das ZiB in der ehemaligen Schlachthofgaststätte ist Anlaufstelle für Asylbewerber und Treff für Helfer, sie füllen Formulare aus, rufen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge an, schmieden Pläne oder sitzen auch mal einfach beisammen auf einen Kaffee oder Tee.

Aspasia Mavridou ist Psychologin: Sie kümmert sich um Flüchtlinge, vor allem Frauen, die unter Seelennöten leiden, weil sie nicht nur mit den komplizierten Lebensumständen in der Fremde zurechtkommen, sondern auch das Schlimme verarbeiten müssen, das sie im Krieg und auf der Flucht erlebt haben. Mavridou prüft: Braucht die eine wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung eine Therapie? Kann eine andere, genug innere „Ressourcen wachrufen“, um ihren Weg zu gehen?

Oder Susanne Kayser, Marion Scheffler-Duncker, Hanna Fischer: Sie helfen den Helfern. „Wir wollen nicht Koordinator der Ehrenamtlichen sein“, erklärt Gerhard Rall, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbandes, „wir wollen sie einfach unterstützen – dort, wo sie einen Bedarf sehen.“ Wie erstelle ich einen Antrag auf Fördermittel der „Aktion Mensch“ für mein Flüchtlingsprojekt? Welche Schulungsangebote gibt es wo? Die drei Frauen von der Diakonie organisieren und begleiten auch Gesprächsrunden, in denen Ehrenamtliche ihre Erfahrungen reflektieren – „was läuft gut, was drückt mich gerade gewaltig?“

„Eigentlich fängt die wirkliche Arbeit erst an, wenn das Asylverfahren durchlaufen ist“, findet Hanna Fischer: Wohnungs- und Jobsuche, die Mühen der Integration. Helfer spüren, dass sie immer wieder an Grenzen stoßen, sind, wie Scheffler-Duncker erzählt, „mit Situationen konfrontiert, die sie einfach nicht ändern können“. Bleiberechtsentscheidungen lassen auf sich warten – „das belastet die Ehrenamtlichen sehr.“ Mancher Pate stellt auch fest, dass seine Schützlinge, „nicht immer tun, wie er es gerne hätte“, erzählt Gerhard Rall.

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