Waiblingen

Wo entstehen Wohngebiete?

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Symbolbild. © Laura Edenberger

Waiblingen. Wohnen am Stadtrand: Das war einmal. Zumindest in der Waiblinger Kernstadt soll es keine neuen Wohnviertel im Außenbereich mehr geben, das ist eines der Ergebnisse des Flächensuchlaufs, den die Verwaltung jetzt vorgestellt hat. Als Gebiet „mit schlechter Eignung“ wurde der sensible Streifen am Rand des Galgenbergs eingestuft. Anders in den Ortschaften: Dort sollen in den Außenbereichen Wohngebiete entwickelt und in den Flächennutzungsplan aufgenommen werden.

Die Verwaltung hatte einen Suchlauf über ganz Waiblingen und seine Ortschaften gestartet, um die Wohnbauentwicklung der nächsten Jahre festzulegen. Über weit mehr als ein Jahr hatte sich das Verfahren hingezogen, da die Flächen in mehreren Stufen bewertet wurden. Berücksichtigt wurden unter anderem die Einschränkungen, die Umweltschutz, Eigentumsverhältnisse, Topografie und Hochwasser nach sich ziehen. In einer zweiten Stufe wurden die verbliebenen Flächen auf ihre städtebauliche Lage, ihre Anbindung ans Straßennetz und den ÖPNV, die Kapazität des bestehenden Straßennetzes und der Erschließungsaufwand untersucht. Herausgestellt hat sich: In allen Ortschaften ist eine weitere Entwicklung möglich. Insgesamt wurden zwölf mögliche Bauflächen mit gut bewertet, acht bekamen das Prädikat mittlere Eignung, diese 20 Areale sind in der Gesamtabwägung also am wahrscheinlichsten umsetzbar. Die Gebiete sollen aus Sicht der Verwaltung vertieft untersucht, ihre Aufnahme in den Flächennutzungsplan mit dem Regierungspräsidium und dem Verband Region Stuttgart abgestimmt werden.

Grundstück beim Freibad steht nicht zum Verkauf

In der Kernstadt setzt die Stadtverwaltung wie bereits in den vergangenen Jahren auf Konversionen und Innenentwicklung. Lediglich zwei kleineren Freiflächen wurden „gute Eignungen“ attestiert: Dem Staufer-Parkplatz beim Schäfer-Kreisel und einer Arrondierungsfläche beim Freibad, wobei das Grundstück beim Freibad von den Eigentümern nicht zum Verkauf steht. Alle weiteren Flächen wie der Bereich Galgenberg fielen in die dritte Kategorie (schlechte Eignung) und sollen aus Sicht der Verwaltung wegen der zu erwartenden Planungshindernisse derzeit nicht weiter verfolgt werden.

Ökologisch wertvolles Areal noch nicht ganz aufgeben

Ökologische Bedenken bestehen auch in Beinstein beim Hausweinberg. Das ökologisch wertvolle Areal war bereits nach der ersten Untersuchungsstufe herausgefallen. Auf Wunsch des Beinsteiner Ortschaftsrates wird allerdings untersucht, ob entlang der schon gut ausgebauten Straße eine einzeilige Bebauung möglich ist. „Eine Untersuchung sollte es wert sein“, sagte DFB-Stadtrat und Ortschaftsrat Mathias Kuhnle im Gemeinderat.

Neckarremser Weg soll raus aus dem FNP

Ökologisch sensibel ist auch der obere Hangbereich nördlich des Bühlwegs in Neustadt. Seitens des Gutachters ist aber eine reduzierte Bebauungstiefe möglich, das heißt eine, die nicht in den angrenzenden Hangbereich eingreift. Gut geeignete Flächen gibt es noch in Hohenacker beim Friedhof und am Ortsrand. Auch Hegnach verfügt in den Ortsrandlagen über Flächen für Wohnbebauung, wobei das Gebiet Neckarremser Weg wegen der fehlenden Bereitschaft der Eigentümer indes nicht mehr verfolgt werden soll. „Wir überlegen uns, die Fläche rauszunehmen, weil ich sonst nichts anderes ausweisen kann“, sagte Baubürgermeisterin Birgit Priebe.

Nächstes Baugebiet in Ortschaften, in denen seit längerem Bedarf besteht 

In Bittenfeld wird derzeit das Neubaugebiet Berg-Bürg erschlossen. Darüberhinaus steht schon Kappelhalden als Wohnbaufläche im Flächennutzungsplan. Eine weitere Wohnbaufläche ist aus Sicht der Verwaltung derzeit regionalplanerisch nicht möglich. „Alle mit gut und mittel bewerteten Flächen werden nun näher betrachtet“, so die Baubürgermeisterin. Eine Priorisierung gibt es allerdings schon jetzt: Das nächste Baugebiet wird wohl eher in den Ortschaften entstehen, in denen seit längerem Bedarf für neue Bauplätze besteht.


Nachverdichtung in der Kernstadt

In einem aufwendigen Flächensuchlauf hatte die Stadt Areale in Waiblingen für die künftige Baulandentwicklung und speziell für sozialen Wohnungsbau, Flüchtlings-Anschlussunterbringung geprüft. Günstiger Wohnraum entsteht unter anderem bereits in der Bittenfelder Schulstraße, im Pommernweg und an der Heerstraße.

Nun werden die künftigen Baugebiete festgelegt, die klassische Außenentwicklung also, die in den Flächennutzungsplan aufgenommen werden soll. Bis Mitte 2019 soll das Verfahren abgeschlossen sein. Der neue Flächennutzungsplan wird bis zu seiner nächsten Änderung voraussichtlich zehn bis 15 Jahren Gültigkeit haben.

In der Kernstadt werden aller Voraussicht nach keine Außengebiete mehr aufgenommen. Trotzdem entstanden in den vergangenen Jahren neue Wohngebiete, aber stets in Form klassischer Innenentwicklung und Nachverdichtung. Beispiele sind die Areale Karlstraße, Oppenländerstraße, die Gerbergärten und der Wasen. Entwickelt werden noch das Hahn- und das Krankenhaus-Areal.