Waiblingen

Wohnungsnot trotz vieler Leerstände: Braucht Waiblingen eine Geisterhaus-Liste?

Wohnungssuche
Menschen mit niedrigem Einkommen tun sich bei der Suche schwer. © Gabriel Habermann

Junge Familien oder Alleinstehende mit geringem Einkommen suchen oft händeringend Wohnraum. Auf einem umkämpften Mietwohnungsmarkt tun sie sich besonders schwer. Auf der anderen Seite leben ältere Menschen in Häusern, die ihnen zu groß geworden sind – oder Wohnungen und Häuser stehen ganz leer. Kann ein Wohnraummanager beide Seiten zusammenbringen? Waiblingen denkt über solch ein Modell nach.

„Bauplätze sind rar, und die grüne Wiese darf aus Umwelt- und Klimaschutzgründen nicht weiter versiegelt werden“, argumentiert die Fraktion „Grünt“/Tierschutzpartei im Gemeinderat. „Gleichzeitig gibt es zahlreiche leerstehende Wohnungen, marode Häuser, innerstädtische leere Bauplätze.“ Ihre Idee: Ein Wohnraummanager könnte vermitteln, Eigentümer zum Vermieten motivieren und über eine Tauschbörse für rasche Hilfe sorgen, ohne dass neu gebaut werden muss. „Manche Häuser und Wohnungen sind den Mietern oder Besitzern zu groß geworden, nachdem die Kinder ausgezogen sind. Dagegen würden sich junge Familien über größeren Wohnraum freuen.“

Stadt kann auf Privatleute kaum einwirken

So ein Wohnraummanager könnte außerdem, so die Theorie, eine „Geisterhausliste“ mit Leerstandswohnungen, maroden Häusern und Baulückenliste führen und die Eigentümer jährlich darauf ansprechen.

Im Gemeinderat und in der Stadtverwaltung wird die Idee skeptisch gesehen. „Wer ein Haus oder eine Wohnung leerstehen lässt – was ich nicht gut finde – wird seine Gründe dafür haben“, sagt Julia Goll (FDP). Dass die Stadt auf wirtschaftliche Interessen und Lebensumstände von Privatleuten nicht einwirken kann, konstatierte Roland Wied (SPD). Alfonso Fazio wiederum empfiehlt angesichts des Mangels, „alle Möglichkeiten zu nutzen“, um Wohnungen zu vermitteln – sogar auf die Gefahr hin, dass es sich nur um eine relativ geringe Anzahl handle.

OB Hesky: Appell an Hausbesitzer

Wie schon in früheren Jahren appellierte Oberbürgermeister Andreas Hesky bei seiner virtuellen Neujahrsansprache 2022 an Eigentümerinnen und Eigentümer von leerstehendem Wohnraum, diesen anzubieten und zur Verfügung zu stellen. „Der Stadt können Sie vertrauen. Wenn Sie möchten, mietet die Stadt Ihre Wohnung zu marktüblichen Konditionen an und sorgt für ein gelingendes Mietverhältnis.“ Gleichzeitig gibt der Rathauschef zu bedenken: „Nicht alle Wohnungen, in denen derzeit niemand wohnt, werden dem Wohnungsmarkt vorenthalten. Manche warten auf die Sanierung, andere Gebäude sollen abgebrochen werden, um einem Neubau zu weichen.“ In Waiblingen-Süd befinden sich öffentliche Wohnungen im Bau, in der Winnender Straße soll bald ein Wohnbauprojekt der Bürgerstiftung starten.

Die Stadtverwaltung plädiert angesichts des „Grünt“-Vorstoßes dafür, eine eigentlich erst für 2023 vorgesehene Stelle für die Wohnungsnotfallhilfe schon früher zu schaffen. Die Person würde sich auch um Fachberatungen bei Rückstand der Mietzahlungen, Kündigung, Räumungsklage, Zwangsräumung und unterstützende Beratung bei der Wohnungssuche kümmern. Der zuständige Ratsausschuss wird sich noch damit beschäftigen.

Junge Familien oder Alleinstehende mit geringem Einkommen suchen oft händeringend Wohnraum. Auf einem umkämpften Mietwohnungsmarkt tun sie sich besonders schwer. Auf der anderen Seite leben ältere Menschen in Häusern, die ihnen zu groß geworden sind – oder Wohnungen und Häuser stehen ganz leer. Kann ein Wohnraummanager beide Seiten zusammenbringen? Waiblingen denkt über solch ein Modell nach.

„Bauplätze sind rar, und die grüne Wiese darf aus Umwelt- und Klimaschutzgründen nicht weiter

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