Waiblingen

Wohnungsnot: Was wird aus dem "Schandfleck" in der Winnender Straße?

Winnender Straße 32
Die Winnender Straße 32 zwischen Krankenhaus-Areal und Penny. © Gabriel Habermann

Auch wenn alle fast nur noch von Corona reden – an der Wohnungsknappheit in der Region hat sich kaum etwas geändert. Doch in guter, innenstadtnaher Lage gammelt ein Wohnhaus seit geraumer Zeit vor sich hin: Das Gebäude Winnender Straße befindet sich in städtischem Besitz, ist inzwischen unbewohnbar geworden und steht leer. „Eigentlich ein Skandal“, schimpft FDP-Stadträtin Julia Goll. Wie geht es nun damit weiter?

Der Verkauf an einen privaten Investor ist vor drei Jahren gescheitert. Dieser habe nach Aussage von Julia Goll „ausschließlich günstigen Wohnraum schaffen“ wollen. Dies sei aber von einer Gemeinderatsmehrheit verhindert worden. Seitdem sei nichts geschehen – was jedenfalls nicht im Sinne der Wohnungssuchenden in Waiblingen sein könne. Tatsächlich habe der Gemeinderat den Verkauf damals abgelehnt, wie Oberbürgermeister Andreas Hesky bestätigt. Das Ziel war, dass die Stadt selbst als Bauherrin tätig wird. Die Haltung der FDP hingegen in Sachen städtischer Wohnungspolitik ist felsenfest wie Granit: Sie hält nichts davon und lehnt ihn bei jeder Gelegenheit ab. „Die Stadt ist nicht der bessere Bauherr“, sagt Julia Goll.

Private sollen es richten

An der Winnender Straße könnte seit Jahrzehnten der „Schandfleck“ verschwunden sein und ein modernes Wohngebäude stehen, so ihre Überzeugung. Zwar stehen Abriss und Neubau nun auf der Agenda. Ein neues Haus mit sieben städtischen Wohnungen beziehungsweise Wohnungen, für welche die Stadt Belegungsrecht für einkommensschwache Wohnungssuchende hat, soll entstehen. Aber das geht der FDP-Rätin nicht schnell genug: Die kleine städtische Wohnungsgesellschaft mit nicht einmal einer Handvoll Mitarbeitern werde 2021 und 2022 mit einem ähnlichen Neubau in Berg-Bürg Bittenfeld und der Generalsanierung der Falkenstraße 15 in Neustadt ausgelastet sein. „Daneben ein weiteres Projekt in der Winnender Straße 32 – und das auch erst ab Ende 2021 – zu stemmen ist illusorisch.“ Deshalb fordert Julia Goll in typischer FDP-Manier, das Anwesen kurzfristig an einen privaten Investor zu verkaufen. Dieser soll dann kostengünstigen Wohnraum herstellen – „dann ziehen Mitte 2022 die ersten Mieter ein“.

Bald ein neues Wohngebiet beginnen

Auch die CDU sieht die Zeit gekommen, an der Stelle ein bedarfsgerechtes Mehrfamilienhaus zu errichten, will aber die Wohnungsgesellschaft damit beauftragen. Dass eine Sanierung des Gebäudes nicht wirtschaftlich ist, haben die Überprüfungen ergeben. Die Überlegungen zum Verkauf an einen Investor hätten sich zerschlagen. Von der Winnender Straße abgesehen, fordert CDU-Chef Peter Abele, dass nach umfangreichem Flächensuchlauf der Stadt nach Möglichkeiten für weitere Wohnbebauung Nägel mit Köpfen gemacht werden: Zeitnah sollte die Umlegung von mindestens einem Wohngebiet 2021 beginnen. Zur Entlastung der Verwaltung könne ein externes Planungsbüros beauftragt werden. Froh ist Abele über die langfristigen Belegungsrechte für zehn bis 20 Prozent der neugebauten Wohnungen wie am Krankenhaus-Areal. Wichtig sei aber auch, dass die Stadt in eigener Regie Wohnungsbau betreibe und ihren Wohnungsbestand ausbaue. „Nur so können wir sicherstellen, dass eine Anzahl von Wohnungen mit verbilligtem Mietzins dauerhaft zur Verfügung steht.“

Spekulation verhindern

„Den Bestand an städtischem Wohnraum kontinuierlich erhöhen“ will die SPD. Damit wollen die Sozialdemokraten „Spekulation und ständigen Preissteigerungen entgegenwirken“. Was sich für Private rechnet, rechne sich auch für die Stadt. Die FW/DFB-Fraktion plädiert für einen gesunden Mix aus Bauträgern, Investoren und städtischem Bauen – „die Stadt kann nicht alles selbst machen“.

So oder so, die Tage des Hauses Winnender Straße 32 sind gezählt. Im Bestand der städtischen Wohnungen rangierte es, was den Standard angeht, ganz unten. OB Andreas Hesky spricht mit Blick auf die letzte Nutzung eher von „Unterkunft“ statt von „Wohnung“. Zuletzt sei der Zustand für eine Nutzung aber nicht mehr zumutbar gewesen.

Auch wenn alle fast nur noch von Corona reden – an der Wohnungsknappheit in der Region hat sich kaum etwas geändert. Doch in guter, innenstadtnaher Lage gammelt ein Wohnhaus seit geraumer Zeit vor sich hin: Das Gebäude Winnender Straße befindet sich in städtischem Besitz, ist inzwischen unbewohnbar geworden und steht leer. „Eigentlich ein Skandal“, schimpft FDP-Stadträtin Julia Goll. Wie geht es nun damit weiter?

Der Verkauf an einen privaten Investor ist vor drei Jahren gescheitert.

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