Waiblingen

Zehn Monate Haft für Ladendieb

Schild
Symbolbild. © Jamuna Siehler

Waiblingen. Er könne sich nicht erinnern. Das ist alles, was der Angeklagte zu seinen Taten zu sagen hat. Der 37-jährige Korber steht vor Gericht, weil er mehrfach unter Alkoholeinfluss gestohlen haben soll. Zudem soll er nach seiner Verhaftung in einer Zelle um sich getreten und geschlagen haben und muss sich daher auch wegen Körperverletzung verantworten.

Mit einer brennenden Zigarette im Mund, einer Flasche Whisky in der Hand und streng nach Alkohol riechend soll der Angeklagte aus der Spirituosen-Abteilung eines Supermarktes in Weinstadt gekommen sein. So schildert es ein Markt-Mitarbeiter vor dem Waiblinger Amtsgericht. Auf seinen Hinweis, dass das Rauchen in dem Laden nicht erlaubt sei, habe der offenbar stark alkoholisierte Mann nicht reagiert, so der Zeuge weiter. Erst auf die zweite Aufforderung hin, die Zigarette zu löschen, habe der Betrunkene ihm die Kippe in die Hand gedrückt und sei mit der Whisky-Flasche aus dem Laden marschiert. „Hinter der Kasse habe ich ihn aufgehalten“, berichtet der Zeuge weiter. Die Polizei rückte an, nahm die Anzeige auf und ließ den frisch ertappten Ladendieb laufen. Nur um den 37-jährigen Korber einige Zeit später wieder zu schnappen: Aus einer nahe gelegenen Tankstelle soll dieser später am Tag eine Flasche Wodka gestohlen haben. Zudem soll er eine Jacke getragen haben, die er zuvor nicht angehabt hatte – offenbar, so die Schlussfolgerung der Polizisten, hatte der Mann sich im Vorbeigehen an den Auslagen eines Textildiscounters bedient.

Im Vorbeigehen an den Auslagen bedient

Die Beamten nahmen den Mann mit aufs Revier. Dort, so schildern es die Beteiligten, habe der Festgenommene sich zunächst geweigert, aus dem Auto auszusteigen, dann versucht zu fliehen und schließlich in einer Zelle nach den Beamten geschlagen und getreten.

Einige Monate später gab es ein Wiedersehen in einem Drogeriemarkt. Dort soll der Angeklagte erst Kopfhörer und ein Päckchen Kaffee und einige Tage später Parfüm, Duschgel und mehrere Kugelschreiber gestohlen haben – wie auch beim ersten Vorfall wieder stark betrunken. Widersetzt haben soll er sich auch wieder, diesmal dem Ladendetektiv, der ihn aufhalten wollte. Der Korber ist bei der Polizei kein Unbekannter. Dies geht aus den Aussagen der als Zeugen geladenen Beamten hervor – und aus seinem langen Vorstrafenregister. Dort finden sich unter anderem (Richter Dautel verliest nur die relevantesten Punkte) Einträge zu versuchter räuberischer Erpressung, mehrfachem Diebstahl und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Derzeit, wie auch zum Zeitpunkt der neuerlichen Diebstähle, steht der Angeklagte unter Bewährung. Auch die Sozialprognose sieht alles andere als rosig aus: kein Berufsabschluss, kein Job, keine eigene Wohnung. Der Mann lebt von Hartz IV und ist bei seiner Mutter untergekommen.

Bei der Polizei nicht unbekannt: Der Korber hat einige Vorstrafen

„Ich hab’ ziemlich viel getrunken die letzte Zeit. So zwei, drei, vier Flaschen am Tag“, räumt der Angeklagte, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt, sein Alkoholproblem ein. Mit „Flaschen“ meint er dabei starken Alkohol: Whisky, Wodka, Rum. Ein paarmal habe er versucht, vom Trinken loszukommen – vergeblich. Auch eine Entziehungskur sei ohne Erfolg geblieben.

Am Ende wird der Mann wegen Diebstahls, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und versuchter Körperverletzung zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Der Richter entspricht damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Zur Begründung sagt Dautel, er sehe keine Hinweise für eine Schuldunfähigkeit wegen Vollrausches. Der Angeklagte sei das Trinken gewohnt und somit zum Zeitpunkt der Taten zurechnungsfähig gewesen. Weil er zudem trotz Bewährung mehrfach wieder straffällig geworden ist und aus Sicht des Richters Fluchtgefahr besteht, bleibt der Korber in Haft.


Kein Freifahrtschein

Nach Paragraf 323 a des Strafgesetzbuches kann ein Vollrausch strafbar sein. Und zwar dann, wenn jemand „sich vorsätzlich oder fahrlässig durch alkoholische Getränke oder andere berauschende Mittel in einen Rausch versetzt“ und in diesem Zustand eine „rechtswidrige Tat begeht und ihretwegen nicht bestraft werden kann, weil er infolge des Rausches schuldunfähig war oder weil dies nicht auszuschließen ist“.

Dafür kann eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe verhängt werden, wobei die Strafe nicht schwerer sein darf als diejenige Strafe, die für die im Rausch begangene Tat fällig wäre.