Waiblingen

Zehn Tipps für sicheres Reisen

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Jan Kestner im Staufer-Gymnasium. © Jamuna Siehler
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Jan Kestner im Staufer-Gymnasium. © Jamuna Siehler

Waiblingen. Mit dem Rucksack durch Asien, als Erntehelfer durch Australien: Nach dem Abi wollen viele erst mal verreisen. Und das ist gut so, sagt Jan Kestner. „Reisen ist super. Und auch wenn man Durchfall kriegt, eine Erfahrung.“ Damit die Tour am Ende tatsächlich ein unvergesslich schönes Erlebnis und kein Horrortrip wird, sollte man allerdings ein paar Basics kennen: Der Krisenberater gab Schülern am Staufer-Gymnasium Tipps und Hinweise.

Seine Seminare werden normalerweise von großen Unternehmen gebucht, deren Mitarbeiter vor Auslandseinsätzen geschult werden sollen: Jan Kestner, ehemaliger Marineoffizier mit Studium in Wirtschaft und Psychologie, jetzt Krisenberater der Firma „Red 24“. Von Kapstadt, London, New York und München aus agiert „Red 24“, die Crisis Management Assistance Company, weltweit bei Entführungen und Evakuierungen, Piraterie und anderen Notfällen. Und gibt als eine Art Unternehmensberater Empfehlungen ab für Verhaltens- und Verhandlungsstrategien. „Bei den Firmen heißt das Fürsorge“, erklärte Kestner jetzt Schülern am Staufer-Gymnasium. „Sie müssen sich kümmern, dass ihre Mitarbeiter ohne Schaden zurückkommen.“ Ohne Schaden zurückkommen: Das wollen alle, die auf Reisen gehen. Weshalb sich die Tipps und Verhaltensstrategien von Managern vermutlich gar nicht so sehr von denen unterscheiden, die Rucksack-Touristen beherzigen sollten.

1. Wer auf Reisen geht, sollte sich vorher informieren. „Klingt simpel, wird aber oft nicht gemacht, weil Reisen so einfach ist“, weiß Jan Kestner. „In zehn Stunden ist man in einem total anderen Land.“ Eine gute Quelle für Länderinfos, das politische System im Reiseland, geschriebene und ungeschriebene Gesetze wie die Position von Frauen seien die Hinweise des Auswärtigen Amtes. Mit diesen Hinweisen sei es möglich, sich eine nützliche „Was ist, wenn?-Denkweise“ aufzubauen.

2. Alle wichtigen Dokumente sollten kopiert und eingescannt werden. „Wenn der Pass geklaut wird, habt ihr’s dann leichter.“

3. Wichtige Telefonnummern und die Pass-Nummer sollten nicht nur im Smartphone gespeichert werden, sondern auch auf Papier mitgeführt werden.

4. Nicht jeder Mitgliedsausweis, jede Karte gehört in die Brieftasche. Die Kreditkarte, die man mitnimmt, sollte im Reiseland aber auch freigeschaltet sein.

5. Hilfreich ist ein „Every day carry“. Das ist eine kleine Tasche, in der vom Kugelschreiber über ein Taschenmesser bis zum Pflaster alles drin sein sollte, was man in alltäglichen bis hin zu gefährlichen Situationen dabeihaben sollte. Was reinmuss, ist natürlich (auch) subjektiv. In Kestners Fall ist das unter anderem Tesafilm. „Mir hilft ein „Every day carry“ immer wieder“, sagt Jan Kestner.

6. Auch die medizinische Vorsorge ist wichtig, ein Carepaket sollte gepackt werden. Was fürs jeweilige Land reinmuss, sagt das Auswärtige Amt. Wer ständig Medikamente nehmen muss, sollte eine ausreichende Menge davon mitnehmen: „So ein Carepaket ist extrem viel wert“, sagt Kestner. „Man weiß nicht, was man an Inhaltsstoffen im fremden Land bekommt.“ Informieren sollte man sich, ob das Medikament im Reiseland zugelassen ist. Wenn nicht, vom Hausarzt die medizinische Notwendigkeit schriftlich bestätigen lassen.

7. Gepäck: „So wenig wie möglich mitnehmen“, rät der Sicherheitsexperte. „Und was mitmuss, am besten als Handgepäck. Gepäck aufgeben heißt, Gepäck weggeben.“ An den Koffer oder den Rucksack sollten keine Statusanhänger, die Rückschlüsse zulassen. „Sie sollten schwarz sein, neutral und die Adresse sollte verdeckt sein.“

8. Im fremden Land gerade angekommen, ist gesunder Argwohn nicht verkehrt. „Obwohl man Nähe, Spaß und viele Leute kennenlernen will, sollte man nicht alle Infos preisgeben, wenn man jemanden kennenlernt“, warnt Kestner. Total entspannt durch fremde Straßen zu gehen – das kann schiefgehen. „Dass man ein komisches Gefühl hat, höre ich häufig – aber meist, wenn es zu spät ist.“ Auch wenn Vernunft uncool wirken mag: „Man sollte wissen, es könnte was passieren und man sollte dafür bereit sein“, sagt der Experte. Weil Täter nicht erwischt werden wollen, suchten sie sich immer die Opfer aus, die die größtmögliche Aussicht auf Erfolg versprechen: also die besonders unvorsichtig und leichtgläubig auftreten.

9. Keine Selbstverteidigungsversuche starten, kein Messer, kein Pfefferspray verwenden. „Wenn’s zur Tat kommt, habt ihr keine Chance. Also entweder kein attraktives Opfer sein oder brenzligen Situationen aus dem Weg gehen.“

10. Vor der Reise sollte klar sein, wer im Notfall zu Hause informiert werden soll. Dies sollte im Notfallpass oder Handy hinterlegt werden. Sinnvoll sei es auch, mit einem Partner zu Hause Zeiten zu vereinbaren, zu denen man sich regelmäßig meldet. Dabei sei auch die Info, man sei eine Zeit lang nicht erreichbar, eine Info. „Das hat natürlich was mit Kontrolle zu tun“, sagt Jan Kestner. „Es macht aber Sinn.“

Crisis Consultant

Wenn Firmen aus Krisengebieten ihre Mitarbeiter zurückholen, in Ländern wie Syrien oder dem Jemen Deutsche entführt werden oder vor Somalia ganze Schiffe verschwinden, beginnt Jan Kestners Job. Als Crisis Consultant – deutsch Krisenberater – hat der ehemalige Marineoffizier mit Studium in Wirtschaft und Psychologie auch schon mit Schiffspiraten verhandelt.

Wer mit Entführern im Jemen spricht oder mit Schiffspiraten vor Somalia verhandelt, muss verstehen, wie sie ticken. Er muss wissen, wer wo gerade an der Macht ist und mit welchen Mitteln er sich durchsetzt. Er muss begreifen, wie die Menschen im Land denken und wie weit sie gehen. Kurz: Wer helfen will, muss wissen, was in der Welt los ist, sagt Jan Kestner.