Waiblingen

Zu zweit Supermarkt überfallen und ausgeraubt

Schild
Symbolbild. © Jamuna Siehler

Waiblingen/Bonn. Zusammen mit einem damaligen Freund hat ein 27-Jähriger einen Supermarkt im Bonner Stadtteil Bad Godesberg überfallen. Sie haben die Mitarbeiter bedroht, sie gezwungen, den Tresor aufzuschließen, und 14 530 Euro erbeutet. Weil die Tat schon einige Jahre zurückliegt, ist der Angeklagte mit einer Jugendstrafe noch mal mit einem blauen Auge davongekommen.

Der heute 27-jährige Angeklagte wirkt sympathisch, versiert in der Wortwahl, mit seinem blauen Hemd und seinem dunkelblauen Jackett irgendwie seriös. Als eines von fünf Kindern ist er in Bonn geboren und aufgewachsen. Er hat nach dem Realschulabschluss das Fachabitur in Wirtschaft und Verwaltung abgelegt, hat eine Ausbildung als Informatiker abgeschlossen, ist dazu nach Stuttgart gezogen und hat eigentlich immer geschaut, dass er nach seinem Schulabschluss sein eigenes Geld verdient mit Jobs in der Gastronomie.

Die Tat, so wie sie in der Anklageschrift steht und sie der Staatsanwalt vorgetragen hat, passt so gar nicht zu seinem Auftreten. Das Vorgehen: skrupellos und brutal. „Ich räume alles ein“, sagte der Angeklagte direkt im Anschluss.

Mit Sturmmasken über dem Gesicht soll der heute 27-Jährige zusammen mit einem damaligen Freund einen Supermarkt im Bonner Stadtteil Bad Godesberg am 26. November 2009, kurz nachdem Mitarbeiter morgens um 7 Uhr die Türen für die Kundschaft geöffnet hatten, betreten haben, um Geld aus dem Tresor zu fordern. Sie seien regelrecht in den Laden gestürmt. Eine Mitarbeiterin hielt sich im Kassenbereich auf, der andere füllte das Obst auf. Der Komplize habe auf den 30-jährigen Angestellten eine Pistole gerichtet, eine Gaspistole, die aber täuschend echt aussah. Er wollte den Tresorschlüssel haben, den aber gerade die Mitarbeiterin an der Kasse hatte.

Angestellter hatte Angstzustände

Als die Täter von ihr den Schlüssel erhalten hatten, gingen sie in den hinteren Ladenbereich, wo sich der Tresor befand. Der Angeklagte hielt dazu das Messer, das er dabeihatte, einer Kundin an den Rücken und zwang sie, mit ihm nach hinten zu kommen. Dort musste der 30-jährige Angestellte den Tresor aufschließen, so dass die beiden Täter sämtliches Bargeld in ihre Tasche packen konnten. Sie wollten durch den Hintereingang fliehen, der aber verschlossen war. Bei der Flucht durch den Laden riss einer der beiden ein Weinregal um, worauf der Angeklagte auf den Scherben ausrutschte und die Tasche mit der Beute verlor, deren Inhalt sich im Supermarkt verteilte. Auf die Schnelle packte er ein, was er greifen konnte. Später teilten sie die Beute untereinander auf: Es waren 14 530 Euro.

Eine erste Polizeistreife war zwei, drei Minuten später am Einsatzort. Die Täter waren aber schon über alle Berge gewesen. Die Mitarbeiterin an der Kasse und eine andere Kollegin waren nach draußen gerannt und hatten den Notruf abgesetzt, als die Täter sich am Tresor zu schaffen machten.

Der 30-jährige Verkäufer hatte lange an dem Raubüberfall zu knabbern. Sechs Wochen sei er krankgeschrieben gewesen, war in psychologischer Betreuung, anschließend erfolgte eine Einarbeitungsphase. Für ihn war das bereits der vierte Überfall gewesen, den er in dem Supermarkt erlebt hatte. Dieser war aber besonders schlimm. Seine Tochter war damals noch sehr klein. Ständig sei ihm durch den Kopf gegangen: „Wenn ich jetzt etwas Falsches mache, was machen die dann zu Hause ohne mich ...“, sagte er aus. Auch seine Kollegin habe an dem Überfall zu knabbern gehabt. Noch heute denke sie oft an diesen Tag.

Angeklagter entschuldigt sich

Der Angeklagte wirkte betroffen: „Es ist sehr lange her. Ich habe nie den Part der Geschädigten gesehen, wie es ihnen dabei ergangen ist. Es tut mir von ganzem Herzen aufrichtig leid“, sagte er zu den Zeugen.

Warum er die Tat begangen hat, könne er heute nicht mehr sagen. Er sei morgens angerufen und relativ spontan überredet worden. Der andere habe die Tat vorbereitet gehabt, gewusst, dass es einen Schlüssel für den Tresor gibt und wer diesen hat.

2000 Euro Schmerzensgeld

Diese Freunde seien auch der Grund gewesen, warum er wegwollte aus Bonn. Seine Ausbildung als Fachinformatiker machte er in Leinfelden-Echterdingen. Eine kurze Zeit wohnte er in Fellbach. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Anklage erhoben, weshalb der Fall in die Zuständigkeit des Amtsgerichts Waiblingen ging. Fünfmal wurde er im Anschluss an die Tat wegen Diebstahls oder Körperverletzung verurteilt. Dinge, die er verdrängt hat, was bei einer Bewährungsauflage weitere Schwierigkeiten nach sich zieht. Er ist ein Mensch, der den Kopf in den Sand steckt, wenn es brenzlig wird. Der Grund, warum er weder mit der Jugendgerichtshilfe noch mit seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Jens Rabe, Kontakt aufgenommen hatte. Anzeichen, die für eine gewisse Unreife sprechen, so dass der Angeklagte nach dem Jugendstrafrecht zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt wurde sowie einem Schmerzensgeld in Höhe von 2000 Euro, die er je zur Hälfte den Geschädigten bezahlen muss. Er ist mit einem blauen Auge davongekommen. „Selbst Schwarzfahren reicht aus, dass sie beim nächsten Mal ins Gefängnis müssen“, sagte Richter Luippold. „Ändern Sie Ihre Strategie und stellen Sie sich Ihren Problemen.“