Waiblingen

Zwei falsche Fünfziger: Junge Frauen vor Gericht

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Auf den ersten Blick schwer zu unterscheiden: Falschgeld (links) und echtes Geld (rechts). © Siehler / ZVW

Waiblingen. Eine junge Frau will ihrem Bruder einen Gefallen tun und bringt Falschgeld in Umlauf. Als wäre das nicht schlimm genug, überredet sie ihre beste Freundin, ihnen dabei zu helfen. Dafür mussten sich die zwei jungen Frauen aus Backnang nun vor dem Waiblinger Amtsgericht verantworten.

11. April 2017: Die zu diesem Zeitpunkt 20 Jahre alte Safia Z. (Namen von der Redaktion geändert) macht eine Ausbildung zur Verkäuferin an einer Tankstelle in Backnang, doch an diesem Tag hat sie frei. Da bittet sie ihr drei Jahre älterer Bruder um einen Gefallen: Sie soll sich zwei falsche 50- Euro-Scheine in der Tankstelle wechseln lassen.

Blüten im Geldverkehr

Ohne zu Zögern willigt sie ein. Gegen Mittag fahren die beiden zur Tankstelle. Dort arbeitet gerade Anna W, die beste Freundin von Safia Z. Die 22-Jährige ist ebenfalls Auszubildende an der Tankstelle. Safia Z. bittet sie kurz nach draußen: Sie erzählt ihrer Freundin von den zwei falschen Geldscheinen und überredet sie, diese in echtes Geld zu wechseln.

„Anna war am Anfang schon ängstlich und hat mich gefragt, was passiert, wenn es rauskommt“, sagte Safia Z. nun vor Gericht, „aber ich habe sie beruhigt und ihr versichert, dass es nicht rauskommen wird.“

Schließlich gehen die Freundinnen zurück in die Tankstelle. Safia Z. legt die beiden 50-Euro-Scheine neben die Kasse und weist ihre Freundin an, das Geld nicht durch das Prüfgerät laufen zu lassen. Anna W. öffnet die Kasse, legt die zwei Scheine hinein und gibt Safia 100 Euro in echten, kleinen Scheinen zurück. Damit gelangen die Blüten in den Geldverkehr.

Das perfekte Verbrechen? Eher nicht

Am nächsten Tag ruft ein Bankangestellter bei der Tankstelle an: Zwei der 50-Euro- Scheine vom Vortag seien Falschgeld – somit fehlen 100 Euro in der Kasse. Der Tankstellenleiter kontrolliert die Aufnahmen der Überwachungskameras. Darauf deutlich zu sehen: Anna W., wie sie die Geldscheine von Safia Z. entgegennimmt und austauscht. Es sind die einzigen Scheine, die an diesem Tag nicht mit dem Prüfgerät kontrolliert werden. „Unsere Mitarbeiter haben die Anweisung, die Scheine ab 20 Euro zu überprüfen“, sagte der Tankstellenchef vor Gericht.

Am 12. April 2017 bittet er Anna W. zum Gespräch und konfrontiert sie mit den belastenden Videoaufnahmen – „Sie hat es direkt zugegeben und ich habe ihr dann zur Selbstanzeige geraten, was sie auch gemacht hat.“

Als Safia Z. nach ihrem Urlaub ihre Schicht in der Tankstelle antreten will, wartet dort die Kriminalpolizei auf sie. Die Folge: eine Strafanzeige, 100 Euro Lohnabzug und die fristlose Kündigung für die damals 20-Jährige.

Die Staatsanwaltschaft wirft Safia Z. gemeinschaftliche Geldfälschung und gemeinschaftlichen Diebstahl vor. Anna W. wird wegen Beihilfe angeklagt. Auf die Frage des Richters Martin Luippold nach ihrem Motiv sagte Safia Z., sie habe aus Solidarität ihrem Bruder gegenüber gehandelt: „In der Familie hilft man sich eben und ich wollte ihm einfach den Gefallen tun.“ Anna W. wollte ihre „beste Freundin nicht enttäuschen“. Sie hätten nicht über die Konsequenzen nachgedacht, seien zu naiv gewesen, geben beide an.

Anna W. darf ihren Job behalten

Anna W. arbeitet nach wie vor in der Tankstelle – das hat sie ihrem Chef zu verdanken, der sich für die junge Mutter eingesetzt hat. „Ich hatte das Gefühl, dass sie nicht die Hauptschuldige war. Deshalb haben wir ihr eine zweite Chance gegeben“, sagt er. Die hat sie genutzt.

Safia Z. wurde, da sie zum Tatzeitpunkt unter 21 Jahre alt war, nach Jugendstrafrecht zu einer Geldbuße von  1400 Euro verurteilt. Das Geld geht an Ärzte ohne Grenzen. Anna W. muss 2100 Euro zahlen. Daraus gelernt haben sie nach eigenen Angaben – und versichern beide: „So was werde ich niemals wieder machen.“

Seit dem Vorfall sprechen die ehemaligen besten Freundinnen kein Wort mehr miteinander. Der Bruder von Safia Z. wurde im November 2017 unter anderem wegen Geldfälschung und dreifachen Betrugs zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt.