Waiblingen

Zwischen Waiblingen und Winnenden: S-Bahn-Fahrgäste brauchen länger, kommen aber pünktlich an

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Bahnersatzverkehr
Weiter geht’s mit den bereitstehenden Bussen Richtung Winnenden und Backnang. © ALEXANDRA PALMIZI
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Bahnersatzverkehr
Die S-Bahnen fahren werktags im Viertelstundentakt. © ALEXANDRA PALMIZI

Schluss ist es mit dem gewohnt-gemütlichen Morgenschlummer in der S-Bahn. Wer aus Richtung Backnang nach Stuttgart will, muss derzeit in Winnenden raus und umsteigen in den Schienenersatzverkehr-Bus. In umgekehrter Richtung ist für die S-Bahn in Waiblingen Endstation. Fahrgäste müssen auch hier den Bus nehmen. Seit gestern und noch bis zum kommenden Sonntag gilt ein geänderter Fahrplan für die S 3.

Auf der Strecke zwischen Winnenden und Waiblingen fahren Ersatzbusse, die Fahrtzeit verlängert sich dadurch. Doch die Fahrgäste gehen gelassen mit unvermeidbaren Verspätungen um: Bei einer Blitzumfrage zur Pendler-Rushhour zwischen 7 und 9 Uhr bricht sich kein gefrusteter Kommentar Bahn - weder über Bus noch Bahn.

„Ich dachte, es gibt ein Abenteuer, aber es ist ausgeblieben“

Alles rollt, alles läuft rund, nichts zu mäkeln am Schienenersatzverkehr: Peter Ziegler aus Burgstall hebt erfreut die Augen über seinem Mund-Nasen-Tuch. „Ich dachte ja heute früh, es gibt ein Abenteuer, aber - ist ausgeblieben.“ Er pendele seit 20 Jahren, die Skepsis komme nicht von irgendwoher. „Man ist ja einiges gewöhnt, aber heute: einwandfrei“, lobt er den aus seiner Sicht „reibungslosen“ Ablauf mit einem beherzten Daumenhoch-Zeichen. In Winnenden habe er sich kurz orientieren müssen beim Umsteigen, doch jene, die wissen, wo der Bus abfährt, seien unschwer zu erkennen. „Ich bin ihnen hinterhergetrabt - Schwarmintelligenz hilft beim Bahnfahren ungemein.“

Ein winziger Restzweifel fährt mit, als Vielfahrer müsse ein bisschen doppelter Boden eben schon auch sein. „Habe ausnahmsweise etwas zu trinken mitgenommen“, sagt er augenzwinkernd und zieht eine Flasche Apfelschorle aus der Tasche. Nicht extra einpacken musste er sein „dickes Fell“: „Egal wie, alles ist immer noch viel besser, als im Auto im Stau zu stehen“, sagt er gelassen.

Auch Leonie aus Stuttgart kann nichts aus der Ruhe bringen, obwohl sie eine Ochsentour hinter sich hat und 20 Minuten länger unterwegs sei: „Von Feuerbach mit der S 4 nach Backnang und jetzt weiter nach Winnenden“, schildert sie. Auch ihre Augen zeigen Lachfalten neben dem Mund-Nasen-Schutz: „Überraschenderweise hat alles gut geklappt, und auch just in time“, ist sie guter Dinge.

Als App-Nutzerin habe sie in der Vorwoche die Nachricht erhalten, konnte ihren Zeitplan umstricken und den Wecker früher stellen: „So herum war ich schneller als über Stuttgart, und ich musste nur einmal umsteigen.“

Für Wolfgang Ziegler aus Marbach hingegen wäre der Weg nach Grunbach zur Arbeit über die Landeshauptstadt geschickter gewesen - wie er nach dem Umstieg mit Wartezeit in Backnang und Uhrencheck registriert. „Mir hätte es eine halbe Stunde gespart, aber ich habe Gleitzeit, von dem her kein Problem.“ Den Rest der Woche hat er vor, seine gewohnte Strecke auszusetzen. „Schon heute Abend fahre ich über Stuttgart zurück.“

Wer von Backnang nach Waiblingen oder weiter muss, kommt später an als gewohnt - aber immerhin fahrplanmäßig. Die neuen Taktungen scheinen den ersten Berufsverkehr-Härtetest zu bestehen: Wir beobachten keine überfüllten Busse, kein Gedränge an den Bahnsteigen, keine hektischen Telefonierer, die verspätungsgenervt ihren Frust kundtun. Stattdessen entspannte Fahrgäste, die in den Wochenstart rollen, viele ohrgestöpselt, alle vorbildlich coronamaskiert.

Busse des Schienenersatzverkehrs schon von weitem gut sichtbar

Ein Pendler aus Rommelshausen, der von Waiblingen nach Winnenden muss, hat den Bussitz mitsamt Nebensitz für sich alleine. Er sei unvorbereitet zwei Minuten am Bahnsteig gestanden. „Dann hat mich jemand darauf hingewiesen, dass keine S 3 kommt“, erzählt er.

Die Umstiegszeit habe ausgereicht. Er schaue schon lange nicht mehr auf den Fahrplan. „Ich habe meine Zeiten ja im Kopf.“ Von der Unterführung in Waiblingen sei er direkt auf die Busse zugelaufen, sie seien „schon von weitem gut sichtbar“.

Mehrere Busse warten hintereinander an den Bussteigen 10 und 11, gekennzeichnet mit „SEV“ für Schienenersatzverkehr oberhalb der Frontscheiben. In Zeitstress habe ihn der Umstieg nicht gebracht. „Solange ich vor 9 Uhr bei der Arbeit erscheine, ist alles locker.“

Davide Magnani aus Backnang fährt nach zwei Monaten Homeoffice zum ersten Mal wieder zur Arbeit nach Fellbach. Er sei auf Bus eingestellt, habe aber den ersten Direktbus nach Waiblingen verpasst, weil er am falschen Bussteig stand. Der Pendler weicht aus auf die S 3, die zehn Minuten später fährt. „Durch den Bus komme ich später an, nicht tragisch, es steht für heute kein Termin drin.“

Kai aus Rommelshausen schaut während der Busfahrt nicht einmal in einer Kurve oder an ruckeligen Straßenzügen von seinem dicken Wälzer auf. Vertieft liest er am Bahnsteig in Winnenden stehend weiter, bis die S 3 nach Nellmersbach einrollt. Angesprochen, wie seine Fahrt verlaufen sei, lässt er wissen:

„Ich habe vorsorglich eine Bahn früher genommen, um zu sehen, wie’s läuft.“ Für ihn stimme alles: „Beschilderung, Information, genügend Sitzplätze“. Der Bus brauche via Nebenstrecke über Neustadt-Hohenacker und Schwaikheim etwas länger. „Kein Schmerz, ich habe Gleitzeit.“

Nebenbei ist für ihn die längere Fahrtzeit ja geschenkte zusätzliche (Roman-) Lesezeit.

Schluss ist es mit dem gewohnt-gemütlichen Morgenschlummer in der S-Bahn. Wer aus Richtung Backnang nach Stuttgart will, muss derzeit in Winnenden raus und umsteigen in den Schienenersatzverkehr-Bus. In umgekehrter Richtung ist für die S-Bahn in Waiblingen Endstation. Fahrgäste müssen auch hier den Bus nehmen. Seit gestern und noch bis zum kommenden Sonntag gilt ein geänderter Fahrplan für die S 3.

Auf der Strecke zwischen Winnenden und Waiblingen fahren Ersatzbusse, die Fahrtzeit

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