Weinstadt

Ärger über Vandalismus in Beutelsbach: Wegkreuz mit Jesus-Figur des Künstlers Karl Ulrich Nuss beschädigt

Jesus Kaputt
Mitarbeiter des städtischen Bauhofs transportieren die achtlos umgestoßene Nuss-Figur ab. © Gabriel Habermann

In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben Unbekannte bei Beutelsbach eine circa zwei Meter hohe Jesus-Skulptur beschädigt. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Wegkreuz, ein Kunstwerk aus Holz und Bronze des Weinstädter Bildhauers Karl Ulrich Nuss. Mitarbeiter des Bauhofs haben es am Montag in Sicherheit gebracht. Sowohl Katholiken als auch Protestanten ärgern sich. Der Ort hat für sie eine besondere Bedeutung.

Schließlich feiern die Beutelsbacher Christen am „Wegkreuz im Töbele“ seit vielen Jahren ökumenische Gottesdienste. Jedes Jahr im September wird hier das ursprünglich katholische „Fest der Kreuzerhöhung Christi“ gemeinsam im Freien begangen. Und auch vor zwei Monaten, an Heiligabend, haben sich die Gläubigen hier versammelt.

Pfarrer Rölle: Gewalt gegen Kunstwerk ist "schockierend"

Er kenne natürlich die Hintergründe nicht, sagt der evangelische Pfarrer Timotheus Rölle im Gespräch mit unserer Zeitung, und wolle auch nicht darüber spekulieren, aber es sei schon „schockierend“, dass Gewalt angewandt werde, zumal gegen ein Kunstwerk, „das eine religiöse Konnotation hat“. Das Wegkreuz, von dem es in dieser Gegend, anders als zum Beispiel in Bayern, nur ganz wenige gebe, sei ein Zeichen der Hoffnung: „Ein Symbol des Lebens, nicht nur des Leidens.“

Corona-Frust? Stadt Weinstadt: Vandalismus derzeit „kein großes Thema“

Es ist allerdings anzunehmen, dass diejenigen, die es jetzt umgestoßen haben, sich über die tiefergehende Bedeutung des Kunstwerks keine Gedanken gemacht haben – und eher aus Langeweile oder Lust an der Zerstörung gehandelt haben.

Im Bericht der Polizei vom Montagvormittag heißt es: „Zudem traten die Täter einen daneben befindlichen Mülleimer um und verteilten den Inhalt.“ Die Höhe des Sachschadens sei bislang unbekannt. Zeugenhinweise nimmt das Polizeirevier Waiblingen unter der Telefonnummer 07151/95 04 22 entgegen.

Steckt vielleicht Corona-Frust dahinter? Das ist zwar möglich – eine besondere Häufung solcher Vorfälle kann die Stadt aber derzeit nicht feststellen. „Vandalismus ist im Moment kein großes Thema“, sagt Rathaus-Pressesprecher Holger Niederberger auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Figur lagert vorübergehend im Bauhof 

Am Montagmittag haben Mitarbeiter der Stadt die Figur abtransportiert, um sie im vorübergehend im Bauhof einzulagern, wo sie vor weiteren Beschädigungen geschützt ist. Die gute Nachricht: Die wertvolle Bronze-Plastik selbst scheint den Sturz unbeschadet überstanden zu haben. Holger Niederberger sagt, möglicherweise hätten die Unbekannten, die sie umgestoßen haben, gar keine große Gewalt anwenden müssen: Der Holzpfahl, an dem der Bronze-Jesus befestigt war, sei bereits instabil gewesen.

Für Künstler Karl Ulrich Nuss ist Vandalismus nichts Neues

„Pfahl“ deshalb, weil die Figur nicht an einem Kreuz im klassischen Sinne angebracht ist. Das erklärt der altehrwürdige Strümpfelbacher Künstler Karl Ulrich Nuss am Telefon. Die ausgebreiteten Hände schwebten vielmehr im Freien. Es ist, als setze der Beutelsbacher Jesus zu einer Umarmung an. Aufgestellt wurde das Nuss'sche Kunstwerk in der Verlängerung der Karlstraße im Jahr 2002. Es stand also bis Samstagnacht fast 20 Jahre hier. Karl-Ulrich Nuss hat es den Christen von Beutelsbach einst gestiftet, wie er sich erinnert.

Dass seine Kunstwerke, die im Remstal an vielen verschiedenen öffentlichen Plätzen zu finden sind, immer wieder von Vandalismus betroffen sind – ein ganz ähnlicher Fall ereignete sich vor nicht allzu langer Zeit an der Yburg bei Stetten – daran hat er sich mittlerweile gewöhnt. Es sei doch erfreulich, sagt der 78-Jährige in gutmütigem Ton, dass die Skulptur selbst offenbar nicht beschädigt worden sei. So lasse sich das Wegkreuz recht einfach wiederherstellen.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben Unbekannte bei Beutelsbach eine circa zwei Meter hohe Jesus-Skulptur beschädigt. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Wegkreuz, ein Kunstwerk aus Holz und Bronze des Weinstädter Bildhauers Karl Ulrich Nuss. Mitarbeiter des Bauhofs haben es am Montag in Sicherheit gebracht. Sowohl Katholiken als auch Protestanten ärgern sich. Der Ort hat für sie eine besondere Bedeutung.

Schließlich feiern die Beutelsbacher Christen am „Wegkreuz im Töbele“

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