Weinstadt

Ärger über Verkehr im Weinberg

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CDU-Stadtrat Markus Dobler, selbst im Weinbau tätig, kämpft schon lange dafür, dass jene Eltern, die ihre Kinder zum Waldkindergarten beim Landgut Burg bringen, nicht nach Lust und Laune alle landwirtschaftlichen Wege befahren. © Ralph Steinemann Pressefoto

Weinstadt. „Die fahren mit 60, 70 km/h durch die Wengert“: CDU-Stadtrat Markus Dobler, selbst Weinbauer, ärgert sich schon seit Jahren über die städtische Sondergenehmigung für die Eltern vom Waldkindergarten, die bislang pauschal alle landwirtschaftlichen Wege befahren durften. Nach Doblers Kritik in der jüngsten Gemeinderatssitzung gibt es nun einen Kompromiss.

„Mir stinkt es ganz gewaltig, Herr Spangenberg“: Markus Dobler, CDU-Stadtrat aus Beutelsbach, wurde am Ende der jüngsten Gemeinderatssitzung stinksauer, als er Ulrich Spangenberg, den Leiter des Amts für Familie, Bildung und Soziales, auf den Verkehr durch den Weinstädter Waldkindergarten ansprach. Der Wengerter kämpft im Namen nicht weniger seiner Kollegen schon länger dafür, dass die Eltern ihre seit etwa 18 Jahren geltende pauschale Sondergenehmigung für Fahrten auf landwirtschaftlichen Wegen verlieren. Dobler begründet dies mit der Gefahr: Wenn er mit seinem Schlepper aus dem Wengert herausfährt, ist die Lage eben oft unübersichtlich. Rauscht dann eine Mutter oder ein Vater mit dem Auto vorbei, steigt die Unfallgefahr.

"Die Autofahrer fahren in hohem Tempo vorbei"

Stadtrat Dobler sieht das Recht auf seiner Seite. Landwirtschaftliche Wege dürfen eben nur von Menschen befahren werden, die damit einen landwirtschaftlichen Zweck verfolgen. „Das hat zu gelten“, betonte Dobler in der Sitzung und wurde von seinem Großheppacher Fraktionskollegen Ernst Häcker unterstützt. „Die Autofahrer fahren in hohem Tempo vorbei“, betonte der Obst- und Weinbauer. GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger, nebenberuflich Öko-Wengerter, hatte Ähnliches zu berichten. Er erlebt es laut eigenem Bekunden öfter, dass junge Leute mit dem Auto in die Weinberge fahren und dort insbesondere die Aussichtsplattform auf der Luitenbächer Höhe genießen. Dies ist natürlich nicht erlaubt, bei Kontrollen müssten die Leute Strafen zahlen.

Kritik an Amtsleiter: "Sie haben jetzt genügend Zeit gehabt"

In Sachen Waldkindergarten verhält sich das bislang anders: Die Eltern der dortigen Kinder dürfen seit Jahren jede Strecke nehmen, die sie wollen, dank einer Pauschalerlaubnis. Dobler hat das bei Amtsleiter Ulrich Spangenberg mehrmals angemahnt, bislang wurde er laut eigenem Bekunden stets vertröstet – und das verursachte bei dem Wengerter in der jüngsten Sitzung einen kurzen Wutausbruch. „Sie haben jetzt genügend Zeit gehabt“, schimpfte Dobler.

Ordnungsamt kontrolliert einmal pro Woche

Für seinen Rundumschlag musste der Wengerter allerdings auch selbst Kritik einstecken. GOL-Stadträtin Doris Groß erinnerte daran, dass die Wengerter es ja auch wollten, dass die Menschen durch die Weinberge spazieren – schließlich sei das eine Form von Marketing. Zum anderen hat ihrer Ansicht nach die Stadt schon genug um die Ohren. Eine Ausweitung von Kontrollen in den Weinbergen hält sie für kein geeignetes Mittel. „Es wird genug abkassiert.“ Eine Nachfrage unserer Zeitung bei der Stadtverwaltung ergab übrigens, dass derzeit einmal pro Woche vom Ordnungsamt aus Feldwegkontrollen an unterschiedlichen Stellen stattfinden. Untätigkeit kann der Stadt also nicht vorgeworfen werden. Was die Kritik an den Autofahrern angeht, mahnte Doris Groß die Wengerter auch zur Selbstkritik. Sie hat laut eigenem Bekunden selbst schon unangemessenes Verhalten erlebt. „Es kann nicht sein, dass man sich als Platzhirsch aufführt. Jeder sollte sich da am Riemen reißen.“

Neue Lösung für den Verkehr

Einige Tage nach der Sitzung hat sich Oberbürgermeister Michael Scharmann mit Vertretern des Amts für Familie, Bildung und Soziales sowie des Ordnungsamts zusammengesetzt. Ergebnis: Es gibt jetzt eine neue Lösung für den Verkehr. Die Eltern der derzeit 14 Waldkindergarten-Kinder sollen noch mit dem Auto fahren dürfen, aber nur mehr auf zwei Strecken, einer für die Eltern aus Schnait und Beutelsbach sowie einer für die Eltern aus Endersbach. Aus Strümpfelbach und Großheppach gibt es laut dem Weinstädter Pressesprecher Holger Niederberger derzeit keine Kinder. An Details wird noch gefeilt. Allgemein appellierte Niederberger, gegenseitig Rücksicht zu nehmen und nicht nur auf sein Recht zu pochen. „Man muss aufpassen.“


Kompromiss

Derzeit wird noch an letzten Details der neuen Lösung gefeit. So sollen die Eltern des Waldkindergartens unter der Woche wohl zwischen 7.30 und 8.30 Uhr sowie zwischen 12 und 13 Uhr ihre Kinder abholen dürfen. Vorgesehen sind dafür zwei Routen, wobei die Strecke für die Endersbacher Eltern noch nicht exakt feststeht.