Weinstadt

2G im Restaurant: Wie stehen die Wirte in Weinstadt zur neuen Corona-Verordnung?

Kostbar
Pia Diener und ihr Vater Steffen Diener betreiben die Kostbar in Weinstadt – die 2G-Regel hätte für sie dann einen Reiz, wenn auch das Personal von der Maskenpflicht befreit würde. © Gabriel Habermann

Diesen Freitag ist die neue Corona-Verordnung des Landes in Kraft getreten. Neu ist: In Restaurants muss weder Abstand gehalten noch Maske getragen werden – allerdings nur, wenn sich der Wirt für das 2G-Modell entscheidet. Das bedeutet: geimpft oder genesen. Ungeimpfte Gäste werden dabei kategorisch abgelehnt. Unsere Redaktion hat sich bei Weinstädter Gastronomen umgehört, was sie von dieser Option halten. Die Rückmeldungen sind eindeutig: In Weinstadt bleibt es vorerst bei 3G.

„Aus wirtschaftlicher Sicht“ würde sich 2G für die Kostbar lohnen

Dabei hätte der Ausschluss der Ungeimpften (die ja den Großteil der Covid-Patienten auf Intensivstationen ausmachen) durchaus seinen Reiz für manche Wirte.

Steffen Diener, der mit seiner Tochter Pia Diener das Restaurant Kostbar beim Feinkostladen Gourmet Berner betreibt, hat in den vergangenen Tagen mit 2G geliebäugelt, sich vorerst aber doch dagegen entschieden. Zwar würde die Option „aus wirtschaftlicher Sicht Sinn machen“, weil Dieners wieder mehr Tische aufstellen und enger bestuhlen könnten. Auch müssten die Gäste – etwa beim Gang zur Toilette – keinen Mund-und-Nasen-Schutz mehr tragen. Das wäre verlockend.

Aber, sagt Steffen Diener, er habe auch Skrupel, die wenigen Ungeimpften, die noch ins Restaurant kämen, abzuweisen. Außerdem fürchtet er, dass beispielsweise Weihnachtsfeiern kleinerer Gruppen wieder storniert werden, wenn plötzlich Einzelne doch nicht teilnehmen dürfen.

Keine Erleichterung für das Personal, ob geimpft oder nicht

Ausschlaggebend dafür, dass in der Kostbar weiterhin die 3G-Regel gelten wird, also auch Getestete einen Tisch bekommen, ist aber ein anderer Punkt: Solange es für die Mitarbeiter keine Lockerungen bei den Corona-Regeln gibt, fehlt den Gastronomen der entscheidende Anreiz für 2G. In einer Pressemitteilung des Landes zur neuen Corona-Verordnung heißt: „Für Beschäftigte/Mitarbeitende gilt weiterhin auch bei 2G die Maskenpflicht, da eine Offenlegung des Impfstatus aus Datenschutzgründen nicht zulässig ist.“ Stattdessen ist die Testpflicht für Kellner und Co. verschärft worden.

Pia Diener findet das hart: „Bei uns sind 99 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geimpft.“ Das sei in der Belegschaft nicht explizit abgefragt worden, es würde einfach offen darüber kommuniziert. Gerade im Sommer sei das stundenlange Maske-Tragen „wirklich eine Zumutung“ gewesen. Ganz davon abgesehen, dass es die Kommunikation mit den Gästen erschwere. 2G nur für Gäste? Keine Option in der Kostbar.

2G? „Eher nicht“ – der Kontrollaufwand bliebe unverändert groß

Und auch bei anderen Gastronomen in Weinstadt herrscht große Zurückhaltung. Die Erfahrung, dass die meisten Gäste wie auch Kellnerinnen und Kellner geimpft sind, haben viele von ihnen gemacht. „Alle Service-Mitarbeiter sind vollständig geimpft, circa 80 Prozent unserer Gäste sind geimpft“, berichtet Martina Unrath von der Weinstube Anker in Schnait. Ob 2G für sie infrage kommt? „Eher nicht.“ Der Kontrollaufwand am Einlass bliebe ja unverändert. Dank einer neuen Lüftung und der konsequenten Hygienemaßnahmen dürften sich bei ihnen alle sicher fühlen. Und: „Wir müssen davon ausgehen, dass die durch das Land zertifizierten Selbsttests unter richtiger Anwendung auch richtig funktionieren“, sagt Martina Unrath.

Auch in Baach bleibt es erst mal bei der aktuellen Regelung. Nina Kiesel vom Gasthof Adler teilt auf Anfrage mit: „Wir haben aktuell die 3G-Regel und kommen damit gut klar. Deshalb bleiben wir auch dabei und ziehen die 2G-Regel erst mal nicht in Erwägung. Es kommen eh fast nur Gäste, die geimpft sind.“ Auf circa 95 Prozent beziffert Kiesel diese Impfquote.

Rössle-Wirtin Beate Linsenmaier: „Wir haben treue Gäste, die nicht geimpft sind“

So hoch ist sie wohl nicht überall. Für einige Weinstädter Gastronomen kommt 2G schon allein deshalb nicht infrage, weil sie niemanden vergraulen wollen.

„Wir haben treue Gäste, die nicht geimpft sind, die wir gerne weiterhin bewirten möchten, wenn sie getestet sind“, sagt Beate Linsenmaier vom Rössle in Endersbach. Und auch die Wirtsleute auf dem Landgut Burg über Beutelsbach „halten nichts von der Einführung der 2G-Regel, da eine weitere Regulierung der Bevölkerung nicht notwendig ist“, wie Dorothea Kindt unserer Redaktion mitteilt.

Markus Ritter: "Nicht einfach jemanden vom Leben ausschließen"

Markus Ritter, der Gretle-Wirt in Strümpfelbach, hält die 3G-Regel für eine „sehr gute Lösung“, die sich auch gut etabliert habe. Kaum noch Gäste erschienen ganz ohne Nachweis und müssten abgewiesen werden. Seine Meinung: „Das Modell der 2G-Regelung finde ich persönlich nicht gut, da ich der Meinung bin, dass jeder selbst entscheiden sollte, ob er sich impfen lässt oder nicht und man nicht einfach jemanden vom Leben ausschließen sollte.“

Keine Lust auf noch mehr Stress hat indes seine Kollegin in Strümpfelbach, Linda Brandl vom Lindhälder Stüble. Zwar kämen sogar an stark frequentierten Tagen nur zwei bis vier Gäste mit einem Testnachweis, aber: „2G bedeutet für uns wieder neue Diskussionen vor allem bei größeren Reservierungen … Hier haben wir auch mit 3G schon mehrfach Absagen erhalten.“ Überhaupt ist Brandl genervt von der Debatte: In Discountern und Baumärkten, „wo sich täglich Hunderte von Menschen oftmals auf engstem Raum bewegen, fragt niemand nach 3G“. In der Gastronomie hingegen sei an manchen Tagen eine Person nur damit beschäftigt, am Eingang zu kontrollieren und die Gäste zu platzieren – und das in Zeiten des Personalmangels.

Ob 2G oder 3G – Hauptsache keine Kontaktbeschränkungen mehr

Bei allem Stress, den die Corona-Pandemie noch immer verursacht, sind die Gastronomen in Weinstadt froh, das Schlimmste überstanden zu haben. Und was die immer neuen Verordnungen und Regeln angeht, ist Pia Diener von der Kostbar mittlerweile gelassen: „Wir haben es uns immer schlimmer vorgestellt, als es dann war.“ Ob 2G oder 3G – Hauptsache, die Zeiten der Kontaktbeschränkungen seien vorbei.

Diesen Freitag ist die neue Corona-Verordnung des Landes in Kraft getreten. Neu ist: In Restaurants muss weder Abstand gehalten noch Maske getragen werden – allerdings nur, wenn sich der Wirt für das 2G-Modell entscheidet. Das bedeutet: geimpft oder genesen. Ungeimpfte Gäste werden dabei kategorisch abgelehnt. Unsere Redaktion hat sich bei Weinstädter Gastronomen umgehört, was sie von dieser Option halten. Die Rückmeldungen sind eindeutig: In Weinstadt bleibt es vorerst bei 3G.

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