Weinstadt

3G in Weinstadt-Strümpfelbach: Das Lindhälder Stüble hofft auf den Frühling

Lindhälder Stüble
Linda Brandl ist die Eigentümerin des Lindhälder Stübles in Strümpfelbach. © Gabriel Habermann

Im Gastraum des Lindhälder Stübles ist nur das Surren des Luftreinigers zu hören. Ansonsten ist es an diesem Nachmittag geradezu gespenstisch still.

Kein einziger Gast sitzt an den Tischen – und das, obwohl ganz normal geöffnet ist und seit kurzem sogar „nur noch“ 3G als Zugangsbeschränkung gilt. Für Betreiberin Linda Brandl und ihren Geschäftsführer Marc Germer kommt das nicht überraschend. Ihre einzige Hoffnung: der Außenbereich – und die warme, helle Jahreszeit.

Investitionen haben sich bisher nicht ausgezahlt

Seit Beginn der Pandemie hätten sie wirklich alles getan, um sich den geltenden Regeln anzupassen, sagt Linda Brandl. Der Sprinter, der sonst auf Veranstaltungen unterwegs war, wurde zwischenzeitlich zur Schnellteststation umfunktioniert. Viel Geld hat sie in den Kauf von zwei professionellen Luftreiniger-Geräten gesteckt, damit sich die Gäste auch im Innenraum wohler fühlen sollen. Ob sich das inzwischen rentiert hat? „Überhaupt nicht“, so Brandl bitter.

Die Betreiberin sieht müde aus, wenn sie sich an die vergangenen Monate zurückerinnert. Ursprünglich einmal, vor Beginn der Corona-Pandemie, sei das Lokal mit Biergarten am Ortseingang vom Strümpfelbach eigentlich nur ein zweites Standbein für den Betrieb gewesen.

Das Hauptgeschäft waren die Feste

Die Haupteinnahmen seien damals durch die Reise-Gastronomie hereingekommen: Linda Brandl war jedes Jahr auf großen Festen wie dem Stuttgarter Weindorf, dem Frühlingsfest oder auch dem leuchtenden Weinberg anzutreffen. „Das sind alles die Dinge, die wir sonst hauptsächlich machen“, so die Gastronomin.

Mit Beginn der Pandemie und dem ersten Lockdown brechen hier die Einnahmen auf einen Schlag ein, alle Feste werden abgesagt. „Die letzten guten Einnahmen hatten wir 2019“, sagt Linda Brandl. Auch dieses Jahr wird nicht so sein wie früher.

Das Personal wandert ab - für immer verloren?

Um die Krise zu überstehen, haben sie und Marc Germer ihre ganze Energie ins Restaurant gesteckt. Besonders im Außenbereich haben die beiden viel verändert in den vergangenen zwei Jahren. Auf der Terrasse zum Beispiel kann man jetzt auch bei etwas schlechterem Wetter draußen sitzen, dank riesiger Schirme. Trotzdem sei man immer wieder an seine Grenzen gestoßen – gerade auch personell.

Von ursprünglich 15 Saisonkräften seien ihnen inzwischen im Veranstaltungsbereich noch zwei geblieben, berichtet Marc Germer. Auch in der großen Gaststätte ist der Mitarbeiterstab auf acht Mitarbeiter inklusive Aushilfskräfte geschrumpft. Die ehemaligen Angestellten seien jetzt zum größten Teil in anderen Branchen tätig und dort glücklich und zufrieden. „Die kommen nicht wieder“, glaubt der Geschäftsführer.

Mit Aktionen die Gäste zurücklocken

Den Januar über hatte das Lindhälder Stüble nun ganz geschlossen – mit 2G plus und 2G sei es einfach so schlecht gelaufen, dass sich das Aufmachen nicht mehr gelohnt habe, sagt Linda Brandl. Seit Februar ist das Restaurant wieder geöffnet.

Mit Aktionen wie einem dekorativen „Winterzauber“ im Außenbereich und einem Musikabend am kommenden Freitag, 4. März, möchten die Betreiber die Gäste wieder zurück ins Restaurant locken – 3G wird dabei hoffentlich helfen, reichen wird diese Änderung aber nicht, ist Linda Brandl überzeugt.

Alle sitzen draußen, fast keiner sitzt drinnen

Und auch ihr Geschäftsführer meint: „Die Leute scheuen sich nach wie vor, im Innenraum zu sitzen.“ Außerdem seien alle von den ständig wechselnden Regeln verwirrt. Deshalb setzen sie im Lindhälder Stüble jetzt mehr denn je auf den Außenbereich und darauf, dass das Wetter jetzt im Frühjahr bald besser und beständiger wird.

Denn sobald es am Wochenende einmal sonnig ist, so wie es jetzt auch die vergangenen zwei Wochen der Fall gewesen ist, seien die Tische draußen bis auf den letzten Platz besetzt. „Jeder Sonnenstrahl wird ausgenutzt“, berichtet die Wirtin. Auch wenn es noch so frisch ist. Gleichzeitig trauen sich vielleicht sechs Gäste in den geräumigen Innenraum – wenn es gut laufe, so Germer.

Angst vor dem Herbst

Die beiden hoffen, dass das Geschäft jetzt mit 3G und gutem Wetter endlich wieder anzieht – und dass nicht im kommenden Herbst von der Politik der nächste Riegel vorgeschoben wird.

Linda Brandl und Marc Germer wünschen sich außerdem, dass die Kommunen wieder mehr Mut fassen und Feste auch unter Corona-Auflagen wieder tatsächlich stattfinden lassen. Ihr letzter Appell geht aber tatsächlich an die breite Bevölkerung: „Jetzt sollte es passieren, dass alle, die der Meinung sind, sie brauchen es nicht, solidarisch sind und sich impfen lassen“, sagt Marc Germer.

Im Gastraum des Lindhälder Stübles ist nur das Surren des Luftreinigers zu hören. Ansonsten ist es an diesem Nachmittag geradezu gespenstisch still.

Kein einziger Gast sitzt an den Tischen – und das, obwohl ganz normal geöffnet ist und seit kurzem sogar „nur noch“ 3G als Zugangsbeschränkung gilt. Für Betreiberin Linda Brandl und ihren Geschäftsführer Marc Germer kommt das nicht überraschend. Ihre einzige Hoffnung: der Außenbereich – und die warme, helle

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