Weinstadt

50 Jahre bei Stihl, 41 Jahre verheiratet: Ein Weinstädter erklärt, wieso Beständigkeit ihn glücklich macht

Dieter Weißhaar
Dieter Weißhaar (67) aus Endersbach feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Jubiläum als Angestellter bei Stihl. © Benjamin Büttner

Dieter Weißhaar arbeitet seit 50 Jahren bei Stihl, ist seit 41 Jahren verheiratet und lebt schon immer in Endersbach. Beständigkeit bestimmt sein Leben - und macht es doch gleichzeitig auch spannend, findet der 67-Jährige. 48 Jahre lang hat er mit seinem Team jeden Monat die Lohnabrechnung für um die 600 Mitarbeiter gemacht: „Es hat sich nie jemand beschwert und das Geld war immer pünktlich auf den Konten“, erzählt er stolz. Eine Aufgabe, die, wie er sehr überzeugend erklärt, alles andere als gleichförmig ist. Bei den Verfahren verändere sich ständig unendlich viel. Kurz vor seinem Ruhestand feiert der Weinstädter jetzt sein 50-jähriges Jubiläum bei der Firma Stihl. Uns hat er erzählt, wieso Beständigkeit ihm so viel gegeben hat in seinem Leben.

Durch Zufall zu Stihl gefunden

Zum Waiblinger Motorsägen-Hersteller kam der heute 67-Jährige damals eigentlich nur durch Zufall: „Den Sechser im Lotto“, nennt er diese Entscheidung heute gerne. Zwar war es kein Lottoschein, der ihn damals nach Neustadt führte, aber tatsächlich ein kleines Stück Papier: das Dokument vom Arbeitsamt, das der damals 17-jährige Endersbacher nach der Berufsberatung in die Hand gedrückt bekommen hatte.

Darauf standen drei mögliche Arbeitgeber: Die Endersbacher Nudelfabrik Birkel, eine Krankenkasse und die Firma Stihl. „Von Stihl hatte ich damals noch nie etwas gehört“, gibt der heute 67-Jährige zu und lacht. Seine Eltern hätten es gerne gesehen, wenn er im Ort beim Birkel angefangen hätte. „Ich habe mich aber für Stihl entschieden. Warum, kann ich gar nicht sagen.“ Aber bereut hat er es bis heute nicht.

Im Werk laufen alle seine Schicksalsfäden zusammen

Tatsächlich scheinen die Fäden seines Schicksals alle in den Stihl-Werken zusammenzulaufen: Auch seine Frau hat er auf der Arbeit kennengelernt – obwohl sie eigentlich Lehrerin ist. Auch hier habe er wahnsinnig Glück gehabt, so eine Frau zu finden, sagt Dieter Weißhaar.

In seiner Heimatstadt bleiben zu können, war dann nur noch das Tüpfelchen auf dem I: „Als ich mich entschieden habe, ein Haus zu bauen, habe ich mir natürlich überlegt, wie das am besten für die Familie passt.“ Daheim in Endersbach zu bauen, sei einfach die beste Lösung gewesen: „Die Infrastruktur ist einfach gut: Schulen, Einkaufsläden – alles vor Ort“, lobt der 67-Jährige seine Gemeinde.

Doch es gibt noch viel persönlichere Gründe für seine tiefe Verwurzelung in Weinstadt: „Ich bin ein Familienmensch und ein Mensch, der den Freundeskreis braucht.“ Auf der Arbeit sei es oft anstrengend gewesen, bei Familie und Freunden habe er immer „auftanken“ können. „Beständigkeit gibt mir Sicherheit“, sagt Dieter Weißhaar. „Ich brauche nicht dauernd etwas Neues, wenn das, was ich habe, für mich passt.“

Ein weiterer roter Faden in seinem Leben ist der Sport. Damit will er auch im Ruhestand weitermachen – zum Beispiel bei den jährlichen Radtouren mit seiner inklusiven Radler-Mannschaft. „Das war immer ein wichtiger Ausgleich für mich“, erzählt Dieter Weißhaar. Oft habe er sich gleich nach der Arbeit im Auto umgezogen, dann eine Stunde oder so auf den Trimm-dich-Pfad oder Joggen gegangen.

Eine große Leidenschaft: Der Fußball in Endersbach

Auch dem Weinstädter, ursprünglich Endersbacher, Sportverein ist er von früher Jugend an verbunden: Als 16-Jähriger habe er beim VFL Endersbach angefangen, die Jugendmannschaft betreut. „Das bringt viel für die Persönlichkeit, das kann ich jedem jungen Menschen empfehlen“, sagt der 67-Jährige. Für diesen Verein hat er dann auch eine Weiterbildung zum Schiedsrichter gemacht – und daraufhin 20 Jahre lang Spiele gepfiffen. „Irgendwann ging das leider nicht mehr, da muss man halt auch Prioritäten setzen.“

Als sein drittes Kind geboren worden sei, sei erstmal Schluss mit den sonntäglichen Fußballspielen gewesen. Seine drei Kinder sind inzwischen alle erwachsen. Alle drei haben wenigstens zeitweise bei Stihl reingeschnuppert, sein jüngerer Sohn arbeitet jetzt noch dort.

Er will mehr Zeit mit der Enkelin verbringen

Inzwischen ist Dieter Weißhaar sogar Großvater geworden: „Ich habe ein sehr süßes, knapp zweijähriges Enkelkind.“ Mit dem kleinen Mädchen will er jetzt, wenn er in Rente geht, möglichst viel Zeit verbringen.

Doch Dieter Weißhaar hört nicht von jetzt auf morgen auf, das wäre ihm nach 50 Jahren engagierter Tätigkeit beim Motorsägen-Hersteller dann doch zu extrem. Deshalb schleicht er derzeit quasi raus: Bis zum Jahresende arbeit er noch drei Tage die Woche, dann soll Schluss sein.

Davor, dass der tägliche Kontakt zu den Kollegen nach so langer Zeit plötzlich abbricht, habe er ein bisschen Angst gehabt. Durch Corona hat sich dieses Thema aber sowieso erledigt: „Ich habe ja jetzt schon kaum mehr Kontakt – da fällt mir dann wenigstens das ein bisschen leichter.“

Dieter Weißhaar arbeitet seit 50 Jahren bei Stihl, ist seit 41 Jahren verheiratet und lebt schon immer in Endersbach. Beständigkeit bestimmt sein Leben - und macht es doch gleichzeitig auch spannend, findet der 67-Jährige. 48 Jahre lang hat er mit seinem Team jeden Monat die Lohnabrechnung für um die 600 Mitarbeiter gemacht: „Es hat sich nie jemand beschwert und das Geld war immer pünktlich auf den Konten“, erzählt er stolz. Eine Aufgabe, die, wie er sehr überzeugend erklärt, alles andere

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