Weinstadt

Abschied in der Stiftskirche Beutelsbach: Der Mesner freut sich auf freie Sonntage

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Hans Schwaderer fühlt sich der Stiftskirche räumlich und innerlich nah. © Gabriel Habermann

Hans Schwaderer wohnt schon sein ganzes Leben nur ein paar Meter von der Stiftskirche entfernt, er ist sogar in der Stiftstraße geboren. Aus dieser räumlichen Nähe wurde schon bald eine innere Nähe. „Ich war immer mitten im Geschehen der Gemeinde“, sagt der Beutelsbacher. Er besuchte nicht nur von klein auf die Gottesdienste, sondern engagierte sich als Leiter der Jungschar, spielte im Posaunenchor und bildete Jungmusiker aus. Vor elf Jahren reduzierte er seine Arbeitszeit in der Leitstelle des Rettungsdiensts des Roten Kreuzes in Stuttgart, um auch hauptamtlich in seiner Gemeinde aktiv zu sein. Elf Jahre lang war er Mesner der Stiftskirche, zum Jahresende geht er in den Ruhestand.

Seit Beginn der Corona-Pandemie muss er die Bänke desinfizieren

Am meisten freue er sich auf freie Sonntage, gesteht der 63-Jährige. Sowohl in seinem Beruf beim Rettungsdienst als auch als Mesner gehörte Arbeit an den Wochenenden zu seinem Berufsleben, nur jeden sechsten Sonntag hatte er als Mesner frei. An allen anderen Sonntagen des Jahres – und natürlich vor Gottesdiensten an Feiertagen, Hochzeiten oder Taufen – war er mindestens eine Stunde vor Gottesdienstbeginn da, um die letzten Vorbereitungen zu treffen, Musiker in die Kirche zu lassen und die Heizung zu überprüfen.

Auch nach dem Gottesdienst kann ein Mesner nicht einfach nach Hause gehen. Unter anderem gehört es zu seinen Aufgaben, die Gefäße zu spülen, die fürs Abendmahl benötigt werden. Seit Beginn der Corona-Pandemie gibt es eine zusätzliche Aufgabe. Die Bänke müssen desinfiziert werden, und zwar gleich zweimal: „Gab es vor Corona nur einen Gottesdienst um 10 Uhr, gibt es jetzt zwei, einer beginnt um 9.30 und einer um 11 Uhr“, berichtet Hans Schwaderer.

Wegen Corona kommen weniger Menschen in die Kirche

Trotz dieses Angebots kämen deutlich weniger Menschen in die Gottesdienste als vor der Krise: „Wir hatten vor Beginn der Pandemie etwa 200 Besucher im Gottesdienst am Sonntag. Jetzt kommen in beiden Gottesdiensten zusammen nur noch etwa 100 Menschen.“ Vor allem ältere Menschen hätten Bedenken und griffen auf Fernsehgottesdienste oder den Livestream auf Youtube zurück, der vom 9.30-Uhr-Gottesdienst in der Stiftskirche gesendet wird. „Es war ein schwieriges letztes Jahr“, sagt Schwaderer.

Das liege übrigens nicht nur an der Corona-Pandemie: Bereits Anfang Dezember 2019 mussten die Gottesdienste wegen der Sanierung der Kirche zunächst ins evangelische Gemeindehaus verlegt werden. Noch bis zum Frühjahr wird an dem rund 500 Jahre alten Kirchengebäude gearbeitet. Während des ersten Lockdowns durften gar keine Gottesdienste gefeiert werden, danach wurden Gottesdienste im Freien auf der Bachwiese veranstaltet und Aufzeichnungen aus dem Gemeindehaus auf Youtube gezeigt.

Seit Oktober können die Gottesdienste zwar wieder in der Stiftskirche stattfinden, doch sie seien durch all die Veränderungen der vergangenen Monate zerrissen, beobachtet Schwaderer. „Es wird lange dauern, den Besucherstamm wieder aufzubauen“, befürchtet er. Manch einer könnte Gefallen daran gefunden haben, nicht mehr aus dem Haus zu gehen und stattdessen digital einen Gottesdienst zu verfolgen.

Künftig als Besucher in den Gottesdienst

Für ihn ist das keine Option: Auch wenn er künftig nicht mehr für den Altarschmuck, die Kerzen und das Wischen des Bodens verantwortlich ist, möchte Hans Schwaderer künftig sonntags als Besucher in seine Kirche kommen, dem Gottesdienst folgen und seinen liebsten Blick genießen: „Ich mag an der Stiftskirche besonders gern die Dialektik zwischen dem Ohnmächtigen am Kreuz hinter dem Altar und dem Allmächtigen über der Kanzel“, sagt Hans Schwaderer.

Dann wird er sicher auch manchmal an die vielen unvergesslichen Momente seiner Zeit als Mesner zurückdenken: „Besonders gern mochte ich es immer, wenn anlässlich der Konfirmation viele junge Menschen in der Kirche waren“, sagt der Beutelsbacher. Aber auch die Dankbarkeit der Menschen für seine Arbeit als Mesner und die Begegnung mit den Gottesdienstbesuchern in dieser Rolle werden ihm fehlen, sagt Hans Schwaderer. Er wird sich übrigens nach wie vor in der Gemeinde engagieren und bleibt im Kirchengemeinderat. Susanne Schaal, die bisherige Vertreterin von Hans Schwaderer, wird die neue Mesnerin der Stiftskirche.

Hans Schwaderer wohnt schon sein ganzes Leben nur ein paar Meter von der Stiftskirche entfernt, er ist sogar in der Stiftstraße geboren. Aus dieser räumlichen Nähe wurde schon bald eine innere Nähe. „Ich war immer mitten im Geschehen der Gemeinde“, sagt der Beutelsbacher. Er besuchte nicht nur von klein auf die Gottesdienste, sondern engagierte sich als Leiter der Jungschar, spielte im Posaunenchor und bildete Jungmusiker aus. Vor elf Jahren reduzierte er seine Arbeitszeit in der Leitstelle

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