Weinstadt

Albrecht Rühle und David Klopp erschaffen gemeinsam das Kunstprojekt "Wings"

Lebendiges Kunstprojekt in Weinstadt. Kunst-Aktion von Albrecht Albe Rühle und David Klopp In der Werkstatt bzw. Schmiede wird fleißig an den Wings also Flügeln gearbeitet.  Foto: Buettner
David Klopp (links) und Albrecht Rühle. © Benjamin Büttner

Einen erfreulichen Licht- und Kontrapunkt in der Depression der Corona-Pandemie und deren Folgen zu setzen, dies ist die Konzeption des Kunstprojektes „Wings“ des Weinstädter Metallgestalters Albrecht Rühle und des Winterbacher Land-Art-Künstlers David Klopp.

Seit Sonntagvormittag drehen sich neun Flügelpaare auf einer Wiese beim Naturfreundehaus im Breitgarten zwischen Strümpfelbach und Aichwald dem Wind entgegen. Sie heben sich in der Frühlingslandschaft hervor vor der Tiefe des Raums und laden dazu ein, in diesen Zeiten der zugesperrten Kultur- und Gemeinschaftseinrichtungen sowie der eingeschränkten Bewegungsfreiheit wenigstens mit der Kraft der Fantasie die Erdgebundenheit zu überwinden, sich auf der Suche nach der ultimativen Freiheit in die Lüfte zu erheben und sich daran zu erinnern, dass sich die Natur ständig im Wandel befindet, sich die Dinge auch wieder zum Besseren ändern können.

Welcher Standort wäre dazu wohl besser geeignet als der Abstieg vom Schurwald zu dem von Weinbergen und Wiesen umschmeichelten Strümpfelbach, wo sich das Panorama über das Remstal hinweg bis zu den Löwensteiner Bergen weitet und im Auge des Betrachters Himmel und Erde zu einer Einheit verschmelzen.

Land-Art-Künstler arbeitet eigentlich mit Weidenruten und Haselnussästen

Es handelt sich bei diesem Projekt nicht um die erste gemeinsame Arbeit der beiden Künstler, erzählten sie bei einem Gespräch in Rühles Werkstatt im Endersbacher Wiesengarten, und wenn es nach ihnen geht, wohl auch nicht die letzte.

Kennen- und schätzen gelernt haben sie sich im Rahmen von Klopps „Leuchtturmprojekt“, das er im Oktober des vergangenen Jahres anlässlich der Aktionswochen Seenotrettung und Flucht erstmals auf dem Schorndorfer Marktplatz installierte. Das für ihn und seine Land-Art gewohnte Material seien ja eigentlich Weidenruten und Haselnussäste, erzählte Klopp. Daraus bestehe auch der Prototyp seiner Flügelpaare, der sich noch auf der Wiese vor Rühles Werkstatt drehe. Was er bei Rühle gelernt habe, sei, dass es sich bei Stahl um ein faszinierendes, lebendiges Material handle, das sich unter dem Einfluss von Feuer und Druck formen und gestalten lasse.

Bei der Herstellung der Kunst: Viel Schweiß und Schmerzen

Mit Schweiß und Schmerzen sei dieser archaische Gestaltungsprozess verbunden, ergänzte Rühle und zeigte seine mit einer dicken Hornhaut und Brandblasen bedeckten Handflächen vor. Der Stahl hinterlasse Druckspuren beim Festhalten, Funken flögen und immer wieder komme es auch vor, dass er instinktiv nach dem Werkstück greife, ohne daran zu denken, dass es mehrere Hundert Grad heiß sei und glühe.

Die Flügelpaare bestünden aus Stahlruten, für die er Armierungseisen verwendete, die er aus einem Abbruchhaus gerettet habe. Die Armierungseisen wurden im glühenden Zustand mit dem druckluftbetriebenen Maschinenhammer auf die gewünschte Länge getrieben und dadurch zugleich auch die kristalline Struktur verdichtet.

An die, als letzter Arbeitsgang im Feuer gehärteten Flügel wurden dicht an dicht naturgelbe und rot gefärbte Bastfasern geknüpft, die sich im Wind bewegen, in der Sonne leuchten und verträumt mit dem einfallenden Licht spielen. Von dem Kontrast zwischen dem filigranen, vergänglichen Bast und dem massiven Stahl, die auf diese Art und Weise miteinander verbunden seien, so Klopp, gehe wiederum eine eigene Faszination aus. Die Doppelflügel sind auf rund drei Meter hohen Metallruten beweglich gelagert, die in der Erde fest verankert sind.

Bei dem Standort der „Wings“, so Klopp begeistert, handle es sich um einen geradezu magischen Ort. Er lade dazu ein, die Umgebung zu erkunden, Wanderungen zu unternehmen und Kultur mitten in der Landschaft zu erleben. Besonders gefreut habe sie, dass sie Professor Karl Ulrich Nuss, dessen Skulpturenpfad sich ja im direkten Einzugsgebiet befinde, für dieses Projekt begeistern konnten. Sie seien ebenso der Stadt Weinstadt, dem Wiesenpächter Michael Ritter, dem Ehrenpräsidenten der Naturfreunde Wolf-Dieter Förster und dem Naturfreundelokalpächter Holger Bohrer dankbar dafür, dass sie dieses Projekt mit deren Unterstützung ermöglichten.

Kunst soll weiterwandern

Bestandteil des Projektes sei es, erläuterte Klopp, dass sich die „Wings“, die noch bis zum 23. Mai in Strümpfelbach rasten, wie ein Schwarm von Wandervögeln vom Erdboden erheben und weiterziehen. Und natürlich sei deren Zahl nicht zwingend auf neun begrenzt. Gern dürften es auch mehr werden, sie könnten sich auch an anderen landschaftlich reizvollen Standorten im Remstal niederlassen und dort installiert werden. Dafür hoffe man auf Interesse und Unterstützung durch die Gemeinden und möglicher Förderer.

An die Betrachter der „Wings“ wandte sich Klopp mit einem Satz Peter von Krusensterns: „Kunst entsteht im Kopf des Betrachters. Der Künstler liefert dafür nur die Voraussetzung“, so die Einladung.

Einen erfreulichen Licht- und Kontrapunkt in der Depression der Corona-Pandemie und deren Folgen zu setzen, dies ist die Konzeption des Kunstprojektes „Wings“ des Weinstädter Metallgestalters Albrecht Rühle und des Winterbacher Land-Art-Künstlers David Klopp.

Seit Sonntagvormittag drehen sich neun Flügelpaare auf einer Wiese beim Naturfreundehaus im Breitgarten zwischen Strümpfelbach und Aichwald dem Wind entgegen. Sie heben sich in der Frühlingslandschaft hervor vor der Tiefe des

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