Weinstadt

Am Ende des Lebens Liebe geben

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Einrichtungs- und Pflegedienstleiterin Sibylle Gräther-Fode (rechts) gratuliert Altenpflegerin Rosanna Splendido für ihr Engagement. © ZVW/Alexandra Palmizi

Weinstadt-Beutelsbach.
„Wir werden ja nicht reich, aber wir werden innerlich bereichert“: Für Rosanna Splendido ist die Altenpflege ein Beruf, der Hingabe erfordert. Die gebürtige Italienerin arbeitet gern im Beutelsbacher Luitgardheim, in dem sie seit 1989 tätig ist. Unserer Zeitung erzählt sie, wie sie als Alleinerziehende ihre beiden Jungs zur Arbeit mitbrachte – und im Heim lernen musste, mit dem Tod der Bewohner zurechtzukommen.

Am Anfang war das für Rosanna Splendido hart. Geweint hat sie, das Sterben der Menschen ging ihr sehr nah. Mittlerweile kann sie damit besser klarkommen. „Irgendwann müssen wir alle gehen“, sagt die 61-Jährige. Dabei hilft es, dass sich die Mitarbeiter im Luitgardheim über das Thema austauschen. Im November gibt es immer einen Gedenkgottesdienst für alle im Jahr Verstorbenen, zu dem auch die Angehörigen eingeladen sind. „Wir begleiten den Menschen mit menschlicher Wärme, oft bis an das Ende seiner Existenz auf der Erde.“

„Ich hatte keine Sprachkenntnis“

Rosanna Splendido hat nicht immer als Altenpflegerin gearbeitet. Geboren ist sie im Süden von Italien, in der Region Kalabrien. Aufgewachsen ist sie dann in Ligurien, an der Grenze zu Südfrankreich – und bereits mit 15 Jahren fuhr sie regelmäßig nach Monaco, um dort in der Fabrik zu arbeiten. Mit 18,5 Jahren wanderte sie nach Deutschland aus – und zwar ganz allein, mit nur einem Koffer. Ihr erster Arbeitgeber war der Nudelhersteller Birkel. „Ich hatte keine Sprachkenntnis“, erinnert sich Rosanna Splendido. Dazu kam, dass es schwer war, den schwäbischen Dialekt zu verstehen. Als die gebürtige Italienerin 1989 zum Beutelsbacher Luitgardheim wechselte, war das nach Jahren in der Industrie ein kompletter Neuanfang – und das als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern.

Rosanna Splendido brauchte damals dringend eine Vollzeitstelle. Sie fand sie zunächst in der Küche des Luitgardheims, einem kleinen Pflegestift, das damals noch der Stadt Weinstadt gehörte. Ihre beiden Söhne Elvis und Ivan konnte die Mutter bei Bedarf sogar zur Arbeit mitnehmen. Für die Bewohner, erinnert sich Rosanna Splendido, sei es stets eine Freude gewesen, auch mal auf die Kinder aufzupassen. „Ein Sohn hat mal gesagt: Ich habe viele Omas.“ Unterstützung habe sie zudem von ihrer Schwester bekommen, die ebenfalls in Weinstadt wohnte. „Da habe ich keinen Babysitter gebraucht.“

Mehr Respekt für die Arbeit in der Pflege

Rosanna Splendido erinnert sich noch, wie ihre inzwischen beide verheirateten Söhne für die Senioren musiziert haben. Elvis spielte Gitarre, Ivan Flöte. Die Bewohner wiederum lasen ihren Kindern vor. Es waren keinen leichten Jahre, da Rosanna Splendido alleine mit zwei Jungs und wenig Geld klarkommen musste. Und dennoch, erzählt sie, hätten ihre Kinder gerade an das Luitgardheim eine gute Erinnerung. „Sie sagen mir: Es war die schönste Zeit hier.“

Als 1996 die Dienste für Menschen gGmbH das Heim von der Stadt Weinstadt übernahm, wechselte Rosanna Splendido von der Küche in die Altenpflege. Bis heute ist sie hier tätig – und hat es nicht bereut. „Ich habe so viele liebe Kollegen – wir sind eine Familie.“ Gleiches gilt laut der 61-Jährigen für das Verhältnis zu den Bewohnern, was auch dadurch möglich ist, dass das Heim mit 53 Pflegeplätzen relativ klein ist. Wer Rosanna Splendido fragt, was den Pflegekräften allgemein helfen würde, dann gibt es für sie nur eine Antwort: mehr Personal. Wer mehr Leute hat, kann den Bewohnern mehr Zeit schenken. Gut findet Rosanna Splendido den Altenpfleger Sandro Plett, dem sie auf Facebook folgt – und der dort unter seinem Künstlernamen Sandro Pé mehr Respekt für seine Kollegen einfordert. Letztendlich ist es freilich die Politik, die entscheiden kann, wie sich die Bedingungen für alle in der Pflege verbessern.

"Es geht schon in die Knochen"

Rosanna Splendido will nichts schönreden. Sie weiß selbst, wie viel Kraft die Pflege verlangt. Erst vor einem Jahr hatte sie selbst eine Schulter-Operation. „Es geht schon in die Knochen.“ Rosanna Splendido hat aber auch viel von den Bewohnern zurückbekommen. Sie besitzt heute noch viele Briefe, in denen sich Menschen bei ihr persönlich bedankt haben. Die 61-Jährige hat in ihrem Beruf viel Trost gespendet, zugehört, anderen ein Lächeln geschenkt. „Oft sind wir die Ansprechpersonen für diejenigen, die sich auch von den Angehörigen verlassen fühlen.“

Für ihre eigene Zukunft wünscht sich Rosanna Splendido mehr Zeit für Familie und Freunde – und im Ruhestand auch mal die Möglichkeit, für drei Monate Urlaub in Italien zu machen. Ihr privates Glück hat Rosanna Splendido ebenfalls im Luitgardheim gefunden. Es war im Jahr 2007, als die alleinerziehende Mutter dort ihren Dr. Haag traf. „Er ist meine große Liebe.“

Weinstadt-Beutelsbach.
„Wir werden ja nicht reich, aber wir werden innerlich bereichert“: Für Rosanna Splendido ist die Altenpflege ein Beruf, der Hingabe erfordert. Die gebürtige Italienerin arbeitet gern im Beutelsbacher Luitgardheim, in dem sie seit 1989 tätig ist. Unserer Zeitung erzählt sie, wie sie als Alleinerziehende ihre beiden Jungs zur Arbeit mitbrachte – und im Heim lernen musste, mit dem Tod der Bewohner zurechtzukommen.

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