Weinstadt

Amtsgericht Waiblingen: Vorbestrafte Mutter nach Diebstählen verurteilt

Ladendiebin
Die Angeklagte wurde mit gestohlener Kleidung erwischt (Symbolfoto). © Gabriel Habermann

Zwölf größtenteils einschlägige Vorstrafen innerhalb von zehn Jahren, weitere Straftaten innerhalb der Bewährungszeit, Missachtung der richterlichen Auflagen - die Redegewandtheit und Überzeugungskraft des Verteidigers waren gefragt, um seiner Mandantin einen längeren Gefängnisaufenthalt zu ersparen. Die 34-jährige Mutter von zwei acht- und fünfjährigen Buben musste sich im Waiblinger Amtsgericht wegen der Anklage des mehrfachen gewerbsmäßigen Diebstahls und eines versuchten Computerbetrugs verantworten.

Ins Rollen gebracht hatte das Verfahren der Detektiv eines Fellbacher Supermarktes, dem die Frau aufgefallen war, als sie vor einem Regal stand und hastig Kleider und Bettwäsche im Wert von knapp über 100 Euro in einer Tasche verstaute.

Detektiv entdeckt Angeklagte auf weiteren Videoaufzeichnungen

Nachdem sie mit den Waren den Kassenbereich verlassen hatte, sprach er sie an, komplementierte sie ins Büro und alarmierte die Polizei. In einer zweiten Tasche, die die Frau ebenfalls bei sich hatte, befand sich zusätzlich Kleidung im Wert von circa 150 Euro. Diese Kleidung, so erklärte die Frau zunächst, gehöre einer Freundin von ihr. Diese habe sie regulär gekauft und ihr zum Aufbewahren übergeben. Mit dieser Erklärung nicht zufrieden, überprüfte der Detektiv die Videoaufzeichnungen einer weiteren Filiale des Supermarktes und entdeckte dort die Frau, wie sie gerade einmal eine Stunde, bevor er sie ertappt hatte, die angeblich von einer Freundin erworbenen Waren einpackte.

Als er weiter recherchierte, entdeckte er sie ein drittes Mal, wie sie sechs Wochen davor Lebensmittel im Wert von 25 Euro einsackte. In einem Aufwasch mit verhandelt wurde der Versuch der Frau, in einem Weinstädter Supermarkt mit einer Kreditkarte einzukaufen, die sie aus einer Geldbörse nahm, die sie davor in einem anderen Kaufladen gefunden haben will. Der Versuch scheiterte schlicht daran, dass sie nicht die notwendige PIN eingeben konnte. Während die Angeklagte die Diebstähle und den versuchten Kreditkartenmissbrauch zugab, bestritt sie, dass sie aus dem gefundenen Geldbeutel 50 Euro herausgenommen habe. Der Geldbeutel sei vollkommen leer gewesen, als sie ihn fand, versicherte sie.

Angeklagte fühlt den Drang, Dinge mitzunehmen, ohne zu bezahlen

Auf die Frage von Richterin Basoglu-Waselzada, warum sie die Taten begangen habe, blieb die Angeklagte eine schlüssige Antwort schuldig. Es sei nicht aus wirtschaftlicher Not heraus geschehen, räumte sie ein. „Ich dachte mir halt, okay, dann spar' ich mir das Geld und muss es nicht aus meiner Tasche zahlen.“ Sie verspüre einfach den Drang, etwas mitzunehmen. „Hauptsache, ich habe die Sachen, auch wenn ich sie nicht unbedingt brauche.“ Mit dieser Erklärung gab sich die Richterin zunächst nicht zufrieden. Um der Angeklagten einen Gefängnisaufenthalt zu ersparen und die unvermeidliche Freiheitsstrafe zur Bewährung auszusetzen, müsse diese „mehr liefern“.

„Wie soll ich Ihnen vertrauen, dass Sie keine weiteren Straftaten mehr begehen?“, so Basoglu-Waselzada und verwies darauf, dass die Angeklagte erst am 7. April 2021 zu drei Monaten Freiheitsentzug verurteilt worden war, weil sie am 7. Januar in einem Waiblinger Supermarkt Waren im Wert von 125 Euro gestohlen hatte. Damals wurde die Strafe auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, mit der Auflage, dass die Angeklagte 40 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten habe. Dieser Verpflichtung sei sie bis heute nicht nachgekommen, das Angebot, die Arbeitsstunden in eine Geldauflage umzuwandeln, habe sie abgelehnt. „Das Gericht ist bemüht, Ihnen einen Ausweg aufzuzeigen“, so die Richterin. Dafür benötige es allerdings eine günstige Sozialprognose, gegen die alles spreche.

Verteidiger attestiert "Störung ihrer Impulskontrolle"

Überzeugen ließ sich Basoglu-Waselzada dann aber doch noch durch das engagiert und geradezu mit Herzblut vorgetragene Plädoyer des Verteidigers, Rechtsanwalt Philipp Wendel. Seiner Ansicht nach habe die Angeklagte nach schwierigen Ehe- und Trennungsjahren ihr Leben auch heute noch nicht im Griff. Er gehe davon aus, dass sie sich trotz geregelter Arbeit ihrer Lebenswirklichkeit verweigere und an einer „Störung ihrer Impulskontrolle“ leide. Dies komme allein schon dadurch zum Ausdruck, dass sie „Sachen klaue“, obwohl sie ausreichend Geld mit sich führe.

Sie selbst habe ihr Problem mittlerweile erkannt und eingesehen, dass sie Hilfe benötige. Sie bemühe sich um eine Therapie und gehe nicht mehr allein einkaufen, sondern erledige ihre Wocheneinkäufe nur noch in Begleitung. Wendel schlug vor, die tat- und schuldangemessene Freiheitsstrafe noch einmal zur Bewährung auszusetzen und seine Mandantin der Aufsicht und Hilfe eines Bewährungshelfers zu unterstellen, der sich ihr intensiv widme und dafür sorge, dass sie ihre Probleme in Zukunft „nicht ausblendet und wegschiebt“.

34-Jährige wird Aufsicht eines Bewährungshelfers unterstellt

In der Hoffnung, dass man sich an diesem Tag zum letzten Mal im Gerichtssaal sehe, so die Richterin, verurteilte sie die Angeklagte wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in drei Fällen und versuchten Computerbetrugs zu einer zehnmonatigen Gesamtfreiheitsstrafe. Die Strafe wird auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, unter den Auflagen, dass die Angeklagte innerhalb von sechs Monaten die noch offenen vierzig Stunden gemeinnützige Arbeit aus der vorherigen Verurteilung sowie zusätzlich dreißig Stunden ableistet.

Sie wird der Aufsicht eines Bewährungshelfers unterstellt, nach dessen Weisung sie sich einer psychologischen Beratung und gegebenenfalls Behandlung zu unterziehen hat. Als Verurteilte trägt sie außerdem die Kosten des Verfahrens.

Zwölf größtenteils einschlägige Vorstrafen innerhalb von zehn Jahren, weitere Straftaten innerhalb der Bewährungszeit, Missachtung der richterlichen Auflagen - die Redegewandtheit und Überzeugungskraft des Verteidigers waren gefragt, um seiner Mandantin einen längeren Gefängnisaufenthalt zu ersparen. Die 34-jährige Mutter von zwei acht- und fünfjährigen Buben musste sich im Waiblinger Amtsgericht wegen der Anklage des mehrfachen gewerbsmäßigen Diebstahls und eines versuchten Computerbetrugs

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