Weinstadt

Anwohner finden Hotel noch schlimmer als Biergarten

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Die protestierenden Trappeler-Anwohner Mitte Oktober vorm Biergarten. © ZVW/Benjamin Büttner (Archiv)
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Zugeparkt: Das Bild zeigt das Wohngebiet Trappeler am 7. September, als der benachbarte Biergarten samt Kanuverleih noch geöffnet gewesen ist. Von einem Restaurant mit Hotelbetrieb, das zwölf Monate lang Kunden anzieht, graut vielen Anwohnern noch mehr.

Weinstadt.
Warum soll im Trappeler statt eines Biergartens nun sogar ein ganzjährig betriebenes Restaurant gebaut werden – noch dazu mit elf bis zwölf Hotelzimmern? Das fragen sich viele Anwohner des Endersbacher Wohngebiets. Ihnen stinkt zudem, dass die Stadtverwaltung eine Verlagerung des Projekts ins benachbarte Birkelareal bislang ausschließt. Im dortigen Gewerbegebiet gibt es nämlich sowohl entsprechende Flächen als auch genug Parkplätze. Warum Weinstadt dennoch dagegen ist, hat die Anwohner-Initiative laut eigener Aussage nun von Oberbürgermeister Michael Scharmann erfahren.

Warum ist das Birkelareal kein geeigneter Alternativ-Standort?

Drei Vertreter des vierköpfigen Sprecherteams versicherten unserer Zeitung, dass die Stadt durch einen Hotelbetrieb Nachteile bei der Vermarktung des Gewerbegebiets sieht. In das Birkelareal hat Weinstadt bereits einige Millionen Euro investiert, zuletzt in den Bau einer neuen Straße und in die Entsorgung der im Boden gefundenen Altlasten. Heißt: Die Stadt steht mächtig unter Erfolgsdruck, attraktive und finanzkräftige Gewerbesteuerzahler zu finden. 

Gegner des Projekts sehen keinen Bedarf für ein Hotel

Die Trappeler-Initiative ist jedenfalls verärgert. Die Notwendigkeit eines Hotels für Weinstadt weisen sie zurück – und berufen sich auf eigene Recherchen beim Statistischen Landesamt. Im Juli 2017 habe es 315 Schlafgelegenheiten in Weinstadt gegeben, mittlerweile sei die Zahl um 48 Prozent gestiegen. Die Auslastung im Jahr 2017 habe bei 27 Prozent gelegen – aktuell sei sie sogar noch geringer. Auch stört die Anwohner, dass sie bislang nicht wissen, mit wie vielen Parkplätzen bei dem Bauprojekt kalkuliert wird. Mit Blick auf die Landesbauordnung rechnen sie vor, dass für das Projekt inklusive des bestehenden Kanuverleihs zwischen 54 und 102 Stellplätze nötig seien, je nachdem, mit welchen Besucherzahlen operiert wird.

Schon während der Sommermonate beklagten die Anwohner, dass ihr Wohngebiet durch Biergartenbesucher und Paddler regelmäßig zugeparkt worden sei. Nun befürchten sie, dass alles noch schlimmer wird. „Das ist kopflos, ein nicht durchdachtes Konzept.“ Das Sprecher-Team verweist darauf, dass mittlerweile 80 Menschen gegen das Bauprojekt unterschrieben haben – und 78 davon würden im Trappeler wohnen. Die angestrebte Sammelklage ist zwar rechtlich nicht möglich, aber die Initiative stellt klar, dass viele Betroffene über Rechtsschutzversicherungen verfügen würden. „Das werden viele Einzelklagen.“ Auch hoffen die Anwohner, dass der Petitionsausschuss des Landtags das Projekt eventuell verhindert.

Die Stadtverwaltung betont indes auf Nachfrage, dass in Sachen Bauprojekt bislang noch gar nichts entschieden ist. Oberbürgermeister Michael Scharmann legt laut Pressesprecher Holger Niederberger grundsätzlich großen Wert auf einen offenen und fairen Dialog. Grundlegend für eine effektive Kommunikation seien jedoch belastbare Informationen. Zur Zukunft des Biergartens habe die Faktenlage bislang eine verlässliche Aussage nicht zugelassen. „Dabei galt jedoch immer die Feststellung, dass die Öffentlichkeit sowie die Anwohner zu gegebener Zeit im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten in den Planungsprozess mit eingebunden werden.“

Touristisch interessante Lage am Remstalradweg

Darüber hinaus hat OB Scharmann Vertretern der Bürgerinitiative bei einem persönlichen Gespräch Fragen beantwortet. In diesem Zusammenhang ging der OB auch auf die konkrete Frage ein, warum ein Restaurant mit Übernachtungsmöglichkeiten nicht im künftigen Gewerbegebiet „An der Rems“ zu verorten sei. Ziel des Gewerbegebiets „An der Rems“ sei es, ein hochwertiges, innovatives Gewerbe an dem derzeit einzigen bereitstehenden Gewerbestandort anzusiedeln, so OB Scharmann. „Ein Gastronomiebetrieb wäre kein zielführender Auftakt für ein solch hochwertiges Gewerbegebiet, stünden dadurch doch wichtige Flächen in eben diesem derzeit letzten Gebiet für weitere Gewerbeansiedlungen nicht mehr zur Verfügung. Seit der Entscheidung, das ehemalige Technikum an ein Druck- und Medienzentrum zu verkaufen, steht zudem ein Gastronomiebetrieb mit Außenbewirtung an der Birkelspitze nicht mehr zur Disposition.“

Die auch touristisch interessante Lage direkt am Remstalradweg macht das nun favorisierte Grundstück auf der Trappelerlinse (wo seit der Gartenschau die Toiletten-Container stehen) für einen Gastronomiebetrieb mit einer überschaubaren Anzahl an Übernachtungsmöglichkeiten für die Stadt daher umso interessanter und attraktiver. Weiterer Pluspunkt: Die Trappelerlinse liegt nicht im Landschaftsschutzgebiet. „Dabei gilt es aber selbstverständlich auch die Interessen der Anwohner zu berücksichtigen, wobei das Thema Parken im Vordergrund steht.“ Gerade für gastronomische Angebote gibt es laut der Stadt klare baurechtliche Regelungen, in welcher Anzahl Parkmöglichkeiten nachgewiesen werden müssen. „Diese sind auf jeden Fall zu erfüllen.“

Darüber hinaus ist die Stadtverwaltung laut eigener Darstellung stark daran interessiert, vor Ort zusätzliche Parkmöglichkeiten zu schaffen, um das Wohngebiet Trappeler deutlich zu entlasten. In diesem Zusammenhang fordert die Stadt im Zuge des Baugenehmigungsverfahrens unter anderem eine Baugrunduntersuchung für die geplante Tiefgarage des Investors. „Ohne eine einwandfreie Klärung dieses Sachverhalts können die Planungen für dieses konkrete Vorhaben nicht weitergehen.“

Infotermin am Dienstag, 17. Dezember

Um die Anwohner und die interessierte Öffentlichkeit über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren, wird es am Dienstag, 17. Dezember, von 16 Uhr an zunächst einen Vor-Ort-Termin geben, damit alle Beteiligten an Ort und Stelle sich ein Bild von den Gegebenheiten machen können. Direkt im Anschluss werden OB Scharmann, Baubürgermeister Deißler sowie die Vertreter der beteiligten Fachämter im Rahmen einer Informationsveranstaltung im Stiftskeller in Beutelsbach informieren und Fragen beantworten.


Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Textes hatten wir geschrieben, dass der von der Verwaltung favorisierte Standort für ein Restaurant mit Außenbewirtschaftung im ehemaligen Steinbruch - und damit im Landschaftsschutzgebiet - liegen würde. Das ist falsch. Er liegt auf der Trappelerlinse, wo die Toiletten-Container stehen. Und damit nicht im Landschaftsschutzgebiet. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Weinstadt.
Warum soll im Trappeler statt eines Biergartens nun sogar ein ganzjährig betriebenes Restaurant gebaut werden – noch dazu mit elf bis zwölf Hotelzimmern? Das fragen sich viele Anwohner des Endersbacher Wohngebiets. Ihnen stinkt zudem, dass die Stadtverwaltung eine Verlagerung des Projekts ins benachbarte Birkelareal bislang ausschließt. Im dortigen Gewerbegebiet gibt es nämlich sowohl entsprechende Flächen als auch genug Parkplätze.

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