Weinstadt

Aquarelle zeigen mehr als nur die Welt

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Schon seit 22 Jahren leitet Künstlerin Christine Bender einen Aquarellkurs an der Volkshochschule. Die Werke ihrer Schüler werden immer wieder in Weinstadt ausgestellt – wie derzeit im Haus Wabe in Endersbach. © Schneider / ZVW
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Von einem Foto ihrer Tunesienreise hat sich Angelika Gehringer zu diesem Bild inspirieren lassen. © Schneider / ZVW

Weinstadt-Endersbach. Ein blutender Baum, der im Wasser zu wachsen scheint. Tunesische Frauen mit Kopftüchern, riesige Pilze, eine Brücke in Prag. Rund 50 Bilder sind derzeit im Haus Wabe in Endersbach zu sehen. Es sind alles Aquarelle, die im VHS-Kurs von Christine Bender entstanden. Sie zeigen uns die Wirklichkeit aus einem anderen Blickwinkel – wie gewollt unscharfe Fotos.

Video: Christine Bender erzählt über den VHS-Kurs.

Dunkel steht er da, blutend, umgeben von Wolken, aus denen ein Drachenkopf hervorschaut: Ute Stelkers Baum bringt sofort das Kino im Kopf zum Laufen. Sie ist eine von zehn Leuten aus Christine Benders Volkshochschulkurs, die derzeit im Haus Wabe ihre Werke präsentieren. Ute Stelkers Bild ist im besten Sinne poetisch, es zeigt mehr als nur die schnöde Realität – und so sollte Aquarellmalerei laut Christine Bender auch sein: eine Interpretation der Wirklichkeit. Seit 22 Jahren schon gibt die Stuttgarterin im Auftrag der VHS Kurse, derzeit immer dienstags in der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule. Manche ihrer Schüler kommen bereits seit 20 Jahren zu ihr. Christine Bender bereitet das Freude, schließlich kann sie so beobachten, wie sich jemand entwickelt, sich steigert, neue Wege geht. Dabei ist es ihr immer wichtig, den Bildern auch ein Publikum zu verschaffen – weshalb ihr Kurs nun bereits zum dritten Mal im Haus Wabe ausstellt.

Schüler stammen aus Weinstadt und Umgebung

Noch bis zum 7. Juli sind die rund 50 Bilder zu sehen, verteilt auf drei Stockwerke im Treppenhaus. Ausgestellt hat der Aquarellkurs von Christine Bender auch schon zweimal im Beutelsbacher Rathaus sowie einmal im Rahmen von Rems Total. Die Schüler stammen aus Weinstadt und Umgebung, es sind Männer und Frauen ganz unterschiedlichen Alters. Wenn sie im Kurs malen, dann bringt Christine Bender durchaus mal Fotos mit, quasi zur Inspiration – aber das ist nur ein Angebot. Angelika Gehringers Aquarelle entstehen mittlerweile fast nur noch auf Basis ihrer eigenen Fotos, die sie bei Reisen macht. Dann fotografiert sie aus dem fahrenden Auto heraus, wodurch die Bilder automatisch eine Unschärfe erhalten. Eine gute Vorlage für Aquarelle. In der Ausstellung sind von ihr unter anderem tunesische Frauen auf dem Markt sowie eine Taverne in Griechenland zu sehen. Die Frauen auf dem Markt sind größtenteils gesichtslos – und genau diese Unschärfe macht den Reiz aus.

Bei dem Bild eines Dorfplatzes, das Ulrike Schmidt-Prendl gemalt hat, fallen dem Betrachter schwarze Konturen auf, die nicht so recht zur klassischen Aquarelltechnik passen. Sie sind mit einem Fineliner gezeichnet worden, der im Gegensatz zu Tusche nicht wasserlöslich ist. „Ohne den Fineliner wäre das total langweilig“, sagt Christine Bender. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die einem Bild den nötigen Pfiff geben.

Eine gute Quelle der Inspiration sind nach Christine Benders Erfahrung Malreisen. Mit ihrem Aquarellkurs war sie bislang einmal für ein Wochenende im November auf der Insel Reichenau am Bodensee, bei dem wettermäßig alles geboten war – inklusive Sturm und Regen. „Da haben wir gearbeitet wie die Teufel.“

Dieses Abgeschirmtsein von der Außenwelt, ohne Internet und Handyempfang, mit Abstand zu den Problemen zu Hause, empfand Christine Bender als unglaublich produktiv.

Anregend kann freilich auch das eigene Umfeld sein. Wengerterin Bärbel Kuhnle zum Beispiel hat bei dieser Ausstellung Aquarellbilder von Rebstöcken beigesteuert. Die Blätter darauf wirken durchlöchert, als ob sich ein Schädling an ihnen satt gefressen hat. Kursleiterin Christine Bender erinnert es daran, dass der Wein, der nachher im Glas landet, mit viel Mühe hergestellt werden muss. „Die Arbeit, das Risiko, das dahintersteht, all das sehen wir nicht.“

Mal-Gymnastik zum Aufwärmen vor dem Pinselschwingen

Ein weiteres Rezept im Kursalltag ist ganz schnöde, hilft aber ungemein: nicht gleich loslegen, sondern erst mal eine Art Mal-Gymnastik machen. „Manchmal muss man sich zuerst mal warmmalen – wie beim Sport.“

Noch bis 7. Juli

Zehn Mitglieder des Aquarellkurses der Stuttgarter Künstlerin Christine Bender stellen derzeit ihre Arbeiten im Haus Wabe aus: Angelika Gehringer, Ursel Puchinger, Andrea Schwendele, Marion Eppinger, Karlheinz Müller, Ute Stelker, Bärbel Kuhnle, Ulrike Schmidt-Prendl, Dieter Domek und Liese Hermann. Sie alle kommen aus Weinstadt und Umgebung.

Zu sehen sind die Bilder von Montag bis Freitag im Haus Wabe in der Schorndorfer Straße 22 in Endersbach – und zwar im Treppenhaus. Jeder Interessierte kann sich die Ausstellung dort zu den Öffnungszeiten (jeweils von 8 bis 20 Uhr) angucken. Die ausgestellten Bilder stehen zum Verkauf, eine Preisliste ist vor Ort erhältlich (die Preise liegen zwischen 120 und 220 Euro, natürlich ohne Rahmen). Wer Interesse an einem Werk hat, wendet sich einfach an Kursleiterin Christine Bender (cbender1412@mail.de).

Lange können die Bilder im Haus Wabe allerdings nicht mehr betrachtet werden: Finissage ist am Donnerstag, 7. Juli, von 18 Uhr an.