Weinstadt

Auch fit für Wasserstoff: Süddeutsche Erdgasleitung wird 2025 Weinstadt queren

Rohlager Erdgasleitung
Solche Stahlrohre mit rund 1,2 Meter Durchmesser werden für die neue Erdgasleitung in den Boden verlegt. © terranets bw

Auch wenn Deutschland die Energiewende schaffen und sich von fossilen Brennstoffen lösen will, wird in den kommenden Jahren das Gastransportnetz weiter ausgebaut: Die neue unterirdische Süddeutsche Erdgasleitung (SEL) des Stuttgarter Netzbetreibers Terranets BW soll künftig auch durch Weinstädter Gebiet verlaufen.

Die Leitung soll vorerst noch für den Transport von Erdgas genutzt werden, sie wird aber so gebaut, dass durch die Rohre künftig auch „grüne Gase“ wie Wasserstoff fließen können. Bis der Bau der Leitung 2025 beginnen kann, muss allerdings noch einiges an Vorarbeit geleistet werden, erklärte Terranets-Projektleiter Christoph Kröhnert in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses Weinstadt.

Im Bereich der Gasleitung darf künftig nichts gebaut werden

Denn die stählernen Leitungselemente mit rund 1,20 Metern Rohrdurchmessern werden zwar je nach Nutzung des jeweiligen Grundstücks 1,20 bis 1,50 Meter tief im Boden vergraben und sollen nach Abschluss der Baumaßnahmen und der Renaturierung nicht mehr sichtbar sein. Trotzdem wird dann auf beiden Seiten der Leitung ein zehn Meter breiter Schutzstreifen nötig sein, in dessen Bereich keine Bauwerke errichtet werden dürfen.

Auch Bäume dürfen in diesem Schutzbereich nur in Rücksprache mit dem Netzbetreiber und sicherem Abstand zu den Rohren gepflanzt werden. Die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen über der Gasleitung und auch andere oberflächliche Veränderungen, wie zum Beispiel der Bau eines Radweges, sollen aber weiterhin uneingeschränkt möglich sein, verspricht der Netzbetreiber.

Ab 2023 archäologische Arbeiten in Weinstadt 

Die Süddeutsche Erdgasleitung soll auf einer rund 250 Kilometer langen Trasse von Lampertheum in Hessen bis nach Bissingen in Bayern verlaufen und wird in verschiedenen Bauabschnitten umgesetzt. Der Streckenabschnitt Löchgau bis Esslingen, auf dem die Trasse Weinstädter Stadtgebiet quert, ist rund 45 Kilometer lang und soll im Jahr 2025 gebaut werden, ab 2023 sollen archäologische Arbeiten erfolgen.

Die Geschwindigkeit der Umsetzung hänge aber auch von der konkreten Bedarfsentwicklung in den kommenden zehn Jahren ab, so der Projektleiter. Der Trassenverlauf im für die Stadt Weinstadt relevanten Bereich steht fest, es liege bereits ein rechtskräftiger Planfeststellungsbeschluss vor, der für Terranets BW die Grundlage für die Wegerechte darstellt. Auch erste Bodenerkundungen haben bereits stattgefunden.

Von Weinstadt nach Kernen, über den Schurwald nach Esslingen

Die Trasse kommt laut der Beschlussvorlage der Stadt Weinstadt, die den Mitgliedern des Technischen Ausschusses zur Kenntnisnahme vorgelegt worden ist, im Gewann „Beibach“ in Endersbach in das Weinstädter Gebiet hinein. Dann quert sie die Straße L 1198 nahe der Landhauskreuzung und führt entlang der Landstraße nach Strümpfelbach bis zur Seemühle. Dort, unweit des Schützenhauses Strümpfelbach, verlässt die Trasse das Stadtgebiet wieder und führt dann von Kernen über den Schurwald nach Esslingen. Zwar quert die Trasse dabei die S-Bahn-Linie und zwei stark befahrene Landstraßen: Eine Sperrung solle jedoch 2025 nicht nötig werden, man wolle unter den Straßen hindurch bohren, so Christoph Kröhnert.

Aktuell nehme Terranets BW eine Kartierung der geschützten Arten im Gebiet der Trasse vor. In einem nächsten vorbereitenden Schritt möchte der Netzbetreiber mit allen Grundstücksbesitzern Kontakt aufnehmen, auch eine Informationsveranstaltung für alle Bürger ist geplant. Denn der Leitungsbau kommt mit zwar vorübergehenden, aber doch beträchtlichen Eingriffen in die Landschaft einher: Insgesamt 34 Meter Baustreifen werden benötigt, um die Rohre optimal in den Boden verlegen zu können, erklärt der Projektleiter.

Netzbetreiber muss Verträge mit allen Grundstücksbesitzern schließen

In dieser beachtlichen Breite sind zwei Arbeitsspuren für Baufahrzeuge, der eigentliche circa zwei Meter breite Graben, in den die Leitung verlegt wird, sowie genügend Platz fürs Zwischenlagern des Erdaushubs miteingerechnet. In besonderen Schutzgebieten werde man mit schmaleren Arbeitsstreifen arbeiten, so Kröhnert, das dauere dann aber auch entsprechend länger.

Die Grundstücksbesitzer wie auch die Nutzer, also zum Beispiel Landwirte oder Stückles-Pächter, sollen deshalb einmalig umfassend entschädigt werden. „Wir werden mit jedem Einzelnen einen entsprechenden Gestaltungsvertrag machen“, so Christoph Kröhnert. Wer im Gebiet des 34 Meter breiten Arbeitsstreifens einen Kleingarten hat, könne dann auch wählen, ob er dessen Wert schätzen lassen und eine Geldsumme für den Wiederaufbau bekommen möchte – oder ob der Netzbetreiber den Garten nach dem Bau wieder genauso aufbauen soll, wie er davor ausgesehen hat.

„Wir werden alles tun, um die Eingriffe so gering wie möglich zu halten“, so der Projektleiter. Das Unternehmen arbeite mittlerweile immer mit einem Bodenschutzkonzept und nehme die Renaturierung der Flächen sehr ernst.

Auch wenn Deutschland die Energiewende schaffen und sich von fossilen Brennstoffen lösen will, wird in den kommenden Jahren das Gastransportnetz weiter ausgebaut: Die neue unterirdische Süddeutsche Erdgasleitung (SEL) des Stuttgarter Netzbetreibers Terranets BW soll künftig auch durch Weinstädter Gebiet verlaufen.

Die Leitung soll vorerst noch für den Transport von Erdgas genutzt werden, sie wird aber so gebaut, dass durch die Rohre künftig auch „grüne Gase“ wie Wasserstoff fließen

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