Weinstadt

Aus für preiswertes Weinstadt-Ticket

S-Bahn sbahn s bahn Bahn bahnhof endersbach schild symbol symbolbild symbolfoto
Symbolfoto © Joachim Mogck

Weinstadt. Angesichts der angespannten Finanzlage der Stadt wird das Bus- und Bahnfahren für die Weinstädter Bürger nicht preiswerter. Der Gemeinderat hat das geplante Stadtticket am Donnerstagabend abgelehnt. Wäre es gekommen, hätten viele Menschen profitiert – und zwar im besten Fall schon vom 1. April an.

Wer an einem Tag innerhalb von Weinstadt öfter als zweimal eine Strecke mit dem Bus oder der Bahn fahren muss, für den lohnt sich das Einzeltagesticket für eine Zone – und das kostet derzeit 5,20 Euro. Wer nur eine Hin- und Rückfahrt braucht, kauft lieber zweimal ein Einzelticket. So sind nur fünf Euro fällig. Wenn Weinstadt indes ein Stadtticket nach Ludwigsburger Vorbild einführen würde, müssten Kunden für ein Einzeltagesticket nur drei Euro zahlen – also 2,20 Euro weniger als heute. Auch Gruppentagestickets wären dann auf einen Schlag billiger: Statt für 10,40 Euro könnten bis zu fünf Personen für nur sechs Euro unterwegs sein. Das sind 4,40 Euro weniger.

Kein Wunder, dass Kommunen mit einem Stadtticket laut dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) deutlich gestiegene Zahlen an verkauften Tickets vorweisen können. So seien die monatlichen Verkaufszahlen in Ludwigsburg von anfangs 16 000 auf 30 000 bis 35 000 gestiegen, in Esslingen von anfangs 17 000 auf 31 000. VVS-Teamleiter Martin Schugt zählte in der Sitzung des Gemeinderats am Donnerstagabend noch einige weitere Vorteile auf – und trotzdem gab’s von allen Fraktionen Kritik.

Wunsch nach noch billigerem Ticket für Jugendliche

Selbst die SPD, die Anfang des Jahres den Antrag zur Einführung eines Stadttickets gestellt hatte, war mit dem vorgelegten Entwurf nicht ganz zufrieden. Fraktionschef Julian Künkele erinnerte daran, dass im SPD-Modell Kinder deutlich weniger zahlen sollten als Erwachsene. Davon war im Vorschlag, über den der Gemeinderat abstimmen sollte, keine Rede mehr. Genau das störte auch den Jugendgemeinderatsvorsitzenden Jonathan Schackert, der vom Rederecht der Jugendvertreter im Gemeinderat Gebrauch machte. Er sprach sich für ein Ein-Euro-Ticket für den Nachwuchs aus – und lobte ansonsten den Vorstoß. „Wir finden, das ist eine schöne Idee.“

Für den VVS wäre solch ein Ein-Euro-Ticket laut Teamleiter Martin Schugt dagegen schlecht fürs Geschäft. Grund: Das Angebot wäre so attraktiv, dass viele Schüler, die derzeit noch eine Zeitkarte nutzen, umsteigen würden – mit der Folge, dass in Bussen bei jedem Ein- und Ausstieg sehr viele Ein-Euro-Tickets verkauft würden. „Dann gibt’s beim Busfahrer Chaos.“

Auch OB Scharmann stimmte dagegen

GOL-Stadträtin Larissa Hubschneider plädiert zwar für die Einführung eines Stadttickets, ist aber der Ansicht, dass es unfair ist, wenn es in Weinstadt zum gleichen Preis wie in Ludwigsburg angeboten wird. Sie hat nachgerechnet, dass die 93 500-Einwohner-Stadt im Nachbarlandkreis bei Bus und Bahn 137 Haltestellen habe – Weinstadt hingegen nur 33. Sie schlug deshalb vor, neu zu verhandeln und zu überlegen, ob das Gebiet für ein Stadtticket auch auf Aichwald, Grunbach oder Geradstetten ausgeweitet werden kann. Ähnlich sah es Freie-Wähler-Stadtrat Jens Häcker. „Das Ding macht für mich Sinn, wenn man einen größeren Radius hat.“ Volker Gaupp (CDU) regte an, das Geld, das ein Stadtticket kosten würde, in Verbesserungen des Busfahrplans zu investieren, gerade in Bezug auf die Abendstunden.

Konkret würde Weinstadt beim Stadtticket jedes verkaufte Einzeltagesticket 1,50 Euro Zuschuss aus der eigenen Kasse kosten, jedes verkaufte Gruppenticket 2,74 Euro Zuschuss. Der VVS kalkulierte aufgrund seiner eigenen Erfahrung damit, dass Weinstadt im Jahr etwa rund 52 000 Euro ausgeben müsste.

Vor der Abstimmung verkündete Oberbürgermeister Michael Scharmann deshalb, dass er aufgrund der schlechten Weinstädter Finanzlage (der Haushalt für 2020 hat Stand heute ein sechsstelliges Minus im laufenden Betrieb) gegen die Einführung eines Stadttickets stimmen werde. Dem schlossen sich viele Räte der CDU und Freien Wähler an: Mit 14 Neinstimmen bei zehn Jastimmen und zwei Enthaltungen wurde das Stadtticket abgelehnt.

Weinstadt. Angesichts der angespannten Finanzlage der Stadt wird das Bus- und Bahnfahren für die Weinstädter Bürger nicht preiswerter. Der Gemeinderat hat das geplante Stadtticket am Donnerstagabend abgelehnt. Wäre es gekommen, hätten viele Menschen profitiert – und zwar im besten Fall schon vom 1. April an.

Wer an einem Tag innerhalb von Weinstadt öfter als zweimal eine Strecke mit dem Bus oder der Bahn fahren muss, für den lohnt sich das

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper