Weinstadt

Aus Weiden Windlichter machen

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Windlichter
Barbara Kronmiller (Dritte von rechts) schwört beim Herstellen von Windlichtern darauf, mit zwei Ruten gleichzeitig zu flechten. Im Fachjargon heißt das Fitzen. © Palmizi / ZVW
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Zum Flechten sollten Weidenruten sechs bis acht Wochen nach der Ernte verwendet werden. © Palmizi / ZVW
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Elf Stöcke bilden die Basis des Windlichts. © Palmizi / ZVW
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Der grüne Flechtstrang stammt von der Uralweide, der gelbe von Dotterweide. © Palmizi / ZVW

Weinstadt-Beutelsbach. Zu frisch dürfen sie nicht sein – aber auch nicht zu alt. „Weiden, die man flechtet, sollten nur angetrocknet sein“, sagt Barbara Kronmiller. Den Beutelsbacher Landfrauen hat die Referentin von der Naturwerkstatt Lorch jüngst vorgeführt, wie aus Dotter-, Kübler- und Uralweiden Windlichter werden. Dabei hat sich gezeigt: Ein Flechter braucht kräftige Finger.

Im Video: Barbara Kronmiller von der Naturwerkstatt Lorch zeigt den Beutelsbacher Landfrauen wie man aus Weiden selbst Windlichter machen kann.

Ist das nun schon ein Windlicht – oder nicht doch eher ein Hexenbesen für den Schmotzigen Donnerstag? Die rund 20 Landfrauen, die an diesem Montagnachmittag ins Beutelsbacher Feuerwehrhaus gekommen sind, lassen sich jedenfalls von den Anfangsschwierigkeiten beim Flechten nicht abschrecken.

„Wer Hilfe braucht, schreit“, sagt Referentin Barbara Kronmiller. Die Fachfrau von der Naturwerkstatt Lorch gibt laufend Tipps, erklärt die Schritte immer wieder, schließlich ist der Kurs für Einsteiger gedacht. Trotzdem ist es gar nicht so einfach, aus Weiden ein Windlicht herzustellen.

"Yoga für die Hände“

„Das ist wie Yoga für die Hände“, sagt eine Landfrau und lacht. Denn dafür braucht es nicht nur Geduld und Kraft in den Fingern, sondern auch die richtige Technik. Eine Herausforderung ist vor allem das sogenannte Fitzen, bei dem mit zwei Weidenruten gleichzeitig geflochten wird. Und auch das Material ist gar nicht so leicht zu besorgen.

Benötigt werden neben einem Haselnussstock, an dem das Windlicht festgemacht wird, drei verschiedene Weidenarten, nämlich Dotter-, Kübler- und Uralweiden. Während die Küblerweide laut Barbara Kronmiller durchaus im Remstal zu ergattern ist, muss sie für die beiden anderen längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen. Sechs bis acht Wochen nach der Ernte sollte der Rohstoff verarbeitet werden. Wer länger wartet, riskiert, dass die Weiden zu trocken werden.

Ritsch, ratsch, Rübe ab

Basis des Windlichts sind elf etwas dickere Stöcke einer Küblerweide, die alle etwa 40 bis 50 Zentimeter lang sein sollten. Sie werden nebeneinander mit einem Klebeband an einem Haselnussstock befestigt. Die Weiden müssen zum Ende hin alle nach außen gebogen werden. Barbara Kronmiller spricht hier vom Massieren. „Das ist das Schöne an der Weide: dass wir denen sagen, wo sie hingehen sollen.“

Wichtig: Wenn einer der elf Stöcke nach dem Zusammenkleben noch länger ist als die anderen, dann wird er natürlich mit der Gartenschere eingekürzt. Ritsch, ratsch, Rübe ab – und das Grundgerüst für das Windlicht ist schon mal fertig.

Mit zwei Ruten gleichzeitig

Nun beginnt das Fitzen, also die eigentliche Arbeit. Je zwei dünnere und gleich lange Ruten der gelben Dotterweide werden nun von unten her um die elf Stöcke gebunden, mit vier bis fünf Zentimeter Abstand zum Klebeband.

Die Ruten schlingen sich dabei um die senkrecht stehenden Weidenstöcke (auch Staken genannt) und werden abwechselnd verschränkt. Heißt: Wenn die erste Rute gerade oben liegt, muss sie beim nächsten Mal unten sein, während dann die zweite Rute oben ist.

„Das Korbflechten ist noch viel komplizierter“

Nach einer Weile flechten die Landfrauen in ihr Windlicht die etwas dünneren und grünen Uralweidenruten ein. Gegen Ende wird dann noch etwas Platz für eine kleine Öffnung gelassen, eine Art Fenster für die Kerze, die hier später eingesetzt wird. Fertig ist das Windlicht. Die grüne und gelbe Farbe der Weiden hält laut der Referentin rund zwei, drei Jahre, wenn sie nicht dauernd dem Sonnenlicht ausgesetzt werden – sonst werden sie schneller braun.

Wer jetzt denkt, dass so ein Windlicht schwer herzustellen ist, dem muss Barbara Kronmiller widersprechen. „Das Korbflechten selbst ist noch viel komplizierter.“

Zwei Tipps:

  • Wer sich übers Flechten informieren will, dem empfiehlt Barbara Kronmiller den Verein Flechtwerk, in dem sie Mitglied ist. Deutschlandweit haben sich hier Korbflechter zusammengeschlossen (www.flechtwerk-ev.de).
  • Beim Weidenkauf schwört Kronmiller auf Weidenart Heid aus Rheinland-Pfalz (www.weidenart-heid.de).