Weinstadt

Autofahrer für rassistischen Übergriff in Weinstadt verurteilt

Kreisel endersbach
An dieser Stelle in Endersbach begann die Auseinandersetzung, die in rassistische Beleidigungen und einen Griff an den Hals mündete. © Benjamin Büttner

Weil er einen dunkelhäutigen Mann rassistisch beleidigt und körperlich angegriffen hat, ist ein 50-Jähriger aus Fellbach zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Seine Versuche, den Nebenkläger als Aggressor und sich selbst als Opfer einer Verschwörung darzustellen, verfingen am Amtsgericht nicht. Der Geschädigte, ein 47-jähriger Weinstädter mit Wurzeln in Südostasien, leidet bis heute unter dem Angriff.

Dem Geschädigten versagt vor Gericht die Stimme

„Ich musste monatelang Tabletten nehmen, ich konnte nicht mehr schlafen ...“ Dem Familienvater aus Weinstadt versagt die Stimme und er beginnt zu schluchzen, als er im Zeugenstand des Amtsgerichts Waiblingen von den Folgen des Übergriffs im November 2020 in Endersbach berichtet.

Der Angeklagte habe ihn aus dem Viadukt-Kreisverkehr in die Bahnhofstraße verfolgt und gedrängt, am Straßenrand anzuhalten. Dort habe er ihn zunächst nicht aussteigen lassen, ihn dann mehrfach mit dem N-Wort beleidigt und schließlich am Hals gepackt. Nach weiteren Beleidigungen sei der Mann davongefahren. Ein Arzt diagnostizierte noch am selben Tag Quetschungen am Kehlkopf des 47-Jährigen. Dieser sagt: „Ich lebe seit über 30 Jahren in Deutschland und habe schon viele Beleidigungen gehört. Aber so was habe ich noch nie erlebt.“

Eine unabhängige Zeugin bestätigt die rassistischen Beleidigungen

Der Angeklagte, der ohne Verteidiger erschienen ist, erzählt eine andere Geschichte: Der Weinstädter habe ihm im Viadukt-Kreisverkehr die Vorfahrt genommen und ihn zur Vollbremsung gezwungen. Das habe seiner erst kürzlich operierten Ex-Lebensgefährtin starke Schmerzen bereitet. Wütend sei er dem anderen gefolgt, um ihn zur Rede zu stellen. Dieser habe ihm durch die Heckscheibe den Mittelfinger gezeigt. Später sei dann er selbst aufs Übelste beleidigt worden, nicht etwa der Nebenkläger. Der Weinstädter bestreitet all diese Vorwürfe. Er sei ein „freundlicher“ Autofahrer.

Das große Problem des Angeklagten: Eine Fußgängerin auf dem Weg zur Arbeit hat die Szene, die sich in der Bahnhofstraße abgespielt hat, aus nächster Nähe beobachtet. Sie bestätigt eindeutig die Aussagen des Weinstädters vor Gericht. Dieser habe sich ruhig verhalten, während der Fellbacher ihn erst mit dem N-Wort beleidigt und dann angegriffen habe.

Der Mann muss für einen Monat seinen Führerschein abgeben

Für Staatsanwältin und Richter steht deshalb am Ende der Verhandlung fest, dass sich der Vorfall so zugetragen hat wie in der Anklage beschrieben. „Rassistisch“ und „besonders herabwürdigend“ seien die Beleidigungen gewesen, sagt die Staatsanwältin. Der Angriff erfülle den Tatbestand der Körperverletzung. Ihr Plädoyer: 70 Tagessätze zu je zehn Euro soll der Mann zahlen, ebenso die Auslagen des Nebenklägers übernehmen und seinen Führerschein für einen Monat abgeben. Der Richter erhöht in seinem Urteil auf 80 Tagessätze.

Der Plan des Angeklagten, sich wortreich und mit vollem Körpereinsatz selbst als Opfer darzustellen, ist da längst gescheitert. Noch in seinem Schlusswort hatte er gesagt: „Das ist hier alles eine konstruierte Sache. Es geht hier darum, dass derjenige, der schreit, er ist Ausländer, recht bekommt.“

Als Teil dieser Verschwörung sieht der Fellbacher, der sich in der Verhandlung mehrfach auf seine kroatischen Wurzeln berief, auch die türkischstämmige Zeugin des Vorfalls. Diese habe sich aus Prinzip solidarisch mit einem vermeintlichen Rassismus-Opfer gezeigt. Von seinen Versuchen, die Frau, die ja nur zufällig des Wegs gekommen war, zu verunsichern, war diese aber komplett unbeeindruckt geblieben.

Unglaubwürdige Ex-Freundin mit abgesprochener Aussage

Ähnlich unbeeindruckt hatten sich Staatsanwältin und Richter von der Aussage der Ex-Freundin und Beifahrerin des Angeklagten gezeigt. Diese hatte als Zeugin die Version des 50-Jährigen gestützt.

Richter Weigels Fazit bei der Urteilsverkündung: Die Frau habe ein zuvor abgesprochenes „Gedicht“ vorgetragen, womöglich sogar gelogen.

Weil er einen dunkelhäutigen Mann rassistisch beleidigt und körperlich angegriffen hat, ist ein 50-Jähriger aus Fellbach zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Seine Versuche, den Nebenkläger als Aggressor und sich selbst als Opfer einer Verschwörung darzustellen, verfingen am Amtsgericht nicht. Der Geschädigte, ein 47-jähriger Weinstädter mit Wurzeln in Südostasien, leidet bis heute unter dem Angriff.

Dem Geschädigten versagt vor Gericht die Stimme

„Ich musste monatelang

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