Weinstadt

Bürgerpark in Weinstadt: Oase oder Lärmplage für die Anwohner?

Bürgerpark Grüne Mitte
Anna Marion ist bei der Stadt Weinstadt seit diesem Jahr für den Bürgerpark zuständig und hat dafür eine 50-Prozent-Stelle erhalten. Hier dreht sie gerade am Rad für das Wasserspiel. © Alexandra Palmizi

„Wir brauchen nebenan keinen Vergnügungspark“: Auf zwei Seiten hat Gunter Hennrich aus Beutelsbach zusammengeschrieben, was ihm am benachbarten Bürgerpark der Stadt Weinstadt nicht gefällt.

Er sagt, dass er für viele Anlieger spricht. Auch in den Bürgerfragestunden des Gemeinderats haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder unzufriedene Anwohner zu Wort gemeldet. Haben sie recht? Sorgt das Millionenprojekt für unzumutbaren Lärm und Vandalismus? Oder übertreiben hier Menschen, die wollen, dass alles so bleibt, wie es schon immer war?

Naschgarten: Jeder darf dort Beeren pflücken

Vertreter der Stadt wie Petra Heckl vom Stadtplanungsamt, die neu eingestellte Parkmanagerin Anna Marion und Pressesprecher Holger Niederberger sehen weder ein Problem in Sachen Lärm noch in Sachen Vandalismus. Bei einem Spaziergang durch den Park mit unserer Zeitung wollen sie zeigen, was die Grüne Mitte von Weinstadt alles zu bieten hat.

Da ist etwa der Naschgarten, in dem viele Früchte wachsen, die von jedem gegessen werden dürfen. Da gibt es rote und gelbe Himbeeren, blaue Honigbeeren, Johannisbeeren, Jostabeeren, Aroniabeeren, Stachelbeeren, Esskastanien und Vogelkirschen (hier ist nur der harte Steinkern giftig).

3,6 Millionen Euro Fördergeld vom Bund

Zwischen Naschgarten und Weg befindet sich extra ein Betonstreifen auf dem Boden. Er zeigt neben einem provisorischen Schild an, dass dieses Stück Park öffentlich ist. Andere Flächen sind in privater Hand. Dieses Nebeneinander ist gewollt und Teil eines Projekts, das vom Bundesbauministerium mit 3,6 Millionen Euro gefördert wird.

Hie und da sind noch Zäune zu sehen, aber es sind wenige. Sie haben Bestandschutz, wie Petra Heckl vom Stadtplanungsamt betont. Ansonsten aber soll hier im Bürgerpark alles offen bleiben.

Fest wurde wegen Corona verschoben

Eigentlich sollte in diesem Jahr ein großes Eröffnungsfest gefeiert werden. Wegen Corona wurde es abgesagt, nun soll es 2021 stattfinden – sofern bis dahin die derzeit gültigen Corona-Auflagen nicht mehr nötig sind. Alle sollen dann mitwirken. Musikverein, CVJM, Turner. Es soll ein Fest für alle sein. Und genau hier entzündet sich schon eine Kritik der Anwohner. Sie fürchten viele öffentliche und private Veranstaltungen. „Dadurch würde sich die Situation für die Anleger noch weiter verschlechtern“, betont Anlieger Gunter Hennrich.

Wie viele Veranstaltungen pro Jahr sind erlaubt?

Er geht davon aus, dass jährlich zehn bis 18 öffentliche Veranstaltungen und vermutlich viele weitere private geplant seien. Petra Heckl entgegnet dem, dass bislang wegen Corona noch gar keine öffentliche Veranstaltung stattgefunden habe. Richtig sei, dass nach dem Schallschutzgutachten maximal 18 Veranstaltungen inklusive Sportevents erlaubt seien. Aus Rücksicht auf die Anwohner habe man sich darauf verständigt, nur zehn pro Jahr zuzulassen.

Trinkgelage und Mopedrennen im Bürgerpark?

Gunter Hennrich beklagt auch Geräusche durch die normale Parknutzung. „Wie nicht anders zu erwarten war, werden diese Sportanlagen an schönen, sonnigen Tagen zu extrem lauten Geräuschquellen. Diesen stundenlangen Lärm – Gequieke und Gekreische von meist wenigen Kindern – sollen nun die Anwohner in Zukunft wortlos ertragen. Für uns ist dadurch ein Aufenthalt im Freien eine Zumutung“, schreibt er. Zudem beklagt er sich über nach seiner Darstellung häufige nächtliche Trinkgelage, Knall-Attacken und Mopedrennen.

„Die angeordnete Park-Ruhe nach 21 Uhr wird nicht eingehalten, da sie nicht kontrolliert wird.“ Müllanhäufungen, Speisereste, Glasscherben und Beschädigungen seien die Partyfolgen. Auch spricht Hennrich von regelmäßigem Durchgangsverkehr diverser Fahrzeuge bei Tag und Nacht.


Ärger über Müll

Der Weinstädter Pressesprecher Holger Niederberger verweist darauf, dass es solche Klagen auch anderswo gebe. „Es kommen überall die Anrufe: Hier ist es zu laut.“ Das Ordnungsamt kontrolliere natürlich auch im Bürgerpark, könne dies aber nur stichprobenartig machen, so wie anderswo auch. Petra Heckl verweist auf die große Anzahl von neongelben großen Müllbehältern, von denen beim Vor-Ort-Termin am 16. September kein einziger überquillt. Auch sonst sind kaum Müllreste am Boden zu sehen. Die Mülleimer werden zweimal pro Woche geleert. Zusätzlich geht der Bauhof laut Holger Niederberger Hinweisen von Bürgern nach und kontrolliert vor Ort. Was die Geräusche von spielenden Kindern angeht, verweist Niederberger auf Gerichtsurteile: „Kinderlärm ist kein Lärm.“

Unschön, schattenlos und kahl?

Gunter Hennrich moniert auch, dass die Anlieger auf die von der Stadt versprochene umfangreiche Information zur Parksituation und zu den weiteren Ausbaustufen des Parks noch immer warten würden. Die Mehrheit der Anwohner findet nach seiner Darstellung die Anlage unschön, planiert, schattenlos, kahl und geometrisch langweilig.

Anwohner spricht von schlechter Wasserqualität

Mit Blick auf den zweiten Bauabschnitt befürchtet der Beutelsbacher weiteren Lärm. Auf Höhe des Wasserspielplatzes soll der Schweizerbach einen Bogen bekommen und das Ufer abgeflacht werden. Die damit geschaffene Reflexionswand und die dann fehlenden Bäume, so der Vorwurf, würden den Lärm in Richtung Anwohner noch weiter verstärken. Hennrich fragt sich, warum der Bach erlebbar werden muss, obwohl die Wasserqualität schlecht sei.

"Das Klärwerk prüft mehrfach im Jahr"

Genau Letzteres bestreitet Petra Heckl. „Das Klärwerk prüft das mehrfach im Jahr.“ Wenn es mal Schaum im Wasser gebe, liege das an natürlichen Eiweißen. Und Parkmanagerin Anna Marion pflichtet bei, dass die Qualität des Bachwassers mit der Rems vergleichbar sei.

Was die Einbindung der Bürger angeht, verweist Petra Heckl auf das Kuratorium, in dem Bürger aus unterschiedlichen Institutionen und Vereinen mitwirken. Auch die Anwohner haben hier einen Vertreter. Wegen Corona gab es in diesem Jahr keine Treffen – aber das soll nicht so bleiben. „Das kann man nächstes Jahr wieder aktivieren. Wir haben da ganz tolle Leute drin“, sagt Petra Heckl.

Sprühregen bei der Wolkenschaukel

Beim Spaziergang durch den Park verweist sie zusammen mit Holger Niederberger und Anna Marion immer wieder darauf, wie viele unterschiedliche Attraktionen es im Bürgerpark gibt. Da ist etwa die Wolkenschaukel, bei der Sprühregen von oben herunterkommt, wenn man schaukelt. „Es ist ein Prototyp“, sagt Anna Marion.

16 typische Streuobstbäume aus 16 Kommunen

Kurz darauf zeigt sie auf die Wiese, wo der Obst- und Gartenbauverein Beutelsbach aus den 16 Gartenschaukommunen 16 typische Streuobstwiesenbäume pflanzen will. Und sie schwärmt von dem Gemeinschaftsgarten im Bürgerpark, der von einem eigens gegründeten Verein gestaltet wird. Parkmanagerin Anna Marion gibt aber auch zu, dass noch nicht alles optimal läuft.

Der neu angelegte Parkplatz auf der Wiese an der Kreisstraße hat Platz für 34 Autos, aber derzeit nutzt ihn fast niemand. Auch an diesem Mittwoch steht dort kein Auto. Anna Marion hat schon mal überlegt, dort selbst zu parken, damit andere merken, dass es durchaus so gewollt ist.

Wann kommen endlich die Toiletten?

Mit dem zweiten Bauabschnitt wird im Weinstädter Bürgerpark ein Forumsgebäude entstehen – und dann gibt es auch endlich öffentliche Toiletten, inklusive eines barrierefreien WCs. Ob diese Toilettenanlage dann rund um die Uhr offen steht oder von einer gewissen Uhrzeit an abgeschlossen wird, ist laut Petra Heckl vom Stadtplanungsamt noch offen.

Im Herbst 2021 sollen die Arbeiten für den zweiten Bauabschnitt anfangen. Grund: Für die Arbeiten am Schweizerbach muss erst das sogenannte Wasserrechtsverfahren abgeschlossen sein – und das dauert.

Wie lang der zweite Bauabschnitt bis zur Fertigstellung braucht, hängt nicht zuletzt davon ab, welche Schonzeiten für die Tierwelt beachtet werden müssen. Petra Heckl rechnet mit einem Dreivierteljahr – allerdings könne alles auch drei Monate länger oder kürzer dauern.

„Wir brauchen nebenan keinen Vergnügungspark“: Auf zwei Seiten hat Gunter Hennrich aus Beutelsbach zusammengeschrieben, was ihm am benachbarten Bürgerpark der Stadt Weinstadt nicht gefällt.

Er sagt, dass er für viele Anlieger spricht. Auch in den Bürgerfragestunden des Gemeinderats haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder unzufriedene Anwohner zu Wort gemeldet. Haben sie recht? Sorgt das Millionenprojekt für unzumutbaren Lärm und Vandalismus? Oder übertreiben hier Menschen,

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