Weinstadt

Bademeister im Freibad Strümpfelbach: "Quasi-Rausschmiss“ trotz Personalnot?

Bädle freibad Struempfelbach Strümpfelbach
18 Jahre lang war Michael Krieger Bademeister in Strümpfelbach (Archivfoto). © Habermann

Gerade noch haben die Freibäder händeringend nach Personal gesucht, mussten während der Hauptsaison sogar die Öffnungszeiten stark zurückfahren - und kaum, dass beide Bäder wieder regulär geöffnet haben, wendet sich ein langjähriger, freiberuflicher Bademeister an die Öffentlichkeit.

Die Stadt habe ihn noch vor Saisonende „quasi rausgeschmissen“. Unfair und nicht nachvollziehbar, findet der ehemalige Schwimmmeister Michael Krieger - ein völlig normaler personeller Vorgang, sagt die Stadt.

Budget ausgeschöpft, Bademeister wird nicht mehr gebraucht

Dieses Jahr benötige man seine Dienste nicht mehr, die anfallenden Arbeitsstunden werde die Stadt von nun an Festangestellten geben, heißt es in einem Schreiben, das Michael Krieger Mitte August von der Bäderleitung bekommen hat und das unserer Redaktion vorliegt.

Das Budget für Fremddienstleister sei für dieses Jahr erschöpft, die Eintragungen des Bademeisters im Dienstplan für drei weitere Tage im August damit hinfällig. Er solle doch bitte seine Schlüssel abgeben, „wir wollen dir aber für deine Hilfe in personeller Not in dieser Saison danken“.

Zwei Wochen freigenommen, um im Bad unterstützen zu können 

Für den 52-Jährigen aus Remshalden liest sich diese E-Mail wie ein Rausschmiss, der Dank für seinen Einsatz in den vergangenen Monaten fast ein bisschen höhnisch. Immerhin sei es jetzt schon das 18. Jahr gewesen, dass er als freiberuflicher Schwimmmeister jedes zweite Wochenende im Strümpfelbacher Bad über den Badebetrieb wache. Jedes Jahr sei er die ganze Saison im Einsatz gewesen: vom Anbaden bis zum letzten Öffnungstag.

Zwei Wochen Urlaub habe er sich im Juli extra bei seiner hauptberuflichen Tätigkeit genommen, um auch unter der Woche im Strümpfelbacher Freibad im Einsatz sein zu können: „Ich habe zwei Wochen am Stück quasi durchgemacht.“ Just im gleichen Zeitraum konnte das Bad, das im Juli wegen Personalmangels eingeschränkte Öffnungszeiten hatte, zumindest an den Wochenenden wieder wie gewohnt offen bleiben.

War eine interne Auseinandersetzung schuld?

Ursprünglich sei es mit dem Bäderleiter auch so abgesprochen gewesen, dass die zweiwöchentliche Taktung bis zum Ende der Saison gehe, von den drei Tagen Ende August einmal ganz zu schweigen. So, wie es eben jedes Jahr gewesen sei, berichtet Michael Krieger: „Ich habe immer von Mai bis September durchgeschafft.“

Deshalb könne er das Schreiben der Stadt auch nur als Abfuhr deuten, fair finde er das nicht. Bei genauerem Nachfragen wird zusätzlich klar: Just an seinem letzten Arbeitstag im Strümpfelbacher Freibad ist es laut dem Schwimmmeister zu einer verbalen Auseinandersetzung mit der Bäderleitung gekommen. Michael Krieger vermutet darin den Auslöser für das Schreiben einige Tage später.

Stadt Weinstadt stellt klar: Es war kein Rauswurf

Die Stadt Weinstadt widerspricht dieser Deutung entschieden. Der freiberufliche Schwimmmeister sei nicht hinausgeworfen worden. Dass zum Herbst hin vorrangig eigene Mitarbeiter eingesetzt würden, sei völlig normal. „Unsere Saisonkräfte werden zeitlich begrenzt und auch flexibel eingesetzt“, stellt die Pressestelle auf Anfrage unserer Redaktion klar.

Kurzfristige Arbeitseinsätze, aber auch Absagen, kämen immer mal wieder vor und seien eigentlich nichts Ungewöhnliches. Gründe dafür könnten sowohl Krankheitsfälle im Stammpersonal oder auch einfach das Wetter sein.

Fremdleistungen kosten mehr Geld, wurden bisher aber gebraucht

„Bei der Einteilung fahren wir dabei oft auf Sicht, das heißt recht schnell und recht kurzfristig. Die Reaktionsschnelligkeit ist aus betrieblichen Gründen gegeben, kann jedoch auch mal als abrupt empfunden werden“, so die Stadt. Die Dienstpläne werden demnach meistens erst am Anfang des Monats für die folgenden vier Wochen im Voraus bekanntgegeben: „Der Septemberplan war somit im August noch nicht raus.“

„Die Fremdleistungen wurden deshalb zurückgefahren, weil es die aktuelle Personalausstattung erlaubte und dadurch auch Kosten eingespart werden konnten“, stellt die Stadt klar. „Die Stadtverwaltung unterliegt der Pflicht, wirtschaftlich zu haushalten.“ Die Kosten für einen externen Dienstleister seien nun mal deutlich höher.

Stadt bietet Gespräch zur Klärung an

Trotzdem sei Weinstadt dem Schwimmmeister wirklich dankbar für seinen Einsatz besonders im vergangenen Juli: „Die Einsätze an den Wochenenden hat uns der freie Mitarbeiter von sich aus angeboten“, bestätigt die Pressestelle. Die Stadt habe das Angebot gerne angenommen, um die Badegäste wenigstens am Wochenende in den Genuss von verlängerten Öffnungszeiten kommen zu lassen. „Ohne das Angebot hätten wir zu dem Zeitpunkt im Freibad Strümpfelbach nicht länger öffnen können.“

Die Stadt wolle dem Bademeister gerne ein Gespräch anbieten, um die Missverständnisse zu klären. Gibt es also ein Comeback für Michael Krieger in der Freibad-Saison 2023? Er selbst schließt das nicht aus. Wenn ihn die Stadt nächstes Frühjahr wieder anfragen sollte, sei er gerne wieder dabei. „Ich hänge sehr an diesem kleinen, familiären Freibad“, so der 52-Jährige. „Ich liebe meine Arbeit dort und wäre glücklich, wenn es weitergehen würde.“

Gerade noch haben die Freibäder händeringend nach Personal gesucht, mussten während der Hauptsaison sogar die Öffnungszeiten stark zurückfahren - und kaum, dass beide Bäder wieder regulär geöffnet haben, wendet sich ein langjähriger, freiberuflicher Bademeister an die Öffentlichkeit.

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Die Stadt habe ihn noch vor Saisonende „quasi rausgeschmissen“. Unfair und nicht nachvollziehbar, findet der ehemalige Schwimmmeister Michael Krieger - ein völlig normaler personeller Vorgang,

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