Weinstadt

Baugebiet Furchgasse in Weinstadt-Schnait: Wer mit Holz baut, bekommt Bauplatz

Baugebiet Furchgasse
Die Erschließung in der Furchgasse ist mittlerweile schon weit fortgeschritten. © Alexandra Palmizi

Nachdem der Bebauungsplan für das Neubaugebiet „Furchgasse“ am Ortsrand von Schnait insgesamt dreimal offengelegt werden musste und erst im April endgültig beschlossen werden konnte, steht nun die Vergabe der Bauplätze kurz bevor. Das hat das Liegenschaftsamt in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats bekanntgegeben.

Bevor die Baupläne mit Hilfe eines Punktesystems, das Bewerber vor allem anhand sozialer Kriterien bewertet, an den Mann gebracht werden, gibt es noch Änderungen bei den Vergabekriterien: Diese haben mit der Holzbauoffensive und den Klimazielen der Stadt zu tun.

Weinstadt verpflichtet sich zum Städtebau mit Holz

Weinstadt möchte bis 2035 klimaneutral werden, um diesem ehrgeizigen Ziel näherzukommen, muss sich auch in den neuen Wohngebieten etwas ändern. Die Furchgasse soll auch im Hinblick auf die Holzbauoffensive ein Vorzeigeprojekt werden: einem umfassenden Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg, für das sich die Kommune im März auf einer zweiten Förderstufe qualifiziert hat.

In Hinblick auf dieses Förderprogramm ist es nicht nur wichtig, dass die neuen Gebäude in dem Wohngebiet künftig den Kriterien des European-Energy-Awards entsprechen. Da Weinstadt sich dem Städtebau auf der Basis von Holz verschrieben hat, soll dieser Rohstoff bei den Wohnhäusern auch so großflächig wie möglich zum Einsatz kommen.

Bei der Vergabe spielen jetzt nicht mehr nur soziale Kriterien eine Rolle

Bei zukünftigen Wohngebieten solle das Bauen mit Holz daher in den Bebauungsplan mitaufgenommen werden. Auch wenn das bei der Furchgasse nicht mehr möglich ist, soll der Anreiz zum „ökologischen und klimaneutralen Bauen“ in „vereinfachter Form“ in die Vergaberichtlinien aufgenommen werden. Nach dieser Änderung bekommen potenzielle Bauherren, die sich für einen Bauplatz in der Furchgasse bewerben, nicht mehr nur Punkte für soziale Kriterien wie zum Beispiel Wohnsitz und Arbeitsplatz in Weinstadt, für Kinder im eigenen Haushalt, ehrenamtliches Engagement und die aktuelle Wohnsituation. Punkte gibt es auch, wenn eine Person im Haushalt als nachweislich schwerbehindert gilt.

Anhand dieser Tabelle konnten Bewerber ursprünglich bis zu 210 Punkte erreichen, bei Punktgleichheit soll das Los entscheiden, wer den Bauplatz in der Furchgasse bekommt. Jetzt hat die Verwaltung dieses Punktesystem auf 260 erhöht: Bis zu 50 Punkte werden vergeben, wenn sich jemand bereiterklärt, ganz mit Holz zu bauen, 20 Punkte gibt es für eine Mischbauweise und immerhin noch 10 Punkte für die Verpflichtung zu einer größtenteils mit Holz verkleideten Fassade. Ein wichtiger Aspekt sei es außerdem, dass sich die künftigen Eigentümer verpflichten, so zu bauen, dass das Gebäude irgendwann auch wieder zurückgebaut werden kann, so Karlheinz Heinisch vom Liegenschaftsamt.

Kritik: Vorgaben gehören eigentlich in den Bebauungsplan

Dass die Häuslesbauer die zugesicherte Bauweise dann auch tatsächlich umsetzen und eine reine Holzbauweise nicht nur angeben, um sich im Wettbewerb um die Schnaiter Bauplätze einen Vorteil zu verschaffen, könne die Stadt künftig über die Bauanträge kontrollieren, so Heinisch. Die Vorgaben gelten in dieser Form nicht für diejenigen, die ihre Grundstücke von der Stadt zurückkaufen, und vorerst auch nicht für die beiden Grundstücke im Gebiet, auf denen ein Geschosswohnungsbau vorgesehen ist.

Die Stadträte stimmen der Erweiterung der Vergabekriterien mehrheitlich zu. Gegenwind gibt es aber auch, vor allem aus der Fraktion der Freien Wähler: So etwas sollte im Bebauungsplan stehen, nicht bei den Vergabekriterien, findet Armin Zimmerle. „Da ist die Holzbauweise fünfmal so viel wert wie die Betreuung eines Schwerbehinderten“, kritisiert sein Fraktionskollege Uwe Hoffmann.

Die GOL-Fraktion begrüßt zwar die Maßnahme, stimmt aber zu, dass so etwas im Bebauungsplan eigentlich besser aufgehoben wäre: „Aber da war der Zug jetzt schon abgefahren“, bringt es der Fraktionsvorsitzende Manfred Siglinger auf den Punkt.

Nachdem der Bebauungsplan für das Neubaugebiet „Furchgasse“ am Ortsrand von Schnait insgesamt dreimal offengelegt werden musste und erst im April endgültig beschlossen werden konnte, steht nun die Vergabe der Bauplätze kurz bevor. Das hat das Liegenschaftsamt in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats bekanntgegeben.

Bevor die Baupläne mit Hilfe eines Punktesystems, das Bewerber vor allem anhand sozialer Kriterien bewertet, an den Mann gebracht werden, gibt es noch Änderungen bei den

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