Weinstadt

Beim Gaspreis "trifft Sie der Schlag": Wie die Stadtwerke Weinstadt trotzdem optimistisch bleiben

Stadtwerke
Thomas Meier (links) und Alexander Vogel (rechts). © Gaby Schneider

Im Besprechungszimmer der Stadtwerke wirft ein Beamer eine Grafik an die Wand: Darauf ist eine blaue Linie zu sehen, die erst nur ganz gemächlich nach oben steigt und dann plötzlich exponentiell nach oben schießt: eine Verbildlichung der Strompreise an der Börse seit Anfang 2021.

Geschäftsführer Thomas Meier und Vertriebsleiter Alexander Vogel wissen: Es kommen schwere Zeiten auf die Stadtwerke Weinstadt zu. Trotzdem bleibt die Geschäftsleitung optimistisch.

Strompreis verdoppelt sich 2023

Auf den ersten Blick ist der aktuellen Situation wenig Positives abzugewinnen: Auch wenn sich für Bestandskunden beim Strom im laufenden Jahr keine Preiserhöhungen mehr ergeben würden, mit Januar 2023 seien dann auch die Kunden der Stadtwerke von den gestiegenen Preisen betroffen, sagt Thomas Meier. Zwar sei es das Bestreben des Betriebs, „für die Kunden rauszuholen, was nur geht“: Aber das ändere leider nichts daran, dass sich der Abschlag, den Kunden der Stadtwerke monatlich für ihren Strom zahlen, im Januar wohl mindestens verdoppeln wird.

„Wer bisher 60 Euro im Monat zahlt, bei dem sind es dann wahrscheinlich so um die 120 Euro“, kalkuliert der Betriebsleiter. Und die 60 Euro seien noch an der unteren Grenze angesetzt, ergänzt Alexander Vogel. Gerade Familien mit mehreren Kindern hätten jetzt schon einen deutlich höheren Verbrauch.

Günstigere Preise werden direkt weitergegeben - die Gasumlage aber auch

Thomas Meier verspricht aber: „Sobald die Preise runtergehen, gehen sie auch beim Kunden wieder runter.“ Man versuche, gerade in dieser schwierigen Zeit transparent zu handeln, betont er. Wie es auf keinen Fall laufen sollte, habe der Tankrabatt eindrücklich gezeigt: Dieser sei nie wirklich beim Verbraucher angekommen, entsprechend groß nun der Ärger über Ölkonzerne, die sich den Extragewinn – so der allgemeine Vorwurf – wohl selbst in die Tasche gesteckt haben.

Deswegen hätten die Stadtwerke auch die Aussetzung der EEG-Umlage, mit der die erneuerbaren Energien gefördert werden, direkt zu deren Beginn schon im Juli zu 100 Prozent an die Kunden weitergegeben und die Abschlagszahlungen auch direkt angepasst. Die Gasumlage müsse allerdings auch an die Kunden weitergegeben werden: „Das können wir als Unternehmen nicht tragen“, sagt der Vertriebsleiter.

Strom für laufendes Jahr noch 2021 eingekauft

Während einige Grundversorger in der Region ihre Strompreise zum 1. Oktober anheben, müssten Bestandskunden der Weinstädter Stadtwerke dieses Jahr keine höheren Preise fürchten: „Wenn der Kunde bei uns einen Vertrag abgeschlossen hat, haben wir die Energie schon eingekauft für den Zeitraum der Vertragslaufzeit“, erklärt Alexander Vogel. Hier gehe der Versorger kein Risiko ein - und deswegen zahlen Stromkunden für den 2021 günstiger eingekauften Strom auch weiterhin einen vergleichsweise moderaten Tarif.

Für das Jahr 2023 wird der Strom aber im laufenden Jahr eingekauft - und schon seit Jahresbeginn fährt der Strompreis an der Börse Achterbahn. Zu Jahresbeginn habe die Kilowattstunde beim Einkauf um die fünf Cent gekostet, zeigt der Geschäftsführer auf der Grafik.

Stadtwerke nehmen im Moment keine Neukunden an: Zu riskant

In den vergangenen Tagen haben die Preise kurzzeitig den bisherigen Höchststand von einem Euro erreicht. „Innerhalb von wenigen Tagen sind da Schwankungen von teilweise 50 Cent drin“, sagt Meier. „Das hat eine Dimension - die habe ich noch nie erlebt.“

Wegen dieser starken Schwankungen haben die Stadtwerke beim Strom dieses Jahr auch nur sehr begrenzt Neukunden aufgenommen - nämlich nur dann, wenn sich die Preise über mehrere Wochen einmal kurz stabilisiert hätten, erklärt der Geschäftsführer. Auch für Nicht-Kunden böten die Stadtwerke aber Beratungen an, betont der Geschäftsführer.

Bis Januar muss das Erdgas reichen

Doch noch ein ganzes Stück happiger sieht es beim Gas aus: „Da trifft Sie der Schlag“, so Thomas Meier mit Blick auf die aktuellen Preise. Wie die meisten anderen Kommunen im Kreis sei auch Weinstadt in hohem Maß von Erdgas abhängig - in allen Stadtteilen. Das trifft auch das Nahwärmenetz: Denn die Blockheizkraftwerke werden ebenfalls mit Erdgas betrieben.

Doch auch, wenn das Gas teuer wird und auch die Kosten für Öl und Pellets stark gestiegen sind: Dass Weinstädter im Winter im Kalten sitzen müssen, glaubt Thomas Meier nicht. Das Nahwärmenetz Benzach könne ohnehin im Notfall mit Öl oder auch Holz betrieben werden.

Für das zweite Netz in der Halde gehe das zwar nicht - aber die Stadtwerke haben für den Worst Case extra zwei komplette, mobile Ölheizsysteme in Schiffscontainern eingekauft. Diese sollen im schlimmsten Fall für warme Wohnungen sorgen. Geliefert werden die beiden Container allerdings erst im Januar - bis dahin muss das Erdgas also ausreichen.

Thomas Meier: Politik mit Hilfen und Ausbau der erneuerbaren Energien in der Pflicht

Der Geschäftsführer der Stadtwerke weiß: „Was die Energiepreise angeht, stehen wir erst am Anfang der Misere.“ Wie sich die Situation in den kommenden Jahren entwickeln werde, sei bestenfalls unberechenbar. Deswegen müsse jetzt jeder, Stadtwerke und Stadtverwaltung genauso wie Privathaushalte, wirklich Energie sparen, wo es nur gehe. Er sieht aber auch die Politik in der Pflicht: Zum einen sei eine Senkung der Mehrwertsteuer für alle Energieprodukte angebracht, zum anderen müsse es wirklich zielgerichtete Hilfen geben. Das heiße allerdings auch: „Wer selbst zahlen kann, soll das auch tun“, so Thomas Meier.

Langfristig noch wichtiger ist in seinen Augen aber der Ausbau der erneuerbaren Energien. Gerade Weinstadt habe hier viel Potenzial, einige ganz konkrete Projekte sind im Moment schon in Planung, so der Betriebsleiter. In vielen Fällen müsse die Politik für diese Maßnahmen aber erst einmal die Rechtsgrundlage schaffen.

Ein ausführlicher Bericht dazu, wie Stadt und Stadtwerke den Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen wollen, folgt in Kürze. 

Im Besprechungszimmer der Stadtwerke wirft ein Beamer eine Grafik an die Wand: Darauf ist eine blaue Linie zu sehen, die erst nur ganz gemächlich nach oben steigt und dann plötzlich exponentiell nach oben schießt: eine Verbildlichung der Strompreise an der Börse seit Anfang 2021.

Geschäftsführer Thomas Meier und Vertriebsleiter Alexander Vogel wissen: Es kommen schwere Zeiten auf die Stadtwerke Weinstadt zu. Trotzdem bleibt die Geschäftsleitung optimistisch.

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