Weinstadt

BMX-Verein Freebikers will Weinstadt verlassen

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Ein BMX-Fahrer der Freebikers Weinstadt. © Laura Edenberger
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So soll die neue BMX-Bahn der Freebikers Weinstadt aussehen.

Weinstadt/Kernen. Die Freebikers fordern von Weinstadt einen Zuschuss zum Bau ihrer neuen BMX-Bahn, um die geschätzten Mehrkosten von 80 000 Euro zu schultern. Vereinschef Thomas Schäfer ist bislang enttäuscht, auch weil sich die Stadt seit Monaten nicht mehr gemeldet hat. Die Freebikers überlegen deshalb, nach Kernen überzusiedeln: Ein Angebot der Gemeinde liegt bereits vor.

Wenn Thomas Schäfer von der Nachbargemeinde Kernen spricht, gerät er regelrecht ins Schwärmen. Bürgermeister Stefan Altenberger, sagt der Vorsitzende der Freebikers, habe seinen Verein sofort haben wollen. Der perfekte Platz wäre neben dem Bike-Parcours an der verlängerten Friedrichstraße, für den die Gemeinde 70 000 Euro investiert hat – und den die Mitglieder der Abteilung Bikesports der Sportvereinigung Rommelshausen nutzen können. Dort soll im Sommer mit dem Bau einer BMX-Bahn begonnen werden, inklusive eines Pumptracks, auf dem Mountainbikefahrer durchs Hochdrücken des Körpers aus der Tiefe Geschwindigkeit aufbauen, sowie einer Skate-Bowl, also einer Betonwanne, die viele akrobatische Tricks erlaubt. Problem: Im Moment fehlt noch ein Grundstück, um die BMX-Bahn so wettkampftauglich auszubauen, dass auch nationale Wettbewerbe ausgetragen werden können – genau so, wie es die Freebikers gerne hätten. Bürgermeister Altenberger ist auf Nachfrage unserer Zeitung bereit, Geld zu investieren, dazu müssten die Eigentümer aber einem Verkauf des fehlenden Grundstücks zustimmen. „Wir würden das machen.“

Großer Anreiz für Freebikers, Weinstadt zu verlassen

Mit Michael Gress, dem Leiter der aus 30 bis 35 Aktiven bestehenden Bikesports-Abteilung, hat Thomas Schäfer ebenfalls gesprochen – und dieser bestätigt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass er sich über einen Zusammenschluss mit dem 150 Mitglieder starken Weinstädter Verein freuen würde. Kurz und gut: Für Thomas Schäfer und seine Leute gibt es im Moment einen großen Anreiz, Weinstadt zu verlassen – denn von der Stadt im Allgemeinen und Oberbürgermeister Michael Scharmann im Besonderen fühlen sich nicht ausreichend unterstützt.

Weinstadt will das Gelände irgendwann verkaufen

Der Weinstädter Gemeinderat hat zwar in seiner Sitzung vom 30. November 2017 beschlossen, den Freebikers den großen Fußballplatz am Großheppacher Heuweg für ihre neue Bahn bereitzustellen – allerdings vom damaligen Zeitpunkt an gerechnet für nur acht Jahre. Die Stadt begründete dies damals damit, dass so weiter die Chance bestehen soll, das Areal irgendwann an einen Investor zu verkaufen, damit sich dort Gewerbe ansiedelt. Das bedeutet natürlich, dass die Anlage der Freebikers nach Ablauf dieser acht Jahre wieder abgerissen werden müsste, wenn das Areal bis dahin veräußert wurde. Aus diesem Grund, sagt Thomas Schäfer, gebe es vom Württembergischen Landessportbund (WLSB) keinen Zuschuss für den Bau der Bahn. „Die wollen eine Mindestlaufzeit von zwölf Jahren.“ Zwar hat Weinstadt im Oktober schriftlich eine Laufzeit von 15 Jahren in Aussicht gestellt – aber selbst mit einem Zuschuss des WLSB ist das Projekt laut den Freebikers finanziell nicht zu stemmen.

Verein kann laut eigenen Angaben nur etwa 20 000 Euro beisteuern

Der Verein wünscht sich daher auch eine Förderung durch die Stadt – denn mittlerweile geht er von geschätzten Kosten von 180 000 Euro aus. Das sind 80 000 Euro mehr als jene Summe, mit der Schäfer noch im Juni 2018 rechnete. Der Verein selbst kann laut seinen Angaben gerade mal 20 000 Euro beisteuern. Er hat zwar noch Sponsoren, aber auch die können die Finanzierungslücke nicht schließen.

Auf neuer Bahn wären Bike-Wettbewerbe auf nationaler Ebene möglich

Michael Gress von der Sportvereinigung Rommelshausen kann nachvollziehen, dass die Freebikers mit einem Umzug nach Kernen liebäugeln. Auch er versteht nicht, warum Weinstadt nicht Geld in die Hand nimmt, gerade im Vergleich zu manchen Gartenschauprojekten. „Vom Preis-Leistungs-Verhältnis finde ich die Bahn tausendmal besser.“ Schließlich sei es kein Gelände, das nur von Vereinsmitgliedern genutzt werden kann, sondern von allen.

So argumentiert auch Thomas Schäfer. Auf der neuen 350 Meter großen Bahn wären zudem Bike-Wettbewerbe auf nationaler Ebene möglich.

Und die Freebikers dürften endlich auch nach Regen trainieren, was derzeit wegen der fehlenden Drainage nicht möglich ist. Auch für den Hochwasserschutz sei es von Vorteil, wenn die alte Bahn abgerissen und versetzt auf dem jetzigen Fußballplatz neu gebaut wird.

Altenberger sagt Freebikers volle Unterstützung zu

Der Kernener Bürgermeister Stefan Altenberger will indes von seinem Bauamt prüfen lassen, ob eine wettkampftaugliche Bahn unter Umständen auch ohne den Kauf des momentan fehlenden Grundstücks möglich ist. Gleichzeitig möchte er weiter mit den Eigentümern verhandeln. Den Freebikers sagt er jedenfalls schon mal volle Unterstützung zu. „Wir bauen das, was die wollen.“ Eine Kooperation mit der Bikesports-Abteilung der Sportvereinigung begrüßt Altenberger ausdrücklich, auch mit Blick auf Synergieeffekte. „Es muss nicht in jeder Gemeinde so eine Bahn stehen.“


Das sagt Oberbürgermeister Scharmann

Den Freebikers ist Weinstadt aus Sicht von Oberbürgermeister Michael Scharmann bislang durchaus entgegengekommen. Er verweist auf ein Schreiben von Mitte Oktober 2018, in dem Liegenschaftsamtsleiter Karlheinz Heinisch dem Verein bereits eine Laufzeitverlängerung für die Nutzung der Anlage in Aussicht gestellt hat – und zwar von acht auf insgesamt 15 Jahre. Damit wäre der Weg frei für eine Förderung der BMX-Anlage durch den Württembergischen Landessportbund.

Auch eine finanzielle Förderung durch die Stadt will Scharmann nicht ausschließen, sofern die Freebikers dem Gemeinderat im Gegenzug eine Baukostenberechnung vorlegen. Dies sei bis jetzt nicht erfolgt. Der Oberbürgermeister bemängelt zudem, dass sich die Zahlwerte, die die Freebikers in den Gesprächen in den vergangenen drei Jahren zu den geschätzten Gesamtkosten nannten, immer wieder änderten. Dabei seien sie stets gestiegen, auf nunmehr 180 000 Euro.

Scharmann erinnert zudem daran, dass die Stadt auch immer alle Vereine im Blick haben muss, wenn sie eine Förderzusage trifft. Das Argument, dass die BMX-Bahn nicht umzäunt und damit von allen nutzbar sei, reicht für den OB nicht aus, um einen Zuschuss zu gewähren. Auch andere Vereine würden Dinge tun, von denen die Allgemeinheit profitiere.