Weinstadt

Corona-Frust in der Endersbacher Einkaufsstraße: Christian Hartmann spricht von "Zwangsenteignung"

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Christian Hartmann. © Sebastian Striebich

Erneut hat der Sprecher der Einzelhändler in der Endersbacher Einkaufsstraße, Unternehmer Christian Hartmann, scharfe Kritik an der deutschen Corona-Politik geübt. „Die Verlängerung des Lockdowns stellt die Uhren für den deutschen Einzelhandel endgültig auf 5 vor 12!“, schreibt Christian Hartmann, der ein Modegeschäft in der Ortsmitte betreibt, im sozialen Netzwerk Facebook.

Schon Mitte Dezember, kurz bevor er seinen Laden wegen des zweiten Lockdowns hatte schließen müssen, machte Christian Hartmann in einem offenen Brief seinem Ärger Luft. Er habe grundsätzlich Verständnis für die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, schrieb der Geschäftsmann damals, doch von den versprochenen Finanzhilfen komme bei ihm nichts an.

"Für viele EInzelhändler ist dies das endgültige Aus"

Jetzt, da feststeht, dass die Einzelhändler ihre Geschäfte frühestens im Februar wieder öffnen dürfen, legte der Weinstädter, der für kommenden Montag gemeinsam mit anderen Ladenbesitzern in der Einkaufsstraße eine Protestaktion plant, mit einem Brandbrief nach. „Weiterhin gibt es keine Bereitschaft der Politik, die von der staatlichen Zwangsschließung zum Wohle der Allgemeinheit betroffenen Betriebe ausreichend zu entschädigen“, schreibt Christian Hartmann auf seinem Facebook-Profil. „Leere Versprechen und eine kleine prozentuale Beteiligung an Fixkosten ist alles, was die Einzelhändler irgendwann erhalten sollen. Diese absolut unzureichenden Hilfen werden zwangsläufig zu einer drastischen Veränderung der deutschen Handelslandschaft führen. Für viele Einzelhändler ist dies das endgültige Aus.“

In den Nachrichten sei immer von „Solidarität“ die Rede, „Solidarität ist aber keine Einbahnstraße politischer Phrasendrescherei“, schreibt der Einzelhändler. Unternehmen müssten für die „Zwangsschließung“ entschädigt werden, „das Grundrecht zur Berufsfreiheit ist weiterhin ausgesetzt“. Die Politik habe bis heute keine Strategie gegen Corona entwickelt, es gelte das Prinzip Hoffnung. Bis März oder April und schon gar nicht darüber hinaus würden aber „große Teile des deutschen Einzelhandels“ nicht ohne ausreichende Hilfen überleben. Anstatt tatsächlicher Hilfszahlungen seien überwiegend Kredite ausgestellt worden: „Das ist also die Solidarität des Staates, die wirklich zurückkommt!“

„Haben diese Krise nicht verursacht“

Weiter schreibt Hartmann: „Wir haben diese Krise nicht verursacht. Wir haben den Verlauf der Krise nicht durch unsere Entscheidungen beeinflusst. Wir haben Hygienekonzepte umgesetzt und im Einzelhandel für sicheres Einkaufen gesorgt. Wir schließen auch unsere Geschäfte, wenn dies bei der Pandemiebekämpfung hilft. Wir zeigen Solidarität. Im Gegenzug kommen die völlig unzureichende Hilfe des Staates und die Beschränkung unserer Berufsfreiheit einer Zwangsenteignung gleich.“