Weinstadt

Corona-Impfung ohne Termin: Gigantischer Andrang bei Impfaktion in Weinstadt

Impfaktion Weinstadt
Mache standen über drei Stunden Schlange, um den Piks in den Arm zu bekommen. © Alexandra Palmizi

Autos, die auf dem Parkplatz ihre Kreise ziehen, weil auch die letzte Parklücke besetzt ist. Eine Schlange aus mehreren Hundert wartenden Menschen jeden Alters, die sich vom Eingang der Beutelsbacher Halle den Fußweg entlang bis vor zu den Parkplätzen zieht – Grund dafür ist der erste Weinstädter Termin der neuen Impfaktion von Landkreis und Kommunen.

Bei frostigen ein Grad Celsius standen die Menschen am Mittwoch teils über drei Stunden Schlange, um spontan ihre erste, zweite oder auch dritte Impfung zu bekommen. Viele wurden wieder heimgeschickt: Die zwei mobilen Impfteams des Klinikums Stuttgart hatten nicht für alle Zeit.

Ab jetzt wird hier jeden Mittwoch geimpft

„Sind Sie auch für die dritte Impfung hier? Und haben Sie Ihren Impfpass dabei?“ , fragt eine Helferin, die vorn am Eingang schon einmal die Dokumente der Wartenden durchsieht. Schließlich soll alles so schnell wie möglich gehen bei dieser ersten terminfreien Impfaktion hier in der Halle. Obwohl sich Interessierte hier ab jetzt jeden Mittwoch bis einschließlich 22. Dezember zwischen 14 und 18 Uhr impfen lassen können, werden die mobilen Impfteams bei diesem ersten Termin förmlich überrannt.

„Die Ersten standen wohl schon um 10 Uhr vor der Tür“, berichtet Anne Klein. Die Strümpfelbächerin gehört zu den ehrenamtlichen Helfern, die die Impfteams aus Stuttgart hier in der Halle unterstützen. Zu Beginn der Impfaktion um 14 Uhr sei sie einmal an der Schlange entlanggegangen. „Da standen ungefähr 300 Leute an“, berichtet sie.

Mehr als 200 Impfungen in vier Stunden nicht zu schaffen

Sie schätzt, dass seitdem weitere 200 dazugekommen sind. Um kurz nach halb vier haben immerhin um die 80 Menschen ihre Impfung erhalten. Verimpft werden die Impfstoffe Biontec Pfizer und Johnson & Johnson. „Die meisten haben wir aber wieder heimgeschickt“, sagt die Ehrenamtliche. Mehr als 200 Impfungen können die beiden Impfteams in den vier Stunden nämlich gar nicht schaffen.

Trotzdem kommen immer noch neue Leute an, stellen sich in der eisigen Kälte hinten in die Schlange. Manche sind warm eingemummelt in dicke Jacken, Schals und Mützen – sie haben anscheinend mit einer langen Wartezeit gerechnet. Andere scheinen vom kalten Wetter und dem hohen Andrang eher überrascht worden zu sein.

Hausarzt hat erst im Februar wieder Impftermine frei

Ein 38-Jähriger aus Kernen trägt nur eine dünne Jacke. Um warm zu bleiben, hüpft er in einem fort von einem Bein aufs andere, joggt auf der Stelle. Er steht weit hinten in der Schlange, ob er heute drankommt – es ist noch nicht sicher. Für ihn ist es die erste Impfung. „Und hoffentlich die letzte“, witzelt er. Warum er sich jetzt und hier dafür entschieden hat, sich impfen zu lassen?

„Es nervt einfach nur noch“, sagt er. Der Druck von der Gesellschaft und auch auf der Arbeit sei ihm einfach zu groß geworden. Die Impfaktion in Beutelsbach hat er im Internet gefunden. Er findet es gut, dass man hier keinen Termin braucht. „Ich habe bei meinem Arzt angefragt. Er meinte, erst im Februar gibt es wieder Termine“, berichtet der Kernener. Ob es ihn stört, hier in der Kälte zu warten? „Ich mache Sport, zum Warmbleiben. Das sieht man doch“, sagt der 38-Jährige gut gelaunt.

Kritik an der Organisation

Helmut und Erica Stilz aus Aichwald haben es derweil fast bis zum Eingang der Halle geschafft. Seit 12.30 Uhr steht das Ehepaar an, bald seit über drei Stunden. Sie wollen sich heute ihre Booster-Impfung holen. Sie hätten von der Impfaktion im Mitteilungsblatt gelesen und sich entschieden, hinzugehen – nachdem auch ihr Hausarzt in nächster Zeit keine Impftermine mehr freigehabt habe.

Mit ihnen steht auch Reinhard Weißner aus Schnait an, ebenfalls für die dritte Impfung. „Bei der Organisation ist noch Luft nach oben“, findet er. Dass es ein Angebot ohne Terminvereinbarung gibt, findet er an und für sich gut. Nur sollte es so etwas wie Nummern zum Ziehen geben. Damit nicht so viele Menschen umsonst stundenlang in der Kälte anstehen müssen.

Impfen für den Arbeitgeber

Die Frage nach der Organisation löst auch bei einer Gruppe jüngerer Wartender Gelächter aus. „Die sollten hier Glühwein und Punsch ausschenken, das wäre die Geschäftsidee“, scherzt ein junger Mann aus Endersbach.

Er und seine Frau schieben einen leeren Kinderwagen vor sich her – für das Kind haben sie spontan noch einen Babysitter gefunden, während der ersten Stunde Wartezeit. Zum Glück. Auch sie sind für die erste Impfung hier. „Fürs Geschäft eben“, sagt der Endersbacher knapp. Und wenn er sich impfen lässt, sollte sie das auch tun, findet seine Frau. Die Endersbacherin sagt: „Sonst macht’s ja keinen Sinn."

Autos, die auf dem Parkplatz ihre Kreise ziehen, weil auch die letzte Parklücke besetzt ist. Eine Schlange aus mehreren Hundert wartenden Menschen jeden Alters, die sich vom Eingang der Beutelsbacher Halle den Fußweg entlang bis vor zu den Parkplätzen zieht – Grund dafür ist der erste Weinstädter Termin der neuen Impfaktion von Landkreis und Kommunen.

Bei frostigen ein Grad Celsius standen die Menschen am Mittwoch teils über drei Stunden Schlange, um spontan ihre erste, zweite oder

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