Weinstadt

Corona-Krisenfall in Weinstadt: Oberbürgermeister Michael Scharmann in Quarantäne, Infektionsherd bei den Stadtwerken

Scharmann Corona
Oberbürgermeister Michael Scharmann (Archivfoto) © Gabriel Habermann

In der Stadtverwaltung von Weinstadt herrscht der Ausnahmezustand: Sowohl Oberbürgermeister Michael Scharmann als auch Erster Bürgermeister Thomas Deißler sowie fünf Amtsleiter befinden sich in angeordneter häuslicher Quarantäne. Sie sind direkte Kontaktpersonen eines positiv getesteten Mitarbeiters des Baudezernats. Infiziert hat dieser sich möglicherweise bei einer Besprechung in den Stadtwerken Weinstadt: Wie sich jetzt herausgestellt hat, haben sich dort gleich mehre Mitarbeiter mit Covid-19 angesteckt. Aus dem Desaster ergeben sich viele Fragen: Ist die Verwaltung überhaupt noch handlungsfähig? Wie steht es um die Versorgungssicherheit? Welche Folgen hat der positive Fall für die Besucher der Gemeinderatssitzung am vergangenen Donnerstag in der Jahnhalle?

Infizierte Person saß in der Jahnhalle – mit 60 weiteren Personen

An dieser Sitzung hatten schließlich neben 22 Gemeinderäten auch OB, Erster Bürgermeister, 24 Mitglieder der Verwaltung, darunter die infizierte Person aus dem Bauamt, und 13 Besucher teilgenommen. Insgesamt haben sich also 61 Personen in der Jahnhalle aufgehalten, an den Sitzplätzen ohne Mund- und Nasenschutz, wenn auch mit großem Abstand untereinander. Es seien jetzt „in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt alle engen Kontaktpersonen der vergangenen Tage ermittelt und kontaktiert“ worden, heißt es aus dem Rathaus. Für alle weiteren Teilnehmer der Gemeinderatssitzung bestehe nach Einschätzung des Gesundheitsamts "aufgrund der eingehaltenen Abstands- und Hygieneregeln keine nennenswerte Wahrscheinlichkeit auf eine Infektion und somit auch keine Veranlassung für weitere Maßnahmen". Dennoch seien von der Stadtverwaltung alle Teilnehmer der Sitzung vorsorglich informiert worden – „verbunden mit der Bitte, in den vergangenen Tagen aufgetretene oder in den nächsten Tagen noch auftretende Symptome einer Covid-19-Erkrankung sofort durch einen Test abklären zu lassen.“

Bei der Stadtverwaltung selbst sind bislang keine weiteren positiven Fälle bekannt. Erste Corona-Schnelltests sind allesamt negativ ausgefallen, einige Mitarbeiter warten noch auf ihre Ergebnisse und befinden sich in freiwilliger Quarantäne. In den Weinstädter Verwaltungsgebäuden herrscht schon seit der ersten Corona-Welle im Frühjahr überall Maskenpflicht, wo sich Mitarbeiter begegnen: auf den Fluren, beim Weg zum Kopierer oder an die Kaffeemaschine. Nur am Platz und in Besprechungen, wenn großer Abstand eingehalten werden könne, würde die Maske abgelegt, berichtet Pressesprecher Holger Niederberger auf Nachfrage unserer Zeitung. Hinzu kommen Trennwände und die Anweisung, viel zu Lüften.

Scharmann und Deißler sind Kontakpersonen ersten Grades

Und doch: Als direkte Kontaktpersonen des infizierten Mitarbeiters im Baudezernat, der offenbar die üblichen Symptome eines an Covid-19 Erkrankten zeigt, hat das Gesundheitsamt sowohl Oberbürgermeister Michael Scharmann als auch seinen Stellvertreter, den Ersten Bürgermeister und Bauamtschef Thomas Deißler, identifiziert. Hinzu kommen fünf Amtsleiter, vier davon aus dem Baudezernat. Wie steht es also um die Funktionalität der Stadtverwaltung?

Diese sei sichergestellt, teilt der Pressesprecher mit: Oberbürgermeister, Erster Bürgermeister und andere Amtsträger arbeiteten fast ohne Einschränkungen im Homeoffice weiter. Lediglich persönliche Termine und Besprechungen seien nicht mehr möglich. Die technischen Rahmenbedingungen für die Heimarbeit habe die Verwaltung bereits im März getroffen, um im Corona-Notfall reagieren zu können – jetzt ist dieser Notfall eingetreten.

Wie konnte es bei den Stadtwerken zu acht Infektionen kommen?

Der Ursprung des Desasters liegt möglicherweise bei den Stadtwerken, wo man sich jetzt die Frage gefallen lassen muss, ob die Maßnahmen zum Infektionsschutz ausreichen – beziehungsweise ob diese Regeln auch befolgt wurden. Schließlich sind im städtischen Eigenbetrieb gleich acht Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Wie es dazu kommen konnte, werde derzeit intensiv untersucht, heißt es aus dem Rathaus. Die Versorgungssicherheit sei allerdings nicht in Gefahr: Telefonisch und per E-Mail seien die Stadtwerke weiterhin zu erreichen, ebenso könne das Kundenonlineportal unter www.stadtwerke-weinstadt.de genutzt werden.

Findet eine Gemeinderatssitzung erstmals digital statt?

Für den Besucherverkehr sind jedoch sowohl die Stadtwerke als auch das Technische Rathaus bis auf weiteres geschlossen. Die für diesen Donnerstag geplante Sitzung des Technischen Ausschusses fällt aus, auch die Sitzung des Gemeinderats am Donnerstag, 10. Dezember, wird nicht stattfinden. Als möglicher Ersatztermin wurde von der Stadtverwaltung der Donnerstag, 17. Dezember, festgelegt. Dabei könnte es zu einer digitalen Premiere kommen: „Sollte sich aufgrund des Infektionsgeschehens eine Gremiensitzung in gewohnter Präsenzform an diesem Tag nicht realisieren lassen, erwägt die Verwaltung, zumindest einen Teil der Tagesordnungspunkte in Form einer Videokonferenz-Sitzung abzuhalten. Hierfür bietet § 37a der Gemeindeordnung die entsprechende Rechtsgrundlage“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt.

In der Stadtverwaltung von Weinstadt herrscht der Ausnahmezustand: Sowohl Oberbürgermeister Michael Scharmann als auch Erster Bürgermeister Thomas Deißler sowie fünf Amtsleiter befinden sich in angeordneter häuslicher Quarantäne. Sie sind direkte Kontaktpersonen eines positiv getesteten Mitarbeiters des Baudezernats. Infiziert hat dieser sich möglicherweise bei einer Besprechung in den Stadtwerken Weinstadt: Wie sich jetzt herausgestellt hat, haben sich dort gleich mehre Mitarbeiter mit

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