Weinstadt

Corona-Test vor Globus Weinstadt: Sabine Moder ist Testerin mit Herz und Humor

Schnelltestzentrum
Den Abstrich macht Sabine Moder (52) im vorderen Nasenraum – in beiden Nasenlöchern und durchaus gründlich. © Alexandra Palmizi

Wer einen Schnelltest machen will, muss sich dafür erst online anmelden und einen Termin ausmachen? Nicht beim Testzelt vor dem Globus. Hier empfängt Testerin Sabine Moder aus Remshalden ihre „Patienten“ gerne mit aufmunternder Musik, mit Kindern singt sie gerne erst einmal das Pippi-Langstrumpf-Titellied. Die Datenerfassung funktioniert mit Stift auf Papier, auch die Testbescheinigung gibt es händisch unterzeichnet in Papierform.

Abstriche machen statt Baumklettern

Sabine Moder hat eine offene, herzliche, aber auch durchaus energische Art. Bei ihr wird schnell klar: Diese Frau macht keine halben Sachen. Von Beruf ist die 52-Jährige eigentlich Landschaftsgärtnerin, ihr Betrieb „Flora-Moder“ hat seinen Sitz in Grunbach. Im Winter ist mit Landschaftspflege aber nicht viel los.

In der Vergangenheit habe sie sich in der kalten Jahreszeit als Baumkletterer in der Baumpflege betätigt, erzählt Sabine Moder. Inzwischen sei die dafür vorgeschriebene Ausrüstung aber so teuer, dass sie dieses Gewerbe lieber einem Subunternehmer überlasse.

Sie wollte die Zahlen mit eigenen Augen sehen

Diesen Winter hatte die 52-Jährige deshalb viel freie Zeit. Und eine Frage treibt sie um: Sie möchte mit eigenen Augen sehen, wie viele positive Coronafälle es wirklich hier in der Gegend gibt, und es nicht nur jeden Tag von verschiedenen Medien gesagt bekommen.

„Ich wollte die Zahlen mit meinen eigenen Augen sehen“, sagt Sabine Moder. Und sie möchte selbst etwas tun, um die andauernde Pandemie zu bekämpfen.

Über Kunden angeworben worden

Dann habe ihr ein Kunde erzählt, dass die von der Hubertus-Apotheke in Leinfelden-Echterdingen und L-TV-Chefredakteur Ulrich Borawski in Kooperation betriebenen Testzentren noch Personal suchen – und hat sich beim DRK in Schorndorf zur Testerin für Antigen-Schnelltests, aber auch für PCR-Tests schulen lassen.

Für die Hubertus-Apotheke war sie dann zeitweise als Testerin bei einer Teststation am Zeppelinplatz in Leinfelden-Echterdingen im Einsatz. Bis sie sich dann schließlich an ihre Chefs gewandt habe und gefragt habe: „Wieso machen wir nicht einfach ein Zelt beim Globus auf?“

Kooperation von Fernsehmensch und befreundetem Apotheker

Gesagt, getan: In Zusammenarbeit mit der Marktleitung des Weinstädter Globus-Baumarkts nimmt das neue Testzelt, in dem Sabine Moder und zwei Aushilfen die Abstriche machen, kurz nach Neujahr den Betrieb auf. Wie auch die Teststationen in Leinfelden-Echterdingen wird das Testzelt vor dem Globus von Hubertus-Apotheker Markus Hobler und L-TV-Chefredakteur Ulrich Borawski betrieben.

Wie es zu dieser etwas eigenwilligen Kooperation gekommen ist, kann Ulrich Borawski einfach erklären: Ihn habe es immer mehr gestört, dass Schnelltestzentren wie Pilze aus dem Boden geschossen seien, teils betrieben von unseriösen Anbietern mit schlecht geschultem Personal und Billig-Testkits aus dem Internet.

PCR-Tests auch für Selbstzahler

Deshalb habe er sich schließlich mit dem befreundeten Apotheker zusammengetan und eigene Testzentren auf die Beine gestellt. In diesen bieten die Kooperationspartner Schnelltests und PCR-Tests an - für Selbstzahler kosten diese in Endersbach 79 Euro.

Bei ihnen gebe es nur hochwertige Tests, die direkt über die Apotheke bezogen werden, und gut geschultes Personal, verspricht Ulrich Borawski. Auch auf Hygiene lege man sehr großen Wert: Sabine Moder schrubbt das Testzelt zweimal am Tag mit Desinfektionsmittel aus.

Sabine Moder: "Ich fühle mich wie ein Pfarrer"

Die engagierte Testerin hat sich zu einer echten lokalen Berühmtheit entwickelt: Die Globus-Mitarbeiter kennen sie längst und grüßen sie freundlich, wenn sie am Testzelt vorbeigehen. Doch auch viele Kunden kennen die Grunbacherin schon und nicken ihr zu.

Denn in „ihrem“ Testzelt geht es um mehr als nur die Anzahl der Striche auf der Testkassette: Dadurch, dass die Corona-Tests hier ohne Voranmeldung und Taktung angeboten werden, kann sich die 52-Jährige viel Zeit für ihre Testlinge nehmen. Und das tut sie auch: „Ich fühle mich inzwischen eigentlich wie ein Pfarrer“, sagt Sabine Moder. Denn viele Leute haben ihrer Erfahrung nach zurzeit großen Gesprächsbedarf – und freuen sich darüber, dass die Testerin ein offenes Ohr für ihre Sorgen hat.

Mit den Kindern erst mal etwas singen

Sabine Moder empfängt die Menschen gerne im Testzelt, indem sie fröhliche Musik abspielt. Gerade Kinder seien oft doch schon ziemlich nervös, wenn sie sich von einer vermummten Person ein Stäbchen in die Nase stecken lassen sollen.

Dann setze sie sich erst einmal mit den Kleinen hin und singe mit ihnen. „So hole ich die dann ein bisschen runter.“ Das Singen mit Maske sei auch okay, das habe sie extra im Vorfeld abgeklärt, so die 52-Jährige. Für die Kinder gibt es nach dem Test einen Lolli, für besonders angespannte Erwachsene habe sie auch immer eine Kleinigkeit da, etwa Schokolade.

Manchen bringt ein positives Testergebnis ganz schön aus der Fassung

Denn gerade wenn das Testergebnis positiv zurückkommt, könne das auch Erwachsene mal ganz schön aus der Fassung bringen. Besonders eindrücklich erinnert sich die 52-Jährige an den Fall eines Ehepaars, das am runden Geburtstag des Mannes spontan kurz vor der Familienfeier noch einen Test bei ihr gemacht habe – eigentlich nur zur Sicherheit. Der Schnelltest des Geburtstagskindes kam positiv zurück. Der vor Ort gemachte PoC-PCR-Test kurz darauf auch.

Die Ehefrau dagegen habe ein negatives Testergebnis gehabt. Der Mann, der geimpft, geboostert und sogar in der Vergangenheit schon einmal mit Corona infiziert gewesen sei, sei mit den Nerven völlig am Ende gewesen. Und auch sie als Testerin habe das nicht kalt gelassen. „Da war ich den Tränen sehr nah“, sagt Sabine Moder. Es ist eben auch ein emotionaler Job, der ihr jeden Tag sehr nahe geht.

Keiner bekommt so viel Trinkgeld wie sie

Sabine Moders besonderer Einsatz kommt bei den Leuten gut an, bestätigt Ulrich Borawski: Kein anderer Tester in keinem der Testzentren, die er gemeinsam mit Apotheker Markus Hobler betreibt, bekomme derartig großzügig Trinkgeld und Geschenke von den getesteten Personen.

Dieses Phänomen habe auch nichts mit dem Standort vor dem Globus in Endersbach zu tun – in Leinfelden-Echterdingen sei es genau das Gleiche gewesen, berichtet Ulrich Borawski. Dennoch wird Sabine Moder dem Testzelt vor dem Globus wohl nicht auf ewig erhalten bleiben: Das Tagesgeschäft in der Gartengestaltung rollt jetzt im Frühjahr langsam, aber sicher wieder an. Dann werde sie sich nach und nach aus dem Testgeschäft zurückziehen, kündigt Sabine Moder an.

Wer einen Schnelltest machen will, muss sich dafür erst online anmelden und einen Termin ausmachen? Nicht beim Testzelt vor dem Globus. Hier empfängt Testerin Sabine Moder aus Remshalden ihre „Patienten“ gerne mit aufmunternder Musik, mit Kindern singt sie gerne erst einmal das Pippi-Langstrumpf-Titellied. Die Datenerfassung funktioniert mit Stift auf Papier, auch die Testbescheinigung gibt es händisch unterzeichnet in Papierform.

Abstriche machen statt Baumklettern

Sabine

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper