Weinstadt

Der Schnaiter Kirbe-Jahrgang: Jugendliche aus Weinstadt halten an Tradition fest

Kirbejahrgang
Von links: Lia-Sophie (18), Nanzi (19), Pia (19), Annika (19), Jule (19) und Nick (18) vom grünen Kirbejahrgang mit ihren Rätschen. © Gabriel Habermann

Jedes Jahr bekommen Schnaiter Jugendliche, die in einem bestimmten Jahr eingeschult worden sind, einen besonderen Brief zugestellt – dabei handelt es sich aber nicht etwa um Post von der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei, sondern um die Einladung der Stadt an den frisch volljährig gewordenen Jahrgang, beim grünen Kirbejahrgang mitzumachen.

Auch die Kirbe fiel der Corona-Pandemie zum Opfer

Ein Jahr lang treffen sich die Jahrgangsmitglieder dann regelmäßig, planen gemeinsam Feste und richten zum krönenden Abschluss mit Unterstützung des Schnaiter Kirbevereins die Kirbe im folgenden Sommer gemeinsam aus. So zumindest das Konzept: Wegen Corona konnte die Tradition seit 2019 nicht mehr so stattfinden, wie sie in Schnait und anderen Orten im Remstal seit vielen Jahrzehnten gelebt worden ist.

2021 konnte die Schnaiter Kirbe zwar wieder stattfinden – an der frischen Luft und mit einigen Einschränkungen. Die Jahrgänge 2000 bis 2002 hatten sich hierfür zusammengetan. Dieses Jahr ist der Jahrgang 2002/2003, also alle Jugendlichen in Schnait, die zwischen September 2002 und September 2003 geboren sind, an der Reihe: Die Kirbe findet von Freitag, 26. August, bis Sonntag, 28. August, statt. Doch was motiviert die jungen Erwachsenen überhaupt, sich in dieser Form für ihren Ort einzubringen?

Die Jugendlichen wollen die Tradition am Leben halten

Nick, Jule, Annika, Pia, Nanzi und Lia-Sophie sind einige der Schnaiter Jugendlichen, die sich dazu entschieden haben, aktiv beim diesjährigen Kirbejahrgang mitzuwirken. Alle sind sie in Schnait fest verwurzelt, die meisten von ihnen sind sogar gemeinsam zur Grundschule gegangen. Erst später hätten sich die Wege dann nach und nach getrennt, sagt Nanzi (19).

Dass sie im Kirbejahrgang Gleichaltrige wiederfinden, die sie irgendwie schon ihr ganzes Leben kennen, oft aber doch aus den Augen verloren hatten, ist für die jungen Erwachsenen ein wichtiger Grund, wieso sie der Einladung der Stadt gefolgt sind.

Schon ihre Eltern haben mit ihrem Jahrgang die Kirbe gefeiert

Doch noch etwas anderes hat sie dazu bewegt: „Hauptsächlich wegen der Tradition“, sagt die 19-jährige Jule. Ihre Jahrgangskollegen nicken zustimmend. Sie alle haben älteren Jahrgängen dabei zugeschaut, wie sie ein Jahr lang mit ihren Freunden gefeiert haben, kennen es auch aus der eigenen Familie: Schon ihre Mutter habe damals mit ihrem Jahrgang bei der Schnaiter Kirbe mitgemischt und ihr sofort gesagt: „Mach das auf jeden Fall!“, sagt Lia-Sophie (18). Die Jugendlichen sind sich einig: Die Kirbe ist ein Brauchtum, das es zu erhalten gilt.

Es war trotzdem für alle ein ungewisser Start ins Kirbejahr im Herbst 2021: Der zweite Corona-Winter mit Kontaktbeschränkungen, 3G, 2G und 2G plus stand vor der Tür - nicht die besten Voraussetzungen, um gesellige Feste zu planen. „Wir durften uns nicht viel treffen“, erinnert sich Annika. Bei ihrer ersten größeren Veranstaltung, dem Martini-Markt im November, mussten 2G-Nachweise kontrolliert werden. Das sei ein großer Aufwand gewesen und es seien auch nicht sehr viele Leute gekommen, so die Kirbejahrgangsvorsitzende.

Corona, Kontaktbeschränkungen und 2G: Ein ungewisser Start

Auch bei den folgenden Veranstaltungen herrschte weiterhin große Ungewissheit. „Wir wussten gar nicht, was wir bekommen und zu welchen Preisen“, so der 18-jährige Nick. Trotzdem bestand die erste „Amtshandlung“ des grünen Kirbejahrgangs im vergangenen Herbst darin, das Kabarett und die Band für die Kirbe 2022 zu buchen: Jetzt sind alle froh, dass ihnen Corona nicht doch noch einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

Denn ab dem Frühjahr trat endlich wieder mehr Normalität ein: Das Maibaumaufstellen und die Maibaumhocketse – ein erster großer Erfolg für den Kirbejahrgang, der den sechs Jugendlichen sehr positiv in Erinnerung geblieben ist. „Das war ein richtig großes Fest“, sagt Jule.

Ein bisschen schade sei es trotzdem, dass sich erst jetzt gegen Ende die fröhliche Geselligkeit einstellt, die andere Kirbejahrgänge vor Corona schon das ganze Jahr erleben durften, findet Pia (19): „Jetzt am Ende ist unsere Anfangszeit.“

Kurz vor Beginn der Kirbe laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren

Am Mittwoch vor dem Kirbewochenende, das am Freitag beginnt, stecken die sechs noch mitten in den letzten Vorbereitungen. Es gilt noch zu klären, welcher Lieferant wann kommt, wo die Kühlschränke eingesteckt werden, wer die Lieferungen wann annimmt und was auf jeden Fall vor Beginn der eigentlichen Festivitäten noch von zu Hause mitgebracht werden muss, erklärt die 19-jährige Annika. Gemeinsam mit der gleichaltrigen Jule steht sie dem Kirbejahrgang 2002/03 vor.

Am Dienstagabend ist die Bühne geliefert worden, auf der am Freitagabend zum Auftakt der Kirbe wie jedes Jahr ein Kabarett stattfindet und am Samstagabend, 27. August, die Band bei der großen Kirbeparty spielt. Wie auch im Vorjahr finden alle Veranstaltungen im Freien statt, rund um die Schnaiter Halle.

Fahrten auf dem Kirbewagen: Ein großer Spaß

Die Vorfreude auf die Schnaiter Kirbe ist bei allen Organisatoren groß. Dafür sorgen nicht zuletzt auch die ebenfalls traditionellen Fahrten auf dem Wagen quer durch Weinstadt zwei Wochen vor dem großen Fest: Etwa die Hälfte der Jugendlichen darf jeweils auf dem Anhänger mitfahren, der von einem Vater mit dem Traktor gezogen wird.

Zwei Wochen lang von Montag bis Samstag und bis zum Donnerstag vor der Kirbe geht es dann jeden Abend ab 18 Uhr mit Wein und Gesang von Wirtschaft zu Wirtschaft. Für die Jugendlichen sind die Fahrten ein echtes Highlight - auch, weil es dabei manchmal ganz schön hoch hergeht. Der Fahrer schaut deswegen auch tagsüber mal nach seinen Schützlingen: „Alles fit? Keiner verletzt?“, fragt er in die Runde. Alle lachen.

Sie wollen Jung und Alt ein Lächeln ins Gesicht zaubern

Ein bisschen über die Stränge schlagen - das muss jetzt nach zwei Jahren Pandemie und Home-Schooling schon mal sein. Dafür haben auch die Leute im Ort Verständnis, glauben die Jugendlichen. Das Echo sei eigentlich durchweg positiv, auch während der Wagenfahrten. „Die finden es cool, dass wir das machen“, sagt Nick. „Und sie spendieren uns auch gerne etwas“, ergänzt Nanzi und grinst.

Das sei eigentlich das Schönste am Kirbejahr, findet Annika: „Von Jung bis Alt jedem ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, fasst sie es zusammen. Jetzt hoffen alle, dass das Wetter ihnen am Wochenende gnädig gestimmt ist. Am Mittwoch sind sich die verschiedenen Wetterberichte deswegen noch nicht ganz sicher. Aber die Organisatoren sind optimistisch: „Das regnet nicht“, sagt die Jahrgangsvorsitzende Jule bestimmt.

Jedes Jahr bekommen Schnaiter Jugendliche, die in einem bestimmten Jahr eingeschult worden sind, einen besonderen Brief zugestellt – dabei handelt es sich aber nicht etwa um Post von der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei, sondern um die Einladung der Stadt an den frisch volljährig gewordenen Jahrgang, beim grünen Kirbejahrgang mitzumachen.

Auch die Kirbe fiel der Corona-Pandemie zum Opfer

Ein Jahr lang treffen sich die Jahrgangsmitglieder dann regelmäßig, planen

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