Weinstadt

Die Stadtbücherei ist so beliebt wie noch nie: Wer sind die Top-Ausleiher und was lesen sie am liebsten?

Ausleihkönige
Drei Spitzenausleiher, eine Familie: Michaela Pendes mit Luis (9) und Sara (11). © Benjamin Büttner

Die Kultur-Branche ist von der Corona-Pandemie schwer gebeutelt: Veranstaltungen müssen ausfallen, Autoren können keine öffentlichen Lesungen abhalten, im ersten Lockdown mussten auch Büchereien fünf Wochen lang geschlossen bleiben. Umso erstaunlicher sind die Zahlen, die die Weinstädter Stadtbücherei vor kurzem dem Gemeinderat präsentiert hat: Die Bücherei hatte dieses Jahr so viele Ausleihen wie noch nie.

„Das Schöne bei uns ist, dass wir seit 2015 jedes Jahr mehr Ausleihen haben“, freut sich Bibliothekarin Christina Kammerer. Als im Frühjahr bekanntgeworden sei, dass auch Büchereien fürs Erste schließen müssen, habe ein regelrechter Ansturm auf die Stadtbücherei stattgefunden: „Die haben uns die Regale echt leer geräumt.“ Kaum war die Bücherei wieder offen, wurde erneut fleißig ausgeliehen. „Wir haben die Zeit der Schließung schnell wieder wettmachen können“, sagt Christina Kammerer. Somit hat die Bücherei nicht nur genauso viele Bücher, Filme, CDs und andere Medien wie im coronafreien Vorjahr verliehen, sondern sogar stolze 10 000 mehr: insgesamt circa 215 000 Medien.

Zwei Familien sind Top-Besteller

Aber wer sind die Menschen, die durch ihre Liebe zum Lesen für diese tollen Zahlen gesorgt haben? Zu den absoluten Top-Ausleihern der Weinstädter Stadtbücherei gehören die Familien Pendes und Ruprecht. Beide wohnen nicht weit entfernt von der Bücherei, so dass die Kinder, die natürlich längst ihre eigenen Ausweise haben, auch mal selbstständig herkommen können, um sich neuen Lesestoff zu holen oder zu Ende gehörte Hörspiele zurückzubringen.

Michaela Pendes kommt mit ihren beiden Kindern Luis und Sara alle paar Wochen in die Bücherei. Beide haben natürlich auch einen eigenen Bibliotheksausweis. Seit ihre Tochter in den Kindergarten gekommen sei, leihe sie hier regelmäßig Bücher aus. „Wir kommen seit acht Jahren her“, verkündet der neunjährige Luis stolz. Die elfjährige Sara freut sich momentan besonders darauf, die weiteren fünf Bände ihrer neuen Lieblingsreihe „Woodwalkers“ auszuleihen. Den ersten Band hat sie zum Geburtstag geschenkt bekommen. Ansonsten leiht sie gerne Pferdebücher oder Bände der Mädchen-Krimi-Reihe „Die drei Ausrufezeichen“ aus.

Aber auch an echte Klassiker der Kinderbuch-Literatur traut sich das Mädchen heran: Neulich hat sie „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner ausgeliehen. „Am Anfang fand ich die Sprache komisch, aber dann hat es mir richtig gut gefallen“, erzählt Sara.

„Bis vor kurzem habe ich für die beiden auch viele Leselern-Bücher ausgeliehen“, erzählt Michaela Pendes. Jetzt ist auch ihr Sohn in dem Alter angekommen, in dem er anfängt, selbstständig Bücher zu lesen. Luis gefällt gerade besonders die Kinderbuch-Reihe „Das magische Baumhaus“. Die Bücher sind spannend und einfach geschrieben, findet seine Mutter.

In der Bücherei treffen sich die Leute

Dass ihre Familie regelmäßig in die Bücherei geht, finden die beiden Kinder völlig normal. Auch viele ihrer Klassenkameraden würden Bücher ausleihen gehen. „Hier in der Bücherei treffen wir immer viele Bekannte von uns“, bestätigt ihre Mutter. Für sich selbst leiht Michaela Pendes auch gerne etwas aus. „Für mich ist das Roman-Regal“, sagt die Mutter.

Bei ihren Kindern stehen gerade auch die Hörspiele hoch im Kurs: „Gerade für Sara ist es toll, dass sie hier CDs ausleihen kann – und dass sie so viele CDs ausleihen kann.“ Das Mädchen grinst. Annette Ruprecht hat zwei Söhne im Teenager-Alter und eine sechsjährige Tochter. Die Kleine hat jetzt zur Einschulung ihren ersten eigenen Bibliotheksausweis bekommen – in der Vielleser-Familie eine Selbstverständlichkeit. Die Familie kommt etwa alle zwei Wochen, um auszuleihen. Dabei kommt so einiges zusammen: „Das sind schon mal an die 45 Medien, die wir dann wieder zurückbringen müssen“, erzählt Annette Ruprecht.

Auch die Teenager-Söhne leihen regelmäßig aus

Sie selbst habe schon als Kind sehr viel gelesen. Das Ritual, vor dem Schlafengehen noch ein Buch in die Hand zu nehmen, hat sie bis heute beibehalten. Für sich selbst leiht sie gerne Romane und Krimis aus, aber auch christliche Literatur, Ratgeber, Koch- und Backbücher. „Hier aus dem Regal mit den Reiseführern haben wir vor dem Urlaub auch schon sehr oft etwas ausgeliehen“, sagt die Weinstädterin. „Das Einzige, was ich nicht ausleihe, sind Fantasy-Bücher.“

Für ihre Tochter holt sie oft stapelweise Kinderbücher, aus denen über den Tag verteilt vorgelesen wird. Das hat sie auch mit ihren Söhnen so gemacht – vielleicht liegt es daran, dass die beiden 14- und 16-Jährigen auch jetzt noch nicht zu „cool“ sind, um die Nase in ein Buch zu stecken. Auch der Vater liest gerne – der habe allerdings weniger Zeit dafür als der Rest der Familie.

Besonders schätzt Annette Ruprecht an der Weinstädter Bücherei die große Auswahl an Büchern und anderen Medien: „Sie ist einfach gut sortiert, und wenn man mal etwas nicht findet, kann man jederzeit fragen.“ Über die Bücherei-App oder einfach online Bücher vorbestellen zu können, findet sie ebenfalls sehr praktisch. Gerne stöbert sie auch mal bei den DVDs nach Filmen, die auf den großen Streaming-Portalen eben oft nicht erhältlich sind. „Die Bücherei hat viele Filme mit dem Prädikat 'Besonders wertvoll', das finde ich gut.“

Ausleihen ist nachhaltiger als Kaufen

Als Familie mit drei jungen Kindern hat die Familie Ruprecht einen Landesfamilienpass – dadurch muss keiner von ihnen in der Bücherei Ausleihgebühren zahlen. „Das macht das Ganze natürlich noch attraktiver, obwohl die Jahresgebühr ja wirklich nicht hoch ist und ich auch schon viel ausgeliehen habe, als meine Tochter noch nicht geboren war“, sagt Annette Ruprecht. Sie findet es auch einfach viel nachhaltiger, ausgeliehene Bücher zu lesen statt ständig neue zu kaufen, die dann im Regal verstauben.

Die Ausleihgebühr beträgt für Erwachsene normalerweise zehn Euro im Jahr. Ehepaare oder Pärchen zahlen 15 Euro für zwei Ausweise. Kinder, Studenten und Auszubildende müssen keine Gebühren zahlen. „Wir bemühen uns, immer neue Medien mit aufzunehmen“, sagt Bibliothekarin Christina Kammerer. Sie glaubt, dass auch die Herbstblätter-Veranstaltungsreihe mit ihren Autoren-Lesungen, die dieses Jahr leider nicht stattfinden kann, viel zur Beliebtheit ihrer Bücherei beigetragen hat. „Das hat sich rumgesprochen, so konnten wir schon einige neue Kunden gewinnen.“

Die Kultur-Branche ist von der Corona-Pandemie schwer gebeutelt: Veranstaltungen müssen ausfallen, Autoren können keine öffentlichen Lesungen abhalten, im ersten Lockdown mussten auch Büchereien fünf Wochen lang geschlossen bleiben. Umso erstaunlicher sind die Zahlen, die die Weinstädter Stadtbücherei vor kurzem dem Gemeinderat präsentiert hat: Die Bücherei hatte dieses Jahr so viele Ausleihen wie noch nie.

„Das Schöne bei uns ist, dass wir seit 2015 jedes Jahr mehr Ausleihen haben“,

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